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Shaqiri, Lichtsteiner und Co.: Die Schweizer Nati geht am Stock

Coach Vladimir Petkovic hat vor den EM-Qualifikationsspielen tiefe Sorgenfalten: Xherdan Shaqiri verletzte sich am Wochenende am linken Oberschenkel. Er reiht sich damit in eine lange Verletztenliste der Schweizer Nati.

Markus Brütsch
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Xherdan Shaqiri verletzte sich im Spiel zwischen Stoke City und Bournemouth (2:1) am Oberschenkel.

Xherdan Shaqiri verletzte sich im Spiel zwischen Stoke City und Bournemouth (2:1) am Oberschenkel.

Keystone

Das Bild verheisst nichts Gutes. Es zeigt, wie sich Xherdan Shaqiri im Spiel von Stoke City gegen Bournemouth (2:1) an den linken hinteren Oberschenkel greift. Shaqiri habe eine leichte Zerrung erlitten, begründet der Klub auf seiner Homepage im Matchreport die Auswechslung des Schweizers.

Es bedeutet möglicherweise eine grosse Sorge mehr für Nationalcoach Vladimir Petkovic, der sich am Wochenende zu Hause im Tessin auf die kommenden Aufgaben vorbereitete; sich Spiele und Videos anschaute und Kontakte zu angeschlagenen Spielern herstellte. Ob Shaqiri ausfällt, wird wohl heute auskommen.

So oder so: Elf Tage vor dem Heimspiel in der EM-Qualifikation gegen San Marino und zwei Wochen vor der Auswärtspartie gegen Estland geht die Schweizer Nati am Stock. Es sind jedoch nicht nur Verletzungssorgen, die Petkovic umtreiben, sondern auch die Formstände einiger seiner Akteure.

Zwar kann er für die Innenverteidigung wieder mit Johan Djourou planen, der gegen Slowenien (3:2) und England (0:2) verletzt gefehlt hatte, sich beim HSV als Captain aber zu einem echten Leistungsträger entwickeln konnte.

Doch im Gegenzug hat sich die Situation bei Fabian Schär und Timm Klose verschlechtert, dem Duo der letzten beiden Partien. Schär wurde bei Hoffenheim als Unsicherheitsfaktor betrachtet und auf die Ersatzbank versetzt, wo beim VfL Wolfsburg trotz solider Leistungen nun auch Klose sitzt, seit Dante von Bayern München gekommen ist.

Damit nicht genug: Gestern Nachmittag verletzte sich gegen Thun auch noch YB-Captain Steve von Bergen am Oberschenkel. Er dürfte für die Länderspiele ausfallen. Eine Alternative für die zentrale Abwehr wäre Fabian Lustenberger, der als Captain von Hertha in dieser Saison bei guten Leistungen noch keine Minute verpasst hat.

Auch Aussenverteidiger fraglich

Sorgenfalten bereitet Petkovic aber nicht nur das Abwehrzentrum. Auch Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner droht auszufallen, seit er am Mittwoch gegen Frosinone mit Atembeschwerden ausgewechselt werden musste und am Samstag gegen Napoli fehlte.

Mögliche Ersatzleute wie Silvan Widmer und Gelson Fernandes sind keine Optionen. Widmer stand gestern bei Udinese nach einer Verletzungspause ohne Einsatz erstmals wieder im Kader, Fernandes (Rennes) fällt mit einer Muskelverletzung definitiv aus.

Damit dürfte der Basler Michael Lang ins Kader zurückkommen. Linksverteidiger François Moubandje fehlte derweil dem FC Toulouse am Samstag bei der Auswärtsniederlage in Bastia wegen einer Sperre nach dem Platzverweis gegen Marseille.

Zwei rare Lichtblicke gibt es im Mittelfeld. Blerim Dzemaili, gegen Slowenien überraschend in der Startformation, entschied am Sonntag mit seinem abgefälschten Freistoss die Partie zwischen Genua und der AC Milan zugunsten der Ligurer. Und Granit Xhaka, stolzer Captain bei Mönchengladbach, erzielte das Führungstor beim 3:1-Sieg in Stuttgart.

Sonst aber sieht es auch in diesem Mannschaftsteil düster aus: Valon Behrami, in der Premier League gegen Swansea vom Platz gestellt, sass beim FC Watford gegen Crystal Palace seine zweite Sperre ab, wird auch gegen Bournemouth fehlen und damit ohne Spielpraxis zum Nationalteam kommen. Ob Petkovic nicht an Almen Abdi denken sollte, Titular bei Watford?

Ganz im Gegensatz zu Nati-Captain Gökhan Inler. Dieser sass gegen Arsenal 90 Minuten lang auf der Bank von Leicester City, nachdem er eine Woche zuvor gegen Stoke seinen Platz schon bei Halbzeit hatte räumen müssen. Ein Vertrauensbeweis von Trainer Claudio Ranieri sieht anders aus. Der Mainzer Fabian Frei schliesslich ist seit dem 29. August mit einer schweren Oberschenkelverletzung spielunfähig.

Schwächelnde Stürmer

Auch im Angriff präsentiert sich die Situation alles andere als vielversprechend. Neben Shaqiri erlebten auch Haris Seferovic, Josip Drmic und Valentin Stocker kein gefreutes Wochenende. Der erste fehlte Frankfurt wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel und fällt für die Nati aus, der zweite musste bei Mönchengladbach krankheitshalber passen und der dritte sass gestern bei Herthas 1:1 in Frankfurt 67 Minuten lang auf der Ersatzbank. Immerhin schoss Admir Mehmedi beim 3:0 in Bremen sein erstes Bundesligator für Leverkusen und kam Pajtim Kasami für Olympiakos Piräus zu seinem ersten Treffer in dieser Spielzeit. Ob Eren Derdiyok nach dem ersten Saisontor in der türkischen Süper Lig für Kasimpasa bereits zu einem Thema werden kann?

Nur gut, wurde Breel Embolo von FCB-Trainer Urs Fischer gegen Lugano 90 Minuten geschont. So konnte sich die Schweizer Sturmhoffnung wenigstens nicht verletzen.

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