Titelkampf
Spieler mit Vergangenheit in Bern und Basel – Das sagen ehemalige Überläufer zum Titelduell

Renato Steffen war der Letzte seiner Art. Seit er zu Wolfsburg wechselte, gibt es weder in Basel einen Spieler mit YB-Vergangenheit noch umgekehrt. Umso mehr wollten wir wissen, was ehemalige Spieler denken, die diesen Frontenwechsel mitgemacht haben.

Sébastian Lavoyer
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David Degen spielte für den FC Basel und die Berner Young Boys.

David Degen spielte für den FC Basel und die Berner Young Boys.

KEYSTONE

Was halten sie von der Halbfinal-Niederlage der Basler gegen die Berner? Wie wirkt sich dieser Dämpfer auf die Meisterschaft aus? Und wie konnte der FCB in der Winterpause so aus der Spur geraten?

Beginnen wir bei dem Mann, der in Basel nicht nur Legendenstatus hat und Verwaltungsrat ist, sondern auch vier Jahre ins Berner Exil ging: Karli Odermatt (75): «Wir hatten im Cup die Chance, YB aus dem Tritt zu bringen. Die haben wir verpasst. Jetzt wird es sehr schwierig, denn YB ist meines Erachtens so stark wie noch nie. Aber wir versuchen es.»

«Der Penalty hat uns das Genick gebrochen. Den hätte ich nie gegeben.» Karli Odermatt beim FCB von 1962 bis 1975, bei YB von 1975 bis 1979

«Der Penalty hat uns das Genick gebrochen. Den hätte ich nie gegeben.» Karli Odermatt beim FCB von 1962 bis 1975, bei YB von 1975 bis 1979

Zur Verfügung gestellt

Einfach so stehen lassen will er das aber nicht: «Ich muss auf den Cup zu sprechen kommen. YB war besser, aber den Penalty hätte ich nie gegeben. In einem so entscheidenden Spiel. Ein sehr umstrittener Entscheid. Das hat mich aufgeregt.»

Degen, ein Fan von YBs Fussball

Ein wenig anders tönt es bei David Degen (35), vor dreieinhalb Jahren in Basel zurückgetreten. Wenn er auf den Halbfinal zu sprechen kommt, gerät er ins Schwärmen: «Das war ein hervorragender Auftritt von YB. Fussball, wie ihn die Leute sehen wollen, da bin ich ein Riesen-Fan. Diese Dynamik, dieser Powerfussball von vorne bis hinten. Da schlugen die Herzen höher trotz minus zehn Grad.» Gleichzeitig betont er, dass er der grösste Kritiker von Dreierketten in der Abwehr sei: «Ich weiss nicht, wieso das in der Schweiz so in Mode ist. Es gibt nur ganz wenige Trainer, die das können. Conte bei Chelsea zum Beispiel. Aber auf Dauer kann man damit keinen Erfolg haben.»

David Degen im Einsatz für den FC Basel

David Degen im Einsatz für den FC Basel

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Es ist dies eine indirekte Kritik an FCB-Trainer Raphael Wicky, der in Bern in einem 3-4-3 spielen liess. Wie in der Champions League. Und dort äusserst erfolgreich. Wie ist diese Diskrepanz möglich, Herr Degen? «Ich sehe es wie Mourinho: Basel hat in der Champions League mit fünf Verteidigern gespielt. Das ist etwas anderes.» Obwohl er Basler sei, seine Sympathien auch durch die Freundschaft mit Marco Streller klar verteilt sind, sagt er: «Für den Schweizer Fussball wäre es gut, wenn YB den Titel holen würde. Das würde auch anderen Mannschaften neuen Schwung geben und eine neue Dynamik in die Meisterschaft bringen.»

Davon ist auch Dario Zuffi (53), Vater von FCB-Mittelfeldmann Luca, überzeugt: «Es spricht sehr, sehr viel für YB, und es wäre ja auch an der Zeit, dass sie wieder einmal etwas holen. Basel hat so viel gewonnen, irgendwann muss die Serie reissen. Aber auch wenn die Hürde hoch ist: Ich drücke Basel noch immer die Daumen. Allerdings würde ich es YB auch gönnen, wenn sie das Double holten. Die Chancen stehen gut für die Berner. Mit dem Cup-Final vor eigenem Publikum ...»

Zuffi verteidigt Streller

Während sein Sohn Luca aufgrund einer Fussoperation ausfiel, verliessen Manuel Akanji und Renato Steffen den FCB im Winter. «Wenn YB ein 20-Millionen-Angebot von Dortmund oder Arsenal gehabt hätte für einen seiner Spieler, dann wäre der auch nicht mehr dort. Es ist sehr viel Geld für den Klub und eine grosse Chance für den Spieler», verteidigt Zuffi FCB-Sportchef Marco Streller. Trotzdem meint er: «Es war sicher clever von Spycher, das Team zusammenzuhalten. Ein Vorteil für YB. Sie gingen mit einem eingespielten Team in die Rückrunde. Wechsel wie bei Basel brauchen immer Zeit.»

«Auch wenn die Hürde hoch ist: Ich drücke immer noch Basel die Daumen.» Dario Zuffi bei YB von 1985 bis 1991, beim FCB von 1993 bis 1998

«Auch wenn die Hürde hoch ist: Ich drücke immer noch Basel die Daumen.» Dario Zuffi bei YB von 1985 bis 1991, beim FCB von 1993 bis 1998

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So sieht es auch Gilles Yapi (36). Viele glauben, dass sein Transfer von YB zu Basel dem FCB den Titel 2010 gebracht hat. Es war der erste von acht in Serie. «Streller hat gute Transfers gemacht. Aber selbst für Frei und Stocker, die den Verein kennen, ist es eine neue Mannschaft. Das braucht Zeit und YB profitiert davon», sagt Yapi.

Yapi spielte für den FC Basel.

Yapi spielte für den FC Basel.

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Und: «YB hat sich während der letzten Jahre immer wieder gut verstärkt. Jetzt werden sie belohnt mit dem Cupfinal und wohl dem Meistertitel», so Yapi. Obwohl er Basel alles zutraut und Sympathien für beide Mannschaften hat, denkt er, dass es gut für die Super League wäre, wenn YB Meister würde. «Die warten schon so lange in Bern.» Ob es danach Überläufer von Rotblau zu Gelbschwarz gäbe? Es ist Fussball. Alles ist möglich.