Es ist des Fussballs hässlichste Facette. Manipulierte Spiele. Wenn Spieler oder Schiedsrichter für Geld das Spiel absichtlich auf ein gewünschtes Resultat hin lenken, verliert der Sport seine Raison d'être. Und leider ist in jüngster Vergangenheit genau jene scheussliche Fratze der schönsten Nebensache der Welt vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Der Erfolg des Fussballsports und sein damit verbundenes Vermarktungspotential hat in den letzten Jahrzehnten das Spiel um das runde Leder zu einer gigantischen Geldmaschinerie anwachsen lassen. Und wo viel Geld im Spiel ist, ist das Manipulationspotential stets gross und die Versuchung nah. Das von Interpol aufgedeckte volle Ausmass des Wettskandals im internationalen Fussball hat dies eindrücklich gezeigt. Über 300 Spiele sollen zwischen 2008 und 2011 manipuliert worden sein.

Wie man den kriminellen Machenschaften künftig einen Riegel schieben will, darüber herrscht weithin Ratlosigkeit. Die einhellig vorherrschende Meinung Betrug im Sport nie vollständig ausmerzen zu können mag wohl auch korrekt sein. Dennoch kann man durchaus Vorkehrungen treffen, welche Spielmanipulationen erschweren. Die Schweizer Spielergewerkschaft SAFP hat nun eine erste präventive Kampagne gegen künftige Skandale gestartet: SHOW RESPECT - DON’T FIX IT!

Vertrauliche Hotline wird eingerichtet

Im Rahmen der Kampagne wird ab sofort eine Hotline gegen Spielmanipulationen ins Leben gerufen. Unter der Nummer +41 (0)44 386 62 27 können Spieler, Trainer oder sonstige Informanten Hinweise auf mutmassliche Spielmanipulationen melden. Zum Betrug angestiftete Involvierte oder Beobachter von verdächtigen Vorgängen werden dort absolut vertraulich und anonym behandelt. Ein Schweizer Rechtsanwalt ist Gesprächspartner, wodurch die gesamte Kommunikation ab erstem Anruf dem durch das Schweizer Strafgesetz geschützten Anwaltsgeheimnis untersteht. Diese Wahrung der Anonymität soll dazu führen, dass insbesondere Spieler und Trainer ohne Angst offen reden und informieren können. Neben der Spielervereinigung SAFP wird die Hotline vom Verein SHOW RESPECT getragen. Ziel ist es, eine kompetente und unkomplizierte Meldestelle für Spieler und Trainer für Hinweise auf Spielmanipulationen anzubieten.

Es wird geschwiegen

Diese Massnahme ist durchaus als löblich zu betrachten. Vielfach wird heute aus Angst vor Konsequenzen falscher Verdächtigungen, ’’Racheakten’’ oder unerwünschter Publicity über Verdachtsmomente geschwiegen. Dass der persönlichen Sicherheit des Hinweisgebers in dieser Kampagne höchste Priorität eingeräumt wird, könnte dazu führen, dass sich zukünftig vermehrt Beobachter von verdächtigen Vorgängen getrauen, bereits ihre blossen Bedenken einer ermittelnden Instanz mitzuteilen. Dies wiederum könnte den Behörden erlauben, früher aktiv zu werden und manipulierte Spiele zu verhindern, bevor sie stattfinden. – Und dazu, dass sich potenzielle Manipulatoren in ihrer Sache unsicherer fühlen. Daher ist die eingerichtete Hotline ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings nur ein kleiner. Alleine deswegen wird der Fussball leider noch nicht sauber.