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So wild dreht das Transferkarussell diesen Sommer

In Europa wird fleissig transferiert. Xherdan Shaqiri ist nur einer von vielen interessanten Protagonisten auf dem Transfermarkt.

Michael Meier
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Wohin des Weges, Xherdan Shaqiri?

Wohin des Weges, Xherdan Shaqiri?

Keystone

Während in der Super League der Ball bereits wieder rollt, stecken die internationalen Top-Ligen mitten in der Saisonvorbereitung und es werden fleissig Transfers abgewickelt. Noch fleissiger spinnen die Medien neuste Transfergerüchte. Mittendrin auch unser Nati-Star Xherdan Shaqiri. Der 23-Jährige hat bei Inter Mailand keine Zukunft mehr und es vergeht keine Woche ohne neue Meldungen über interessierte Vereine. Neuster Favorit ist Schalke, das durch den Verkauf von Jefferson Farfan genügend Geld zur Verfügung hätte, um sich den ehemaligen Bayern-Spieler zu krallen.

Doch sicher ist bis zur offiziellen Vollzugsmeldung nichts. Inter war sich vor zwei Wochen bereits mit Stoke City über einen Transfer des Nati-Stars einig.Stoke’s Stürmer Peter Crouch jubelte bereits auf Twitter über die Verpflichtung des vermeintlich neuen Mitspielers. Doch der Transfer zerschlug sich. Anscheinend am Unwillen Shaqiris, zu einem englischen Mittelfeldklub zu wechseln.

Dort war man pikiert und liess verlauten, man habe von einer Verpflichtung abgesehen, weil der Spieler eine Deadline verstreichen liess, ohne sich jemals zu melden.

England schwimmt im Geld

Shaqiri ist natürlich nicht einziger Gegenstand der täglichen Transfergerüchte und -vollzugsmeldungen. Doch bisher hat das Transfer-Karussell nur bedingt Fahrt aufgenommen. Kracher-Transfers von absoluten Top-Stars gab es noch keine. Nichtsdestotrotz wurden in der englischen Premier League bereits 531,88 Mio. Euro für neue Spieler ausgegeben.

Seit dem Abschluss eines neuen TV-Vertrages überfallen englische Vereine den Transfermarkt mit astronomischen Summen. Beste Beispiele sind die beiden Neuverpflichtungen von Liverpool, der Brasilianer Roberto Firmino und der Belgier Christian Benteke für 41 respektive 47 Millionen Euro. Beide Nationalspieler zwar, aber international wenig erfahren. Das Geld dazu nimmt Liverpool aus dem Verkauf des hochtalentierten 20-jährigen Raheem Sterling, der für eine englische Rekordsumme von 62,5 Mio. Euro zu Ligakonkurrent Manchester City wechselte.

Dieser Transfer war von einigen Nebengeräuschen begleitet, erzwang der Jungstar seinen Transfer doch dadurch, dass er sich mehrere Tage krank meldete und sich weigerte, an einer Promo-Tour seines (Ex-)Vereins in Asien teilzunehmen. Sterling war jedoch nicht der einzige Spieler, dessen Transfer alles andere als harmonisch ablief.

Behrami provoziert Abschied

Der Schweizer Nationalspieler Valon Behrami rechnete nach der letzten Saison in den Medien mit seinem Arbeitgeber Hamburg ab, behauptete unter anderem, seine Deutschkenntnisse seien das Einzige gewesen, das er in Deutschland verbessern konnte. Kurz darauf stand der Transfer zum englischen Aufsteiger Watford fest.

Auch Ciro Immobile ekelte sich gleich selbst raus, als er sich während Dortmunds Asien-Tour auf sämtlichen Flughäfen demonstrativ 50 Meter entfernt vom restlichen Team hinsetzte und zusätzlich noch einen Medientermin verschlief. Einige Tage später wurde der unzufriedene Stürmer für ein Jahr an den FC Sevilla ausgeliehen.

