Es ist ein Abend im November. Es ist bereits spät geworden, als Bernhard Heusler das Telefon in die Hand nimmt und Marco Streller anruft. "Er hat mir gesagt, dass er mich treffen wolle", erzählt Streller, der natürlich einwilligt. Doch was er dann erfährt, haut ihn aus den Socken. "Er sagte mir, dass die Crew um ihn zurücktreten wolle. Und dass man mir die sportliche Leitung anvertrauen wolle."

Sofort kommen Fragen bei ihm auf. "Kann ich das? Sind die Fussstapfen nicht zu gross?" Beantworten, so erzählt er, habe er diese Fragen nicht sofort können. Aber er habe gemerkt, dass ihn ihm etwas passiere. "Das Feuer, das ich als Spieler am Ende meiner Karriere etwas vermisst hatte, war auf einmal wieder da ist. Ich merkte: ich brenne auf diese Aufgabe.“ 

Marco Streller (2)

Marco Streller über Bernhard Heusler und die Mitgliederversammlung. 

Sofort überlegt er sich, wie er diese Aufgabe stemmen soll. Wen brauche ich, damit ich das schaffe? Alleine, das weiss er, schafft er es nicht. "Schliesslich kenne ich meine Stärken, aber auch meine Schwächen." So kontaktiert er zwei seiner Freunde, Alex Frei und Massimo Ceccaroni. Der eine U15-Trainer beim FCB, der andere Leiter der Nachwuchsabteilung, also wie Streller bereits beim Verein angestellt. Und Legenden, die den Club im Herzen tragen. 

Die Chemie stimmt sofort 

"Sie waren sofort bis in alle Haarspitzen motiviert", sagt Streller und lacht lauthals. Der Seitenhieb gegen den kahlen Ceccaroni, es sollte nicht der letzte an diesem Abend sein, und er wird es auch sonst nicht sein. 

Wenn Streller diese Geschichte erzählt strahlt er. So, wie man es von ihm lange nicht mehr gesehen hat. Der Stolz, mit dem er erfüllt ist, er ist beinahe schon greifbar. Die Schultern und die Brust breit wie nie. 

Doch damit, Frei und Ceccaroni ins Boot zu holen, war die Sache noch lange nicht getan. "Wir waren uns alle drei einig, dass die sportliche Kompetenz alleine nicht ausreicht. Wir brauchten auch jemanden für die unternehmerische Seite." Und hier kommt Bernhard Burgener ins Spiel. Dieser unheimlich erfolgreiche, zeitgleich aber unscheinbare Unternehmer, der sich sein Millionen-Imperium selber aufgebaut hat. Gekannt hat Streller ihn nicht. 

So brauchte es den aktuellen noch waltenden Verwaltungsrat um Bernhard Heusler, damit die Bande geknüpft werden konnten. "Wir sind sehr glücklich, dass Bernhard (Heusler) uns mit Bernhard (Burgener) an einen Tisch gebracht hat. Und dann hat das auch sofort geklappt mit uns vier, wir haben uns auf Anhieb super verstanden. Das ist ein grosses Glück." 

Marco Streller

Marco Streller über die Gründe, wieso die Mitglieder überzeugt sind. 

Das ist im Januar diesen Jahres, wie Burgener sagt. Der Rest, ja, der sei genau so abgelaufen, wie Marco Streller das erzählt habe.

Seither sind fünf Monate vergangen. Eine lange Zeit. Und eine "nicht immer einfache Zeit", wie Streller sagt. "Wir durften ja nicht gross darüber reden." Und wer Streller kennt, der weiss, dass er nicht der ist, der gerne solche Sachen für sich behält. 

Staunen und Stolz 

Jetzt, fünf Monate später, darf er endlich reden. Auf der Bühne in der Joggelihalle und später auf dem Podium im Pressezentrum des FC Basel. Dort also, wo er künftig vor dem Start der Saison Auskunft geben wird über Transfers und Saisonziele. Über Trainer-Entlassungen und  -Verpflichtungen. 

Er sitzt dort neben Burgener. Und wenn man die beiden künftigen Gesichter des FC Basel so sieht, dann scheint es dem Unternehmer ganz recht zu sein, dass er neben sich einen Entertainer sitzen hat. Einen, der die anwesenden Medienschaffenden schon kennt, weiss, wie er mit ihnen umgehen muss. 

Die Last, die den beiden an diesem Abend von den Schultern gefallen ist, die dürfte gross sein. "Die Anspannung war da, klar", gibt Streller zu. Als er dann auch noch die rappelvolle Joggelihalle betreten habe, da dachte er erst einmal "boah, so viele Leute!" 

Aber das Staunen wich schnell Stolz. Schliesslich ist Streller als Gesicht des Projekts 10'000 mitverantwortlich dafür, dass an diesem Abend so viele Menschen anwesend sind. 

Jetzt aber ist keine Zeit mehr da, Mitglieder zu akquirieren. Die Planung für die nächste Saison ruft. "Und wir sind da schon spät dran!", mahnt der künftige Sportchef. Noch sind Burgener und Streller etwas die Hände gebunden, juristisch gesehen sind sie nicht handlungsfähig, die Verträge von neuen Spielern werden Heusler und Heitz noch zeichnen müssen. 

Zumindest bis zum 9. Juni, wenn endgültig übergeben wird und der Machtwechsel Tatsache ist. Bis dann kann Streller sich auch noch überlegen, wie er seine künftige Rolle genau interpretieren will. 

"Das ist alles eine Frage der Struktur. Ich habe zu Hause eine Familie, die mir heilig ist. Dass ich vor allem am Anfang mehr weg sein werde, das ist ihnen auch klar." Lachend fügt Streller an, wie gross die Freude seiner Frau war, als er ihr seine Pläne aufzeigte. 

Und Streller, er ist sich bewusst, was auf ihn zukommt. Sein Vorgänger Georg Heitz war immer erreichbar. War er es nicht, hat er zurückgerufen. Ob das bei ihm auch so sein wird, wird Streller gefragt? Darauf sagt er nur: "Wir werden eine eigene Note reinbekommen."

Denn, und das will Streller nicht ungesagt lassen: "Bernhard Burgener ist nicht Bernhard Heusler und Marco Streller ist nicht Georg Heitz." Das müsse man bitte verstehen, sagt Streller und verschwindet wenig später im Bauch des Stadions. Schliesslich müsse auch er erst einmal sacken lassen, was da gerade passiert ist.