Michael Frey muss schmunzeln. Ein Journalist zeigt ihm ein Bild, auf dem er selber zu sehen ist. Es zeigt seine Aktion in der 11. Minute, direkt nach seinem Führungstreffer für den FC Zürich im Cupfinal gegen die Berner Young Boys. Frey schreit YB-Trainer Adi Hütter mitten ins Gesicht.

FCZ ole oleee: So feierten die Spieler und Fans

FCZ ole oleee: So feierten die Spieler und Fans

Vor zwei Jahren verzichtete der FCZ aufgrund des Abstiegs auf eine ausgelassene Feier nach dem Cupsieg. Nun holten die Zürcher die Party nach. Inklusive Freys nacktem Oberkörper.

«Wenn ich dieses Bild jetzt so sehe, dann ist es schon etwas speziell. Ich bin durchgesprintet, wollte zu den Kollegen, und er stand eben gerade da. Im Nachhinein hätte ich es sein lassen können, aber in dem Moment hat es gutgetan. Es ist in diesem Jahr bei YB schon ziemlich viel Wut zusammengekommen.»

Michael Frey: Den Cupsieg haben wir verdient"

Michael Frey: «Den Cupsieg haben wir verdient»

Michael Frey erklärt seine Aktion erstaunlich ruhig. Die Emotionen sind nur den Worten zu entnehmen, nicht mehr den Aktionen. Dass es aber in ihm drin gebrodelt hat vor diesem Spiel, das hätte er nicht extra erwähnen müssen.

Nach Zürich geflüchtet

Vier Jahre lang hat der gebürtige Münsinger für YB gespielt, drei davon zwischen 2011 und 2014, das letzte Jahr dann in der Saison 2016/2017. Bereits damals war Adi Hütter YB-Coach, und Frey hatte es unter ihm nicht leicht. Die besten Freunde, das werden sie nicht mehr. Auch deshalb ist Frey letzten Sommer nach Zürich geflüchtet.

Dort fühlt er sich wohl, hat gegen Ende der Saison richtig Fahrt aufgenommen und in den letzten sechs Spielen sieben Tore erzielt. Mit dem siebten davon hat er seinen neuen Verein im gestrigen Cupfinal auf den Siegesweg gebracht.

Perfekt von Cédric Brunner in Szene gesetzt, behauptet Frey den Ball mit dem Rücken zum Tor stehend, dreht sich und schliesst sauber in die linke untere Ecke ab. Mitnichten ein unhaltbarer Schuss, aber ein Symbol dafür, dass Zürich in diesem Spiel mehr gelingen würde. Weil man mit purer Leidenschaft spielt. «Wir wussten, dass wir dieses Spiel nicht über die Taktik gewinnen werden, sondern mit dem Herzen.»

Von «Bresteli» und Tränen

Genau diese Einstellung lebt Frey vor. Von der ersten Sekunde an ist er bereit, ist gefühlt überall auf dem Platz anzutreffen, zerreisst sich für sich, sein Team und um zu zeigen, was YB an ihm verloren hat. Dieser Wille, dem Ex-Klub eins auszuwischen, gipfelt in der Aussage im Fernseh-Interview, mit ihm hätte YB in diesem Jahr wohl das Double geholt.

Ein Kommentar, den YB-Trainer Hütter einzig mit der Anmerkung quittiert, man habe auch ohne Frey den Meistertitel holen können. Diesen Meistertitel, den YB im Spiel gegen Luzern errang.

Ein Spiel, das Frey am Fernsehen mitverfolgt hatte. «Das war ein unglaubliches Gefühl. Jahrelang habe ich mir vorgestellt, wie es sein würde, wenn YB Meister wird. Ich habe mitgelitten mit ihnen, das war sehr emotional. Aber jetzt mit Zürich einen Titel gewonnen zu haben, in diesem Stadion, wo ich immer einen Titel habe gewinnen wollen, das ist genauso schön.»

«Mit Spritze gespielt»

Dass der 23-Jährige überhaupt seinen Anteil zum ersten Titel seiner Karriere hat beitragen können, ist nicht selbstverständlich. Nicht, weil sein Trainer Ludovic Magnin ihn beinahe nicht hätte aufstellen wollen. Im Gegenteil. In Abwesenheit des gesperrten Raphael Dwamena ruhten alle Hoffnungen der Zürcher auf dem Ex-YBler.

Für die Zweifel sorgten die «Bresteli», wie Frey sie bezeichnet. Im Oberschenkel macht ihm eine Zerrung zu schaffen. Hinzu kommt seine Schulter, die «lädiert» ist, wie er sagt. «Ich habe heute mit einer Spritze gespielt», gibt er zu.

Neben der Spritze gegen die Schmerzen war es vor allem noch eine von den Verantwortlichen des FCZ organisierte Motivationsspritze, die Frey trotz angeschlagener Physis bis ans Limit gehen lässt.

Es war diese eine Videobotschaft, in der die Freundinnen, Freunde und Familien aller FCZ-Spieler zu sehen sind, wie sie ihren Liebsten Mut zusprechen, sagen, dass sie hinter ihnen stehen. Als die Mannschaft diese Botschaften vor dem Spiel zu sehen bekommt, fliessen Tränen. «Ja, auch bei mir. Das war so emotional», sagt Frey.

Bilder im Kopf

Wenige Meter neben ihm steht der zweite Held dieses Cupfinals, dem zehnten, den der FC Zürich gewinnen kann: Antonio Marchesano. Er ist keine Erscheinung wie Frey, 21 Zentimeter kleiner, gefühlt halb so breit, keine auffällige Frisur, leisere Stimme, weniger Sprüche. Auf dem Platz aber ist er an diesem Sonntag gleich bedeutend wie Frey.

Schweizercup: Antonio Marchesano besiegelte den Cupsieg

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Sein wunderbares Solo, das der 27-Jährige mit dem Tor zum 2:0 abschliesst, ist die Vorentscheidung und die Krönung einer ganz starken individuellen Leistung. Wenn der FCZ in die Offensive geht, hat Marchesano immer seine Füsse im Spiel. Er ist Takt- und Ideengeber – und begehrte Auskunftsperson im Anschluss.

Genauso wie Frey sagt er, dass diese Leistung heute «nur mit Herz geklappt hat». Dass es so aufgehen würde, davon habe er geträumt. «Ich hatte Bilder im Kopf in der Nacht. Und jetzt ist es genauso eingetroffen.» Vor allem dank ihm und Frey. Den beiden Zürcher Cup-Helden.