Nationalmannschaft
So bereiten sich Bulgaren und Schweizer auf den Showdown vor

Die Flanken kommen zentimetergenau. Gelernt ist eben gelernt. Lothar Matthäus wird nicht müde, die am Elfmeterpunkt lauernden Stürmer mit Bällen zu füttern. Es regnet, und einige der bulgarischen Spieler haben sich bereits im Bus verkrochen.

Markus Brütsch, Freienbach/Basel
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Trainer Ottmar Hitzfeld gibt seiner Mannschaft Anweisungen

Trainer Ottmar Hitzfeld gibt seiner Mannschaft Anweisungen

Keystone

Hinter dem bulgarischen Nationalteam liegt ein Training, das zu jeder Zeit den Eindruck vermittelt hat, da bereite sich ein Team hoch konzentriert auf seine nächste Aufgabe vor. Hinterher sagt Coach Matthäus: «Wir sind da, um ein starkes Spiel abzuliefern.» Er betont, seine Mannschaft habe gegen England über siebzig Minuten eine ordentliche Leistung gezeigt, leider aber den Start total verschlafen.»

Von Chaos keine Spur

Der Augenschein im Basler Rankhof am Sonntagabend macht deutlich, dass ein paar Medien wieder einmal masslos übertrieben haben. Chaos bei den Bulgaren, haben sie am Wochenende vermeldet. Von Streitigkeiten, Diffamierungen, Beschuldigungen und Rückritten war die Rede. Fakt ist indes bloss, dass die beiden Spieler Manolev vom PSV Eindhoven und Delev von CSKA Sofia nicht mit in die Schweiz geflogen sind. Beleidigt, weil sie gegen England nicht dabei waren, sind die beiden aus dem Camp der Bulgaren abgehauen.

Die Geschichte erinnert an Stéphane Chapuisat und Stéphane Henchoz, die unter Köbi Kuhn auch mal davongelaufen sind. Fünf Minuten nach dem Spiel habe Manolev eine Aussprache verlangt, sagt Matthäus. Er habe dem Spieler dann erklärt, dies sei nicht der richtige Zeitpunkt dafür.

Matthäus, der das Training überaus engagiert geleitet hat, lässt keine Zweifel offen, dass Bulgarien am Dienstag das 0:3 gegen England vergessen lassen will. Er hat nicht den geringsten Zweifel, dass sein Team genügend Motivation aufbringen wird, um den Schweizern alles abzuverlangen. «Wer das bulgarische Nationaltrikot überzieht, dem ist bewusst, dass er für die Ehre seines Landes spielt», sagt Matthäus.

Schon sieben Stunden vor den Bulgaren hatten die Schweizer ihre sonntägliche Trainingseinheit absolviert. Ein paar Hundert Schaulustige und viele jugendliche Autogrammjäger hatten zugeschaut, wie sich die Schweizer weiter dem so wichtigen Spiel gegen die Bulgaren annäherten. Und ziemlich gut ersichtlich war geworden, in welcher Besetzung Coach Ottmar Hitzfeld sein Team morgen Abend im Basler St.-Jakob-Park auf den Rasen schicken wird.

War schon länger klar gewesen, dass die Schweizer im Defensivbereich mit Benaglio; Lichtsteiner, Senderos, Djourou, Ziegler; Inler und Dzemaili spielen würden, so hatte es für die offensive Dreiermittelfeldreihe hinter Derdiyok noch die Fragezeichen gegeben, wer neben Xherdan Shaqiri in der Mitte und wer ganz links spielen wird.

Hitzfeld liess nun zum überwiegenden Teil Granit Xhaka in der Mitte und Admir Mehmedi auf der linken Seite üben, was bedeuten würde, dass Innocent Emeghara auf der Ersatzbank sitzen wird. «Ich habe zwar beim FCZ noch nie auf der linken Seite gespielt», sagt Mehmedi, «aber ich bin ein Offensivspieler, der ganz vorne, rechts, in der Mitte oder eben auch links spielen kann.» Dass die Bulgaren scheinbar mit einigen Problemen im Gepäck angereist sind, ist auch Mehmedi zu Ohren gekommen. «Damit beschäftigen wir uns aber nicht, wir konzentrieren uns ganz auf uns selbst.»

«Mit der nötigen Geduld»

Als die Schweizer am vergangenen Freitag das Nati-Camp für einen freien Tag verlassen hatten, war ihre Ausgangslage in der EM-Qualifikation noch deutlich weniger gut, als bei ihrer Rückkehr nach Feusisberg. «Ich habe die Spiele von Bulgarien und Montenegro zu Hause am Fernsehen gesehen», sagt Granit Xhaka. «Es motiviert zusätzlich, dass wir uns jetzt wieder aus eigener Kraft für die Europameisterschaft qualifizieren können.»

Selbst fühlt er sich bereit für seine Aufgabe, auch wenn er aus Verletzungsgründen im bisherigen Saisonverlauf in der Super League lediglich ein paar Minuten mittun konnte. «Physisch bin ich bereit, ich habe auch diese Woche mit der Nati gut und intensiv trainiert», sagt der bald 19-Jährige. «Wir müssen nun gegen Bulgarien mit der nötigen Geduld spielen und nicht glauben, wir müssen die Partie schon in den ersten Minuten für uns entscheiden.»

Im Vergleich zum Hinspiel in Sofia (0:0) wird sich die Schweizer Mannschaft auf nicht weniger als sieben Positionen verändert präsentieren. Nur die beiden Aussenverteidiger Lichtsteiner und Ziegler sowie Dzemaili und Inler waren schon in Bulgarien Titular gewesen. Immerhin gibt es aus dem Lager des SFV auch eine Konstante zu vermelden: Michel Pont bleibt Assistenztrainer der Nationalmannschaft. Der Romand, seit 2001 im Amt, hat seinen Vertrag bis zur WM 2014 in Brasilien verlängert.

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