Fussball

Shaqiri sitzt nicht mehr auf der Bank, Shaqiri spielt und überzeugt

Stoke-Star Xherdan Shaqiri (l.) überzeugte bei seinem Debüt mit einem Assist.

Stoke-Star Xherdan Shaqiri (l.) überzeugte bei seinem Debüt mit einem Assist.

Xherdan Shaqiri lief gegen Norwich (1:1) erstmals für Stoke City auf. Wie schon in München und Mailand konnte er bei seinem Debüt überzeugen. Warum die fussballerische Mittelschicht Englands für den Schweizer Star ein Segen ist.

Einige Minuten vor Stokes Einmarsch an der Carrow Road in Norwich, kam die Bestätigung via Twitter: Er spielt. Der Rekordmann, 18 Millionen Franken wert. Finanziert durch den neuen TV-Vertrag. Die Kommunikationsabteilung der «Potters» (die Töpfer) gab sich redlich Mühe, um das Debüt auf dem sozialen Medium mit einer Collage zu würdigen.

Darauf zu sehen: Shaqiri, auf der Tribüne sitzend und brummig blickend. Ein Sinnbild. Denn seit der kleine Xherdan Shaqiri im Jahr 2012 aufbrach, um die grosse Fussballwelt zu erobern, war sie zur stetigen Weggefährtin geworden: die Tribüne. Sein schelmisches Lächeln hatte er längst verloren.

Auf der Überholspur überhitzt

Mit dem Wechsel zu Bayern München begab sich Shaqiri auf die Überholspur. Doch statt durchzustarten, überhitzte Shaqiri. Er hat Mühe mit der Rolle des Auswechselspielers. Zudem verunmöglichten muskuläre Beschwerden regelmässig dessen Entfaltung im Münchner Starensemble. Unmut keimte auf, als Bayern-Trainer «Pep» Guardiola das Spielverständnis des Schweizers anzweifelte.

Shaqiri sah ein, dass die Chemie zwischen ihm und dem Superlativ-missbrauchenden Guardiola nie «super, super» wird. So floh er als offensiver Wirbelwind ins defensivorientierte Fussball-Italien. In der Lombardei wurde Shaqiri wie ein Messias in Empfang genommen, verlor aber bald die Gunst der Fans und des Trainers. Atmosphärische Störungen liessen auch in Mailand die persönliche Entwicklung stagnieren. Shaqiri floh wiederum. Nach einer Flut von Wechselgerüchten entschied er sich für das weniger lauschige Stoke-on-Trent.

Im Auffangbecken der gestrandeten Talente

Eine Arbeiterstadt, die in etwas so gemütlich ist wie ein Rastplatz auf der Autobahn. «Ich bin sehr glücklich, hier zu sein», erklärte Shaqiri bei seiner ersten Medienkonferenz im Minutentakt. Stoke-Coach Mark Hughes habe sich sehr um ihn bemüht, deshalb sei die Entscheidung auf den letztjährigen Premier-League-Neunten gefallen. Alles schön und gut. Die Realität ist aber, dass Shaqiri in seiner Karriere noch nie so weit von der Champions League entfernt war.

Stoke City ist vielmehr das Highlight in der bisher misslungenen Karriereplanung des 23-Jährigen. Immerhin: Bei den «Potters» gesellt sich Shaqiri zu weiteren Gestrandeten. Mit Marko Arnautovic, Bojan Krkic, Ibrahim Afellay und Peter Crouch wird sich der «Alpen-Messi» bestens im Auffangbecken der ewigen Talente eingliedern. Klar, in seinem Alter besteht weiterhin die Möglichkeit zur Korrektur. Und diese begann gestern beim Spiel in Norwich.

Nach den ersten 45 Minuten durfte man Shaqiri Omnipräsenz in Rot-Weiss attestieren. Spielfreudig, agil, unbeschwert – so wie noch zu Basler Zeiten. Bereits nach elf Minuten eignete sich Shaqiri selbstbewusst das Leder an, als sich eine lukrative Freistoss-Situation ergab und zirkelte eine butterweiche Flanke auf Dioufs Kopf – Stoke führt. Und auf den sozialen Medien kursierten erste Bilder, die das zurückgewonnene Lachen Shaqiris festhalten.

Das optimale Spielsystem 

Klar, Shaqiri spielte auch in München oder in Mailand jeweils ein starkes Debüt, doch er scheint in der fussballerischen Mittelschicht Englands die perfekte Lösung gefunden zu haben. Für Shaqiri spricht der Offensivdrang in der Mannschaft und der gesamten Liga. Zudem präferiert StokeCoach Hughes das 4-2-3-1-System, wo Shaqiri entweder die Zehn oder eine Rolle auf den Flügeln bekleiden kann.

Gestern spielte er rechts aussen. Je länger aber das Spiel dauerte, desto mehr schwand sein Einfluss. Ein 1:1-Remis zum Start. Weiter schlimm ist das nicht. In Stoke erhält der Rekordtransfer seine Akklimatisierungszeit. Dass der Schweizer nach seinem Debüt einen Punktgewinn bejubeln durfte, lag an Stoke-Schlussmann Jack Butland. Er entlockte den Kommentatoren in der zweiten Halbzeit etwa so viele Lobpreisungen, wie das Shaqiri in Halbzeit eins tat.

Nachrichten um Shaqiri nahm man in letzter Zeit oftmals enerviert zur Kenntnis. Mit der Unterschrift unter den Stoke-Kontrakt ist er auf dem karrieretechnischen Pannenstreifen angekommen. Deshalb darf man endlich wieder mit einer bedachtsameren Aussendarstellung rechnen. Die Überholspur ist in greifbarer Nähe. Es gilt, einfach nicht wieder zu überhitzen.

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