«Das ist für die deutsche Nationalmannschaft aus sportlichen Gründen prima», sagt Bayern-Boss Uli Hoeness gegenüber «Sport1» zum Rücktritt Mesut Özils aus der deutschen Nationalelf. «Für mich ist er seit Jahren ein Alibi-Kicker gewesen, der der deutschen Mannschaft überhaupt nicht geholfen hat.»

Özil begründe seinen Rücktritt zwar mit «der angeblich schlechten Behandlung durch den DFB». Dabei solle er mal hinterfragen, wann er den letzten Zweikampf gewonnen habe. Das sei nach Angaben von Hoeness schon mehr als zwei Jahre her.

Özil hatte am Sonntag in der Erdogan-Affäre sein monatelanges Schweigen gebrochen und war nach 92 Länderspielen aus dem DFB-Team zurückgetreten. Der 29-Jährige holte dabei zu einem Rundumschlag gegen seine Kritiker, die Medien und den Deutschen Fußball-Bund (DFB), insbesondere gegen Präsident Reinhard Grindel aus. Er kritisierte «Rassismus und fehlenden Respekt». Grindel unterstellte er «Inkompetenz».

Rücktritt von Mesut Özil aus Deutschlands Nationalteam

Rücktritt von Mesut Özil aus Deutschlands Nationalteam

Mesut Özil tritt aus der deutschen Nationalmannschaft zurück. Der 29-Jährige zog die Konsequenzen aus der öffentlichen Kritik und den Attacken wegen seiner Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

«Keiner hat Özil sportlich hinterfragt»

Die Entwicklung in Deutschland sei eine Katastrophe, poltert der 66-jährige Hoeness weiter. «Seine 35 Millionen Follower-Boys – die es natürlich in der wirklichen Welt nicht gibt – kümmern sich darum, dass Özil überragend gespielt hat, wenn er einen Querpass an den Mann bringt. Man muss es mal wieder auf das reduzieren, was es ist: Sport. Und sportlich hat Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren.»

Nach dem Aus an der Weltmeisterschaft in Russland wurden nach Hoeness' Ansicht die falschen Fragen gestellt. «Keiner hat Özil sportlich hinterfragt. Er hat sich jetzt schön hinter der Erdogan-Geschichte verstecken können.» Am Ende schliesst er mit dem Satz: «Er hat seit Jahren einen Dreck gespielt und jetzt sollen Grindel oder Bierhoff Schuld sein.»

Kritik und Verständnis von deutschen Politikern

Etwas differenzierter sehen es die deutschen Politiker. Es sei ein «Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fußballer wie Mesut Özil in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht repräsentiert fühlt», schreibt Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD).

Ihr Parteikollege Thorsten Schäfer-Gümbel legt nach: «Alle Bürgerinnen und Bürger mit unterschiedlichen Wurzeln: Wir gehören zusammen und wir akzeptieren Rassismus never ever.»

Cem Özdemir.

Cem Özdemir.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagt: «Niemand muss oder soll Wurzeln verleugnen, manchmal wünsche ich mir aber schon auch ein deutliches Bekenntnis für das neue Heimatland.» Und Grünen-Politiker Cem Özdemir kritisiert Özil und den DFB gleichermassen: Das Foto mit Erdogan bleibe falsch, aber das Agieren der DFB-Spitze sei ebenso desaströs.

In der Türkei für Rücktritt gefeiert

In der Türkei wird Özil für seine Aussagen gefeiert. Sportminister Mehmet Kasapoglu schrieb am Sonntagabend auf Twitter: «Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen.» Und Justizminister Abdulhamit Gül bezeichnete den Rücktritt des Deutschen als «schönstes Tor gegen den faschistischen Virus».

Eine Presseschau zu Özils Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft finden Sie hier.