Im Grossen und Ganzen hielten sich die Premier-League-Teams angesichts des Geldsegens aus dem TV-Vertrag bisher merklich zurück. Arsenal beispielsweise holte einzig den Torhüter Petr Cech von Meister Chelsea. Dieser wiederum hat auch erst einen namhaften Zuzug zu vermelden. Radamel Falcao, der in der letzten Saison von Monaco an ManU ausgeliehen war, kommt jetzt für ein Jahr leihweise nach London.

Diese Verpflichtung diente Trainer Jose Mourinho gleichzeitig der Provokation, indem er sagte, es tue ihm weh, dass man in England glaube, der «richtige Radamel Falcao» sei der gewesen, den man bei Manchester United erlebt habe. Denn Falcao hatte in Manchester als Leihgabe der AS Monaco in der letzten Saison enttäuscht. «Wenn ich etwas tun kann, ihn zu seinen wahren Qualitäten zurückzuführen», sagte Mourinho weiter, «so werde ich es tun.» Ein Affront gegen ManU-Coach van Gaal.

Valencia als Grossklotz

Das Team, welches in dieser Transferphase bisher am meisten Geld ausgegeben hat, stammt aus Valencia: Für Spieler wie Negredo, Andre Gomes, Rodrigo oder Cancelo wurden 102 Mio. Euro ausgegeben. Und dies obschon man sich erst noch über die Playoffs für die Champions League qualifizieren muss.

Damit hat der letztjährige Tabellenvierte gleich viel ausgegeben wie Real Madrid und der FC Barcelona zusammen, die sich beide noch zurückhalten. Bei Barça ist dies verständlich. Wegen einer Transfersperre infolge von Ungereimtheiten in früheren Transfers minderjähriger Jugendlicher, dürfen Neuverpflichtungen wie Arda Turan von Atlético erst im nächsten Jahr für Barça auflaufen. So ist Barcelona für einmal kein erstrebenswertes Transferziel für Spieler.

Im Gegensatz zu Real, wo man aber mit dem bestehenden Kader zufrieden scheint, und nur punktuelle Anpassungen vornimmt, wie den Zuzug des brasilianischen Aussenverteidiger Danilo. Am meisten zu reden in Madrid gab sowieso die Ausmusterung von Torhüter-Legende Iker Casillas, der zu Porto wechselt.

Die Öffentlichkeit war entrüstet über das Vorgehen der Vereinsführung, allen voran die Mutter von Casillas, welche sich in der Presse den Frust von der Seele redete: «Ich habe ihn viele Jahre leiden sehen. Die haben meinen Iker ganz mies behandelt», wird sie in «El Mundo» zitiert und setzt obendrauf: «Ein Weltmeister kann nicht bei einem Klub wie Porto enden.» Dies sei ein drittklassiger Verein, so Mama Casillas weiter. Ob ihr Sohn das gerne hört ..?

Was passiert noch?

Das Transferfenster in den europäischen Top-Ligen ist noch bis Ende August geöffnet. Es werden noch einige Transfers vollzogen. Der Wechsel des chilenischen Mittelfeldstars Arturo Vidal von Juventus zu Bayern kann nur noch am Medizincheck scheitern.

Zudem spekulieren die Münchner auf eine Verpflichtung von Ángel di María. Doch auch die Scheichs von PSG, welche sich wegen des Financial Fairplays bisher zurückhielten, sollen interessiert sein. Sollte ManU den Argentinier für mehr als 54 Mio. Euro verkaufen, würde dieser einen Rekord aufstellen und zum Spieler werden, für den in seiner Karriere insgesamt am meisten Geld bezahlt wurde. Er würde Zlatan Ibrahimovic ablösen, der über die Jahre 169 Mio. an Ablöse gekostet hat.

Einen solchen Wert wird Xherdan Shaqiri wohl nicht erreichen. Sein Ziel ist es erstmals, einen Verein nach seinen Vorstellungen zu finden.

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