Vier Niederlagen und nur ein Sieg. Normalerweise hat man in Sion mit einer solchen Bilanz als Trainer eine so lange Lebendsdauer wie ein Kaninchen im Löwenkäfig. Doch Sion-Präsident Christian Constantin frisst für einmal nicht den Trainer, sondern die Spieler. Constantin sagt: «Michel Decastel hat meinen Nachwuchs in der Rückrunde zum besten U21-Team des Landes gemacht. Das sind beste Voraussetzungen, um ein neues, junge Team aufzubauen. Ich konnte Michel überzeugen, seine Arbeit in der Super League weiterzuführen.»

Constantin macht beim Reinemachen nicht Halt vor grossen Namen. Den Vertrag mit Nationalspieler Gelson Fernandes, der von Ottmar Hitzfeld für das Zypern-Spiel nicht nominiert worden ist, wurde bereits aufgelöst. Gelson sei bei Chievo Verona im Gespräch, sagt Constantin. Der 26-jährige Mittelfeldspieler, der seine Odysee durch Europa (Sion, Manchester City, Saint Etienne, Chevo, Leicester, Udinese, Sporting Lissabon) fortsetzen wird, sagt kurz und knapp: «Es ist besser so, für alle.»

Neben Gelson Fernandes haben auch der italienische Weltmeister Gennaro Gattuso, der frühere Schweizer Internationale Xavier Margairaz, Abwehrpatron Michael Dingsdag, Arnaud Bühler, Anthony Sauthier, Didier Crettenand, Adailton, Adao, Kyle Lafferty, Yoda, Kevin Fickentscher, Aislan, Darragi und Leo keine Zukunft mehr im Wallis. Auch Sportchef Marco Degennaro wird den FC Sion verlassen.

Folgt nun die Einkaufstour?

Noch ist nicht absehbar, ob Constantin im Gegenzug auf grosse Einkaufstour gehen wird. Fix sind bisher erst die Zuzüge von Aussenverteidiger Pa Modou (St. Gallen) und Mittelfeldspieler Freddy Mveng (zuletzt von YB an Wohlen ausgeliehen). Ausserdem will Constantin den Servette-Verteidiger Vincent Rüfli ins Tourbillon locken. Gerüchterweise ist er auch an Xavier Kouassi von Servette interessiert. Dieser steht übrigens auch in Verhandlungen mit dem FC Aarau.

Constantin will künftig vermehrt auf den eigenen Nachwuchs setzen. Diese Erkenntnis hatte er spätestens nach dem 4:2 im abschliessenden Spiel gegen den FC Zürich, als bei Sion fünf Nachwuchsspieler in der Startformation standen.

2,2 Millionen Franken investiert Sion jährlich in seine Nachwuchsakademie. «Es ist Zeit, dass sich diese Investition lohnt», sagt CC. Er habe schon Decastels Vorgänger Gattuso gesagt, er solle auf die Jungen setzen. «Leider hat er nicht auf mich gehört.» Apropos Gattuso: Der früher Milan-Star hat sich gemäss Constantin kürzlich mit Maurzio Zamparini, dem Präsidenten von Serie-A-Absteiger Palermo getroffen.