Steuersünden
So will Diego Armando Maradona den italienischen Fiskus ausdribbeln

Ex-Fussballgott Diego Armando Maradona möchte Frieden schliessen mit dem italienischen Fiskus, bei dem er mit 40 Millionen Euro in der Kreide steht. Doch das Steueramt hat kein Einsehen.

Dominik Straub, Rom
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Er war der Albtraum aller Verteidiger und Torhüter: Diego Armando Maradona hatte alle ausgedribbelt, und wenn nötig – wie an der WM 1986 gegen die Engländer – hatte auch noch die «Hand Gottes» etwas nachgeholfen.

Heute jedoch will einer nicht auf die Finten und Tricks des argentinischen Jahrhundertfussballers hereinfallen: Attilio Befera, Chef des italienischen Steueramts, verteidigt seine Kasse gegen Steuersünder so sicher und unerbittlich wie Italiens Stopper Fabio Cannavaro gegen die Deutschen im WM-Halbfinal 2006.

Zwei Rolex-Uhren beschlagnahmt

Knapp 40 Millionen Euro Steuerschulden hat Maradona noch beim italienischen Staat. Sie stammen aus den Jahren 1984 bis 1991, als «El Pibe de Oro» beim SSC Neapel spielte. Wegen der Schulden traut er sich kaum noch, einen Fuss nach Italien zu setzen. Nun will er sich dieser Altlast ein für alle Mal entledigen: «Ich möchte die Sache klären und eine endgültige Einigung mit dem italienischen Fiskus finden», erklärte er am Wochenende in einem Interview mit dem Fernsehsender Sky. Denn er wolle wieder nach Italien kommen «und die Neapolitaner und alle meine Freunde im Land umarmen».

Doch von «klären» oder «einigen» will Befera nichts wissen – er will Geld sehen. Auch Fussballgötter hätten ihre Steuern zu bezahlen. Eine gütliche Einigung mit einem kräftigen Rabatt, wie sie Maradona offenbar vorschwebe, wäre ein «falsches Zeichen» in Zeiten, in denen unter dem neuen Regierungschef Mario Monti der Kampf gegen die Steuerhinterziehung massiv verschärft wird. Bei seinen letzten Besuchen in Italien 2006 und 2010 hatten die Steuerfahnder Maradona bereits zwei Rolex-Uhren und seinen mit einem Diamanten besetzten Ohrring abgenommen und versteigert.

In Neapel fast ein Stadtheiliger

Der Wunsch nach einem friedlichen und von Steuerbeamten ungestörten Wiedersehen ist zumindest in Neapel durchaus gegenseitig. In der Hafenstadt am Fuss des Vesuvs wird Maradona auch heute noch beinahe so verehrt wie der Stadtheilige San Gennaro. Der begnadete Fussballer hatte Neapel praktisch im Alleingang zu zwei Meistertiteln geschossen – die beiden Scudetti der Jahre 1987 und 1990 waren die ersten und bisher letzten Meistertrophäen des Vereins überhaupt.

Diego Maradona
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Diego Maradona

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Maradonas Konterfei ziert in Neapel jede zweite Bar – wie das Bild der Madonna oder sogar anstelle von diesem. Sein Abschied im Jahr 1991 erfolgte allerdings etwas überstürzt und unfreiwillig: Es zirkulierten Gerüchte über Kokainkonsum, und zu Maradonas neapolitanischen Freunden zählten bekannte Mafiabosse.

Wie die Steuergeschichte ausgehen wird, ist derzeit offen. In der «Gazzetta dello Sport» hat Maradona bereits eine listige Charme-Offensive gestartet: «Ich würde ja so gerne den SSC Neapel trainieren, wenn mich das Steueramt bloss nicht zwingen würde, die 40 Millionen zu bezahlen.» Doch Steuerchef Befera wird sich wohl nicht ausdribbeln lassen: «Es gibt nur eine Lösung: Maradona muss zu uns kommen und seine Schulden begleichen.»

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