Es ist der 23. September 2017. Drei Tage nachdem der FC Basel mit dem 1:2 in St. Gallen eine der schlimmsten Niederlagen der jüngsten Geschichte kassiert hat, setzt er ein unerwartetes Zeichen. An diesem 23. September 2017 gewinnt der FCB gegen den FC Zürich 1:0. Es ist der Beginn des Wiederaufschwungs in der vergangenen Saison. Es folgt das 5:0 gegen Benfica, die beste Champions-League-Gruppenphase der Vereinshistorie und die Jagd auf YB, das bis auf zwei Zähler eingeholt werden kann.

Genau ein Jahr später, am 23. September 2018, geht der FCB gegen ebendieses YB 1:7 unter. Ein Spiel mit historischem Ausmass, das den FCB in der siebten Runde auf Rang sieben abrutschen lässt. Zwölf Punkte hinter Leader YB. Der Absturz des FCB und diese Machtverschiebung von Basel nach Bern gründen in Fehleinschätzungen, die in diesem Jahr zwischen dem 1:0 gegen den FCZ und dem 1:7 gegen YB getroffen worden sind. Eine Aufarbeitung in Form von sieben Punkten, angelehnt an den Tabellenplatz und die Anzahl Tiefschläge beim 1:7.

1. Der aus der Champions League gezogene Trugschluss

5:0 und 2:0 gegen Benfica Lissabon, 1:0 gegen Manchester United, noch nie da gewesene zwölf Punkte in der Gruppenphase der Champions League – und im Achtelfinal noch ein 2:1-Auswärtssieg bei Manchester City. Wer solche Erfolge feiert, ist stärker, als es ein verpasster Meistertitel vermuten lässt. Denn diese Erfolge zeigen auch, dass der Fussball von Raphael Wicky funktioniert. Dachte die FCB-Führung. Ein Trugschluss, der zu einer nicht mehr nüchternen Betrachtung führte. Anders ist es nicht nachzuvollziehen, wieso im Sommer die gleich hohen Ziele gesteckt wurden wie in der Saison zuvor, in der derer zwei verpasst wurden. Es zeigt: Die Qualität dieser Mannschaft wurde überhöht.

2. Die zu vielen zugelassenen Abgänge im Sommer

So sehr überhöht gar, dass man meinte, dieses Kader verkrafte nach dem Umbruch im Winter im Sommer gleich einen nächsten. Einen, bei dem mit Tomas Vaclik, Michael Lang und Mohamed Elyounoussi drei Leistungsträger wegtransferiert werden. Zwar wurden sie alle drei ersetzt, ein Substanzverlust war aber programmiert.

Mohamed Elyounoussi ist einer von mehreren Spielern, welcher nicht 1:1 ersetzt werden konnte beim FC Basel.

  

3. Der Tausch von Renato Steffen zu Valentin Stocker

Apropos Substanzverlust: Diesen hat der FCB bereits im Winter erlitten. Nicht nur, weil Manuel Akanji zum BVB gewechselt hat. Sondern vor allem, weil man Renato Steffen gegen Valentin Stocker eingetauscht hat. Stocker wurde als 1:1-Ersatz angepriesen. In Wahrheit ist er nur ein Schatten seiner früheren FCB-Jahre. Damit musste rechnen, wer wusste, wie oft beziehungsweise selten Stocker in Berlin gespielt hat – und dass er verletzt war. Zu glauben, Steffen könne so adäquat ersetzt werden, war von Beginn an eine falsche Annahme. Der Tausch wird mittlerweile intern als einer der grössten Fehler betrachtet.

Intern als einer der grössten Fehler taxiert: Renato Steffen (links) ziehen zu lassen und mit Valentin Stocker zu ersetzen. Key

  

4. Der falsch gewählte Zeitpunkt für den Trainerwechsel

Nach einem Ligaspiel musste Raphael Wicky gehen. Das war nicht verfrüht, sondern kam zu spät. Denn wer schon seit dem Frühling Zweifel hegt (Streller: «Ohne die unglaubliche Champions-League-Kampagne hätte man in den ersten vier Wochen nach Rückrundenstart eventuell anders reagiert»), muss spätestens im Sommer die Reissleine ziehen. So hätte Marcel Koller die notwendige Zeit gehabt, das Kader zu verstärken und seine Ideen zu vermitteln.

5. Die irritierenden Aufstellungen gegen YB und Limassol

Natürlich hat das Rückspiel gegen Limassol keinen Einfluss auf die Meisterschaft. Aber sowohl dort als auch gegen YB wählte Koller fragwürdige Aufstellungen. In Zypern musste Albian Ajeti zuschauen und Samuele Campo spielte auf dem Flügel, in Bern brachte der sonst auf Erfahrung setzende Koller Afimico Pululu statt Luca Zuffi und Noah Okafor statt Kevin Bua. Taktische Kniffe, die sich als Fehler herausstellten. Beide Spiele gingen verloren.

Die eine oder andere Personalentscheidung von FCB-Trainer Marcel Koller ist schwer nachzuvollziehen.

  

6. Die zu wenigen, Super-League-tauglichen Campus-Spieler

Verjüngt und verbaslert soll der FCB werden. Nur: Auf dem Campus tummeln sich zu wenige Talente, die die nötige Qualität haben. Intern herrscht die Meinung, dass einzig Noah Okafor zurzeit dieses Potenzial hat. Auch wenn die Idee romantisch ist: selbst der FC Basel hat nicht in jedem Jahrgang einen Xherdan Shaqiri oder einen Granit Xhaka.

7. Die Fehleinschätzung des Vorsprungs gegenüber YB

Die wohl grösste Fehleinschätzung wurde nicht in diesem Jahr zwischen den beiden Spielen getroffen, sondern am 7. April 2017. «Vier bis acht Junge im Kader zu haben, ist realistisch. Im Moment ist der Abstand zu YB so gross, dass man dieses Risiko eingehen kann», sagte Streller da. Einen verpassten Meistertitel und ein 1:7 später ist klar: Er hatte unrecht.