Schweizer Cup
So gut wie nie, und doch ausgeschieden – Aarau unterliegt Luzern mit 3:4

Es ist der Abend der Versöhnung im Brügglifeld: Endlich wieder macht der Super-League-Absteiger Aarau Spass – trotzdem verliert er im Cup-Viertelfinal. Luzern siegt mit 4:3, dies obwohl der FCA zweimal in Führung lag.

Sebastian Wendel (Text) und Patrick Haller (Liveticker)
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Luzerns Lezcano gegen Aaraus Radice (r.).
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Ernüchterung im Lager des FCA: Obwohl man sein kämpferisches Gesicht zeigte, gabs eine Niederlage.
Die Spieler des FC Luzerns freuen sich mit den Fans über den Sieg gegen den FC Aarau.
Hyka freut sich über seinen Treffer.
Grosse Freude: Luzern bodigt den FC Aarau.
Bildergalerie FC Aarau - FC Luzern
Luftduell im Brügglifeld: Lezcano und Thaler (r.) im Zweikampf.
Der Aarauer Daniele Romano jubelt nach dem Tor zum 2:1.
Ein Sinnbild fürs Spiel: Zwar konnten die Aarauer Luzern fordern, aber am Ende lagen doch die Gastgeber auf dem Rücken.
Aaraus Nganga (l.) fordert FCL-Goalie Zibung.
Der Aarauer Daniele Romano (l.) gegen den Luzerner Remo Freuler.
Lezcano schoss den FCL mit 3:2 in Front.
Luzerns Marco Schneuwly.
Torschütze Nganga (r.) im Zweikampf mit Luzerns Freuler.
Nganga feiert seinen Treffer zum 1.0.
Bozanic (l.) gewinnt den Zweikampf gegen Carlinhos.
Carlinhos zwingt Luzerns Pulijc zur Grätsche.
Aaraus Sandro Burki und Luzerns Marco Schneuwly buhlen um den Ball.
Hier war die Welt noch in Ordnung: FCA-Coach Schällibaum (r.) und Luzerns Jerome Thiesson.

Luzerns Lezcano gegen Aaraus Radice (r.).

Keystone

Trauern über die verpasste Halbfinal-Qualifikation? Oder lachen über die beste Leistung der Vorrunde? Die Spieler des FC Aarau und ihr Trainer befinden sich nach dem 3:4 gegen Luzern im Wechselbad der Gefühle. «Für mich steht das Resultat immer an erster Stelle – und wir sind nun mal ausgeschieden», sagt ein geknickter Luca Radice. «Ich bin stolz auf die Jungs. Nach diesem Auftritt blicke ich optimistisch auf das nächste Jahr», sagt wenig später FCA-Trainer Marco Schällibaum.

Hinten hui, vorne pfui. Was für die bisherige Vorrunde gilt, wird im letzten Spiel des Jahres über den Haufen geworfen. Aarau liegt gegen den Tabellenvierten der Super League zweimal in Führung. Aarau erzielt drei Tore und somit so viele wie in keinem der 18 Ligaspiele zuvor. Aarau muss aber zweimal innert kürzester Zeit den Ausgleich hinnehmen. Und kassiert am Ende vier Tore, was ebenfalls Saisonpremiere bedeutet.

Verteidiger Nganga, der Doppeltorschütze

Die entscheidenden Figuren auf Seite des Heimteams sind Igor Nganga und Daniele Romano. Für sie gilt das Fazit «zwischen Himmel und Hölle» im Speziellen: Nganga, der Rechtsverteidiger, läuft wie zu seinen besten Zeiten die Linie rauf und runter, erzielt zwei Tore und ist mit Abstand auffälligster Aarauer. Nganga ist es aber auch, der beim 3:2 für Luzern das Abseits aufhebt; Lezcano übernimmt und schiebt nach 76 Minuten zur Führung für die Gäste ein.

Daniele Romano macht gestern ebenfalls eines seiner besten Spiele im FCA-Dress. Und belohnt sich dafür gleich selber mit einem tollen Weitschusstor zum 2:1 (55.). Aber auch Romano hat einen folgenschweren, schwachen Moment: In der 10. Minute verliert er im Strafraum Marco Schneuwly aus den Augen, prompt staubt der zum 1:1 ab.
Apropos Schneuwly: Der sorgt in der 79. Minute mit dem 4:2 für die Entscheidung. Und zementiert den Fakt, dass Aarau sein absoluter Lieblingsgegner ist: 23 Tore und Vorlagen in 21 Spielen – gegen keine andere Mannschaft hat Schneuwly eine bessere Bilanz.

Unauffälliger Mart Lieder

Am Ende steht also wie erwartet die oberklassige Mannschaft im Halbfinal. Luzerns Sieg ist verdient. Das Team von Markus Babbel zeigt grosse Moral, indem es nach dem 0:1 und dem 1:2 innert weniger Minuten den Ausgleich erzielt. Und Luzern beweist Cleverness, weil es nach dem 2:2 nicht sofort zum Dolchstoss ansetzt, sondern den Gegner müde werden lässt und dann innert dreier Minuten zweimal zuschlägt. «Das war ein richtiger Cupfight, sensationell. Aarau hat uns alles abverlangt, wir haben die richtige Reaktion gezeigt», sagt FCL-Trainer Babbel. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt trotzdem für die Innerschweizer: Ihr Topskorer Dario Lezcano hat auf dem Brügglifeld womöglich sein letztes Spiel im FCL-Trikot absolviert. Seine Auswechslung jedenfalls ist begleitet von Standing Ovations der Fans und traurigem Gesichtsausdruck von Lezcano. Wohin es den Paraguayer zieht? Wohl in den zahlungskräftigen Osten.

Sicher ist: Lezcano geht nicht nach Aarau. Dort wäre man jedoch schon zufrieden mit einem Stürmer, der nur halb so gut wie Lezcano ist. Mart Lieder jedenfalls hat die Klasse nicht, den Super-League-Absteiger vor dem Fall in den Amateurfussball zu bewahren. Gestern nimmt man Lieder bei einem Brutalo-Foul gegen Luzerns Affolter und bei seiner Auswechslung wahr – sonst nicht. Albian Ajeti vom FC Basel? Tabakovic von YB? Ianu von Schaffhausen? Einige Namen von potenziellen neuen Stürmern geistern durchs Brügglifeld.
Wer auch immer der Hoffnungsträger ist – er trifft auf eine intakte Mannschaft. Eine, die gemessen an ihrem Potenzial nichts zu suchen hat am Tabellenende der Challenge League. Eine, die die Vorgaben von Trainer Schällibaum immer besser umsetzt und die auch bereit ist, zu kämpfen. Das hat sie gegen Luzern bewiesen – und deswegen nimmt ihr die Niederlage auch niemand übel. Vielmehr ist der Abend eine Versöhnung zwischen Mannschaft und Fans, die zuletzt an der richtigen Einstellung der Spieler zweifelten. Schlusswort Schällibaum: «Die Spieler und ich, wir leiden auch unter der Vorrunde. Aber wir tun alles, um da rauszukommen – dafür mein Ehrenwort!»

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