Fussball
Seit 20 Tagen coacht Hyypiä den FCZ: die Beatles liefern eine Songzeile dazu

«Yesterday» - dieser Hit aus den späten 60er-Jahren verbindet den neuen FCZ-Trainer Sami Hyypiä und den Klubpräsidenten Ancillo Canepa. Da bleibt in Zürich nur zu hoffen, dass sich nicht der Schatten der nächsten Songzeile bemerkbar macht.

Dean Fuss
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Seit 20 Tagen ist Sami Hyypiä beim FCZ als Trainer in der Verantwortung.

Seit 20 Tagen ist Sami Hyypiä beim FCZ als Trainer in der Verantwortung.

Keystone

Schon von weit her fällt der Hüne in seinem hell leuchtenden orangefarbenen FCZ-Trainingsoberteil auf. Alleine schreitet der neue Trainer Sami Hyypiä an diesem Morgen über die Felder zwischen der Zürcher Saalsporthalle und den Fussballplätzen auf der Sportanlage Brunau. Er begrüsst die paar anwesenden Trainingsbeobachter mit einem kräftigen «Hallo» und einem sympathischen Lächeln. Dann schwingt er sich filigran über die Abschrankung, die rund um den FCZ-Trainingsplatz führt.

Schon alleine durch seine enorme Grösse von 1,96 Metern strahlt der blonde Finne eine gesunde Autorität aus. Verstärkt wird seine Aura unweigerlich durch sein Palmarès – dasjenige als Spieler wohlgemerkt. Es ist nun etwas mehr als zehn Jahre her, seit Hyypiä im Dress von Liverpool den grössten Triumph seiner Karriere feierte – den Gewinn der Champions League im Jahr 2005. Der heute 41-Jährige hat sich während seines zehnjährigen Engagements in der Heimatstadt der britischen Kultband The Beatles zu einer lebenden Legende gemacht.

Ein Lied und ein Wunsch in einem

Ob FCZ-Präsident Ancillo Canepa ein Fan von John Lennon, Paul McCartney und Co. ist, ist nicht überliefert. Eines aber steht fest: Die Verpflichtung Hyypiäs durch den FCZ wird durch eine Textzeile aus dem Beatles-Hit «Yesterday» auf den Punkt gebracht: «Oh, I believe in yesterday» (Übers.: Oh, ich glaube an gestern).

Denn nach der Entlassung von Urs Meier hatte Canepa verlauten lassen, dass er sich für seinen Klub einen noch unverbrauchten Trainer mit einem renommierten Namen wünsche. Also eben einen, der eine glanzvolle Vergangenheit als Spieler hatte, aber als Trainer noch ohne Ballast beim FC Zürich ankommt. Mit der Verpflichtung Hyypiäs hat sich Canepa diesen Wunsch gemäss eigener Aussage erfüllt.

Das Renommee des Finnen beschränkt sich allerdings auf seine Karriere als Innenverteidiger, die er nach Stationen bei Willem II Tilburg (Ho), Liverpool und Bayer Leverkusen im Sommer 2011 beendete. Neben der Champions League gewann Hyypiä mit Liverpool auch den Uefa Cup (2001) und zahlreiche weitere Wettbewerbe. Einzig ein Meistertitel blieb dem 105-fachen finnischen Nationalmannschaftsspieler während seiner gesamten Karriere verwehrt.

Als Coach bisher eher bescheiden

Mit Blick auf Hyypiäs Weg nach seinem Rücktritt bleibt allerdings die Frage, ob der Neue sein Amt beim FCZ tatsächlich ohne Ballast antreten konnte. Denn als Trainer ist Hyypiä bisher den Beweis noch schuldig geblieben, unabhängig von seiner Spielerbiografie bestehen zu können.

In Leverkusen wurde er 2014 nach knapp zwei Jahren – wobei er erst in den letzten zehn Monaten die alleinige Verantwortung getragen hatte – entlassen. Bei