Weltmeisterschaft
So hält die Schweizer Nati die Spanier in Schach

Morgen spielt die Schweiz ihr erstes Vorrundenspiel gegen Spanien. Will die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld gegen den Europameister nicht untergehen ist ein Fünf-Mann-Mittelfeld von Nöten. Inler und Huggel müssen das Zentrum versiegeln

Vasilije Mustur
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Keystone

Noch 24 Stunden, dann ist es soweit: Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft bestreitet gegen Spanien ihr erstes WM-Spiel in Südafrika. Dabei zeichnet sich beim amtierenden Europameister Spanien folgende Startformation ab:

Casillas (Real Madrid), Sergio Ramos (Real Madrid), Pique (FC Barcelona), Puyol (FC Barcelona), Capdevila (Villareal), Xavi (FC Barcelona), Xabi Alonso (Real Madrid), Busquets (FC Barcelona), Silva (Valencia), Iniesta (FC Barcelona), Villa (Valencia).

Das Zögern des Trainers

Während bei den Spaniern keine Diskussionen um die Aufstellung aufkam, zögert der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld die Entscheidung um die Startelf weiter hinaus. Der Grund: Kapitän und Starstürmer Alexander Frei verpasst das Startspiel gegen Spanien aufgrund seiner Knöchelverletzung genauso wie sein Teamkollege Valon Berahmi wegen muskulärer Probleme. Damit muss sich Hitzfeld gegen Spanien von seinem angestammten Spielsystem verabschieden und zwischen folgender offensiven und defensiven Variante entscheiden:

Das 4-4-2 System hat sich in der WM-Qualifikation bewährt. Doch gegen die technisch überragenden und torgefährlichen Spanier mit diesem «offensiven» Schweizer System aufzulaufen, wäre für das Team der sportliche Untergang.
Fazit: Ein Zweier-Sturm Nkufo Derdyiok wäre gegen Spanien ein Fehler.

Variante Zwei mit drei Mittelfeldspielern

Zwar bereitet sich das Schweizer Team gegen Spanien weiterhin im bewährten System vor. Sobald die Kameras und Medienleute den Trainingsplatz verlassen, stellt Hitzfeld jedoch auf drei zentrale Mittelfeldspieler und einen Stürmer um. Ein weiteres Zeichen für den Systemwechsel ist, dass der Schweizer Coach offen darüber spricht. «Wenn ich einen Mittelfeldspieler aufstelle - wie Pirmin Schwegler - dann haben wir eine andere Organisation. Die Spanier werden höchstwahrscheinlich auch mit drei zentralen Mittelfeldspielern auflaufen». Will heissen: Um das Weltklasse-Mittelfeld der Spanier mit Xavi, Alonso und Busquets über 90 Minuten in Schach zu halten, braucht die Schweiz ein Fünfermittelfeld.

Von Edeljoker Yakin bis «Arbeiter» Pirmin Schwegler

Entscheidet sich Hitzfeld für das System mit drei zentralen Mittelfeldspielern, hat der Trainer mehrere Optionen zur Hand: Wählt Hitzfeld die offensive Variante, drängt sich Edeljoker Hakan Yakin auf. Trotz seiner läuferischen Defizite und seinem fraglichen Fitnessstand, kann Yakin mit Freistössen oder einem Weltklassepass für den Unterschied sorgen.

Indes scheint sich eine weitere, defensivere Variante bei Hitzfeld durchzusetzen. Inler und Huggel sichern das defensive Mittelfeld ab und Pirmin Schwegler von der Frankfurter Eintracht verstärkt das Zentrum.

Fazit: Hitzfeld wird erst morgen entscheiden. Allerdings scheint sich bei Hitzfeld die Option mit drei Mittelfeldspielern und Pirmin Schwegler durchzusetzen. Damit würde die Schweiz gegen Spanien in folgender Formation spielen: Benaglio, Senderos, Grichting, Lichtsteiner, Ziegler; Inler, Huggel, Barnetta, Schwegler, Fernandes oder Padalino und Nkufo auflaufen.

Eines ist aber sicher - Systemwechsel hin oder her. Die Schweizer Nationalmannschaft ist gegen Europameister Spanien der krasse Aussenseiter. Deshalb zeigt «a-z.ch», was die Mannschaft tun muss, um gegen Spanien nicht unterzugehen:

Benaglio und der Flatterball Jambulani

Die Nummer 1 im Schweizer Tor ist nicht zu beneiden. Diego Benaglio wird sich nicht nur mit den brandgefährlichen Offensivkräften der Spanier sondern auch mit dem unberechenbaren WM-Flatterball «Jambulani» herumschlagen müssen.

Die bisherigen WM-Spiele haben nämlich gezeigt: Je länger der Ball in der Luft ist, desto schwieriger ist er für die Torhüter zu berechnen. Dabei ist praktisch in jedem Spiel zu sehen, wie ein Torhüter «Jambulani» erst im Nachfassen halten kann. Trauriger Höhepunkt dieses Problems war der englische Torwart, als dieser ein «Schüsschen» passieren liess. Selbstverständlich handelte es sich um einen klaren Torwartfehler, dennoch spielte der Respekt vor dem Ball mit Sicherheit eine Rolle. Für Benaglio heisst das: 90 Minuten lang volle Konzentration und wenn die Schweizer Nummer 1 nicht sicher ist, dann den Ball lieber zur Seite wegfausten anstatt versuchen «Jambulani» zu fangen.

Durch das Schweizer Zentrum darf nur eine Nadel passen

Spanien ist für sein Kurzpassspiel gefürchtet. Die Südeuropäer kommen jeweils mit Tempo in die gegnerische Platzhälfte, kombinieren sich mit Doppelpässen in die Nähe des Strafraums und spielen die gegnerische Abwehr dabei schwindlig. Um das zu verhindern muss das Duo im zentralen Mittelfeld Inler/Huggel und die Innenverteidigung mit Senderos/Grichting kompakt agieren und die Räume eng machen.

Keine unnötigen Ballverluste

Spanien wird von Beginn an das Spieldiktat an sich reissen. Somit wir der Europameister bis zu 70 Prozent Ballbesitz haben. Die Folge: Die Schweizer Nationalmannschaft wird ein enormes Laufpensum absolvieren müssen. Darüber hinaus ist sich Abwehrchef Grichting sicher: «Die Spanier werden ein schnelles Tor suchen».

Deshalb ist es für das Spiel der Schweiz eminent wichtig, nicht in unnötigen Aktivismus zu verfallen, wenn sie in Ballbesitz kommen. Schludrige Pässe oder unnütze Schüsse aus der zweiten Reihe bringen die Spanier nicht aus dem Konzept. Die Devise muss daher lauten, den Ball in aller Ruhe in den eigenen Reihen sicher zirkulieren zu lassen und auch nicht vor einem unpopulären Rückpass auf Benaglio zurückschrecken. Das sieht zwar nicht besonders attraktiv aus, ist aber in einem Spiel gegen einen Favoriten äusserst effektiv. Und eines darf die Schweiz nicht vergessen: Je länger das Spiel 0:0 steht, desto nervöser werden die Spanier - schliesslich sind die Iberer die haushohen Favoriten.

Optimale Chancenauswertung

Primäre Aufgabe der Schweiz muss das Verteidigen sein. Offensiv wird die Mannschaft von Othmar Hitzfeld aber zu vier, vielleicht fünf Torchancen kommen - und die gilt es auszunutzen. Fahrlässig mit den Möglichkeiten gegen eine Mannschaft wie Spanien umzugehen, wird in der Regel postwendend bestraft.