Brrr!
Selbstversuch bei -165°C: Wir haben die eisige «Sauna» der EM-Stars getestet

Fussball-Profis erholen sich an der EM zwischen den Spielen bei fast schon unglaublich tiefen Minus-Temperaturen in der Kryosauna von den Strapazen ihrer Einsätze. Die «Nordwestschweiz» wollte wissen, wie sich das anfühlt.

Dean Fuss
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Nur mit Boxershorts, Socken und warmen Hausschuhen bekleidet und mit einem etwas mulmigen Gefühl steige ich in diesen mit beigem Leder ausstaffierten Tank. Hajdi Drikic schliesst die Türe und startet das Gerät.

Doch beginnen wir am Anfang. Nachdem uns am vergangenen Wochenende die in den sozialen Medien verbreiteten Fotos von Gareth Bale und Yann Sommer erreichten, die sich bei minus 162 beziehungsweise 193 Grad Celsius von den Strapazen der Spiele erholten, wollten wir es genau wissen: Wie fühlt sich diese frostige Behandlung in der Kryosauna bloss an?

Auch FCA-Spieler sind ab und an mal da

Die Kryosauna im Fitnessstudio BodyUp in Aarau wird von einer gut durchmischten Klientel genutzt. Die meisten Kundinnen und Kunden von Inhaberin Hajdi Drikic nutzen das Angebot im Zusammenhang mit dem EMS-Training (einer Muskelstimulationstechnik). «Entweder gehen sie davor oder danach in die Kryosauna. Davor, um die Leistung zu steigern. Danach, um die Regneration anzukurbeln», sagt Drikic. Aber auch professionelle Sportler, die das Gerät zur schnelleren Regeneration nutzen, gehören zur Kundschaft im BodyUp. Auch der eine oder andere Spieler des lokalen Challenge-League-Klubs FC Aarau war schon bei Drikic in Behandlung. Trotzdem: Weil die Technologie noch nicht weit herum bekannt ist, gibt es in der Auslastung der Kryosauna in Aarau noch freie Kapazitäten. «Neben dem, dass es noch nicht jeder kennt, hat das auch damit zu tun, dass in der Kryosauna halt eben mit Kälte gearbeitet wird. Das mag nicht jeder», sagt Drikic, die ihr Fitnessstudio vor zweieinhalb Jahren eröffnet hat. (dfs)

Spezielle Vorbereitungen benötigt der Gang in die Kälte keine. Nur etwas wird mir empfohlen: Ich solle mich nach meiner morgendlichen Dusche nicht eincremen, sagt mir Inhaberin Hajdi Drikic bei meinem vorgängigen Anruf im Fitnessstudio BodyUp in Aarau – einem von nur wenigen Studios in der Schweiz, die überhaupt über die moderne Variante der Eistonne verfügen.

Zurück in die Kryosauna: Zuerst fährt der Boden in die Höhe, bis mein Kopf über den Rand des Geräts herausragt. Dann kommt die Kälte. Flüssiger Stickstoff wird von Düsen schubweise ins Kabineninnere geblasen. Es wird kalt, so richtig kalt.

Spätestens jetzt bin ich froh um die Hausschuhe: Sie schützen meine Zehen, an denen das Fettgewebe nicht als Schutz gegen die Kälte ausreicht. Für einen kurzen Moment beginne ich mit den Zähnen zu klappern. Auch mein Körper zittert ein wenig. Wir stehen bei fast minus 100 Grad Celsius.

Es klingt irgendwie unglaublich, aber mein Körper hat sich offenbar auf die wahnsinnige Kälte eingestellt. Es ist kein unangenehmes Gefühl, das sich in mir breit macht.

Nach dem letzten Stickstoff-Schub zeigt die Temperaturanzeige minus 165 Grad Celsius an. Nach rund zwei Minuten ist der Spuk vorbei. Ich fühle mich gut und irgendwie voller Energie.