WM
Spielt heute Nachmittag der Weltmeister auf?

Um 16 Uhr spielen die Holländer gegen die Brasilianer. Beide Teams hatten bisher einen ähnlich erfolgreichen Turnierverlauf. Die Siegermannschaft ist ein heisser Kandidat für den Weltmeistertitel.

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Brasilianische Fans mit Pokal

Brasilianische Fans mit Pokal

Keystone

Sandra Kohler

Holland gegen Brasilien, «Oranjes» gegen «Seleção» oder Arjen Robben gegen Michel Bastos. Der Linksverteidiger der Brasilianer Bastos gilt als Schwachpunkt bei den Südamerikanern. Und eben gegen diesen tritt der 26-jährige Robben an. Der «Oranje-Express» ist torhungrig, hat er doch die ersten beiden Vorrundenspiel wegen eines Muskelfaserrisses im linken Oberschenkel auf der Bank verbracht. Robben gegen Bastos, vielleicht entscheidet diese Direktbegegnung über den Ausgang des Spiels.

Bei den Holländern ist einer zu viel

Die Holländer warten immer noch auf den ersten WM-Titel. Bereits drei Mal beendete Brasilien den Weg der «Oranjes». 1998 im Halbfinale von Marseille und 1994 im Viertelfinale von Dallas. Hollands letzter Sieg gegen Brasilien war 1974. Zeit also für eine Auffrischung.

Aber in der Mannschaft herrscht ein Gerangel, denn Trainer Van Marwijk kann aus dem Vollen schöpfen: Nebst dem Offensivquartett Arjen Robben, Robin van Persie, Wesley Sneijder und Dirk Kuyt ist auch Rafael van der Vaart wieder fit. Für das 4-2-3-1-System also einer zu viel. Einer muss zu Beginn des Spiels auf der Bank Platz nehmen.

Robin van Persie machte sich beim Trainer während des Spiels gegen die Slowakei unbeliebt. Er beschwerte sich heftig, weil er vom Platz musste. Gemäss Lippenlesern soll van Persie gesagt haben: «Nimm nicht mich raus, sondern Wesley Sneijder.» Nach dem Vorfall musste eine Teamsitzung einberufen werden. Wird ihm Van Marwijks den Ausrutscher übel nehmen? Oder bleibt doch wohl eher van der Vaart auf der Bank?

Dunga ärgert sich über Umzug

Die Brasilianer stehen zwar in der Kritik, gingen aber bisher unbeirrt ihren Weg. Der Coach Carlos Dunga: «Wir müssen sowieso immer gewinnen. Und wenn wir gewinnen, dann sind unsere Fans nicht zufrieden, weil wir ein Spektakel hätten zeigen müssen - den «jogo bonito» - den schönen Fussball. Und wenn wir ein Spektakel zeigen, sind sie auch nicht zufrieden, weil sie sieben oder acht Tore hätten machen müssen. Und wenn wir auch das getan haben, dann heisst es: Der Gegner war schwach.»

Gute Fussballer haben die Brasilianer genug: Der verlässliche Goalie Julio Cesar, Abwehrchef Lucio, Goalgetter Luis Fabiano und Kakà als genialer Passgeber und Regisseur. «Meine Funktion ist es, die Stürmer mit Bällen zu füttern, so dass Robinho und Luis Fabiano die Tore machen können.»

Frage bleibt nun aber, ob sich die südamerikanischen Kicker auf den Fussball konzentrieren können. Diesbezüglich macht sich Dunga nämlich Sorgen. Das Team musste umziehen und teilt nun das Hotel mit anderen Leuten. «Das wird ein Durcheinander geben», schimpfte Dunga. «Vorher waren wir in einer gesunden Atmosphäre untergebracht.» Das habe sich ausbezahlt. Nun fürchtet er, dass nun «die totale Konzentration auf den Fussball» verloren geht.

Die Wettquoten sprechen für Brasilien

Beide Teams sind gut in Schuss. Dennoch sehen die Online-Buchmacher Brasilien als Favoriten. Es wäre aber auch nicht erstaunlich, wenn die Partie in die Verlängerung ginge, da beide Mannschaften bisher auf eine defensive Taktik gesetzt hatten. Beide Teams wissen: «In Schönheit gestorben» ist man in der Vergangenheit oft genug. Werden sie diese nicht ändern, könnte das Spiel zur Geduldsprobe werden.

Ziemlich sicher ist jedoch, dass eines der beiden Teams im Finale stehen wird. Denn im Halbfinal warten Uruguay oder Ghana und das wird die einfachere Aufgabe als die heutige Begegnung.

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