Fussball
Spürbar war nicht Bayern, sondern die Bise

Der Wirbel um FC Basel-Star Xherdan Shaqiri ist beim Training ein Tag nach den München-Gerüchten kaum spürbar. Obwohl sein Wechsel zu Bayern kaum noch bezweifelt wird, trainiert er kräftig mit.

Georges Küng
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Shaqiri im Training mit dem FCB.

Shaqiri im Training mit dem FCB.

Keystone

Auf der Brüglinger Ebene, dort, wo die Trainingsfelder des FC Basel sind, herrscht gähnende Leere. Und es ist bitterkalt. Die Bise geht durch Mark und Bein.

Wer geglaubt hätte, dass nach dem gestrigen «Münchner Tag» des Xherdan Shaqiri Hunderte von Schaulustigen und Dutzende von Medienschaffenden der morgendlichen Trainingseinheit des FC Basel beiwohnen würden, wurde enttäuscht. Denn FCB-Mediensprecher Josef Zindel informierte interessierte Journalisten, dass «das Morgentraining drinnen in der Halle stattfindet».

Und so blieb die Brüglinger Ebene und die Grün 80 am Morgen, bei gefühlten 10 Grad Minus, den Hündelern mit ihren Vierbeinern und kälteresistenten Joggern vorbehalten.

Keine Spur von Sonderstatus

Weil aber auch ein Indoor-Training hungrig macht, bekam die Öffentlichkeit Shaqiri und seine Teamkollegen am Mittag zu sehen. Es ist ein offenes Geheimnis in der Rheinstadt, dass bei zweimaligem Training ein Grossteil der Spieler mittags in einem Restaurant einer grossen Detailhandels-Kette im Shopping Center St. Jakob isst. Die Schweizer Meister bedienen sich - wie Hinz und Kunz - selber und stellen sich artig in der Warteschlange bei den Kassen ein. Keine Spur von einem Sonderstatus.

Als Erste kommen David Ángel Abraham, Radoslav Kovac und Stephan Andrist. Abraham, der sich von einer Darmerkrankung erholt hat, macht sich Gedanken über die nächste Partie in Lausanne. «Bei dieser Kälte und diesen Platzverhältnissen macht das Fussballspielen keinen grossen Spass. Und für die Zuschauer wohl auch nicht, oder?», fragte der Argentinier. Wir geben ihm Recht.

Kein Trubel um Shaqiri

Und dann kommt er. Gemeint ist «Shaq». Er geht in der Menge fast unter; und fällt eher auf, weil er ein kurzärmliges Shirt trägt. Ist es Zufall, dass das Restaurant gestern als Mittagsmenü Schweinshaxen mit Polenta für 14.50 Franken anbietet? Die Haxn sind bekanntlich eine Münchner Spezialität und geniessen in der bayrischen Hauptstadt Kultstatus. Shaqiri ernährt sich jedoch gesund - Teigwaren, Magerfleisch und frische Früchte sind seine Wahl.

Bereits am Morgen hatte Zindel erklärt, dass «man Xherdan im Training kurz fotografieren, nicht aber sprechen respektive befragen kann». Und wer gedacht hätte, dass die Mittagsgäste alle auf Xherdan Shaqiri geschaut oder ihn gar umlagert hätten, wird wieder enttäuscht. An den Tischen wird über die momentane Eiszeit und die Bise diskutiert.

Schweizer Zurückhaltung

Der Schweizer lässt Prominente und «Stars» in Ruhe. Unvergesslich, wie Roger Federer einst an seinem früheren Wohnsitz Oberwil im Leimental abends regelmässig in einen Grossverteiler einkaufen ging und niemand es wagte, ihn anzusprechen oder um ein Autogramm zu bitten.

Nach Shaqiri kommen auch Markus Steinhöfer, Fabian und Alex Frei, Philipp Degen und Yann Sommer. Auch hier die gleiche Prozedur. Essen «fassen», anstehen, bezahlen - und dann an einen grossen, zusammengesetzten Tisch, wo die halbe FCB-Mannschaft is(s)t. In München dürfte es undenkbar sein, dass die Hälfte der Equipe das Mittagessen in einem öffentlichen Lokal, das Hunderte von Leuten frequentieren, einnimmt.

Näher am Rhein als an der Isar

Nachmittags fand dann die zweite Trainingseinheit statt. Diesmal draussen, wobei die Örtlichkeit erst in der Garderobe bekannt gegeben würde. Die momentanen Witterungsverhältnisse zwingen den Trainerstab zu Flexibilität.

Dass die Stimmung in der Equipe aufgeräumt und locker ist, beweist Fabian Frei. Dieser hört einen kurzen Wortwechsel zwischen Philipp Degen und einem Medienschaffenden. Die beiden diskutieren, ob «Barça» oder doch Real Madrid die Champions League gewinnen wird. «Was für eine Frage. Wir gewinnen diese», sagt der Ostschweizer kurz und bündig.

Es ist anzunehmen, dass auch Xherdan Shaqiri damit gut leben könnte. Erst in der Saison 2012/13 würde er den Triumph einem anderen FCB wünschen. Auch wenn ihm derzeit der Rhein näher als die Isar ist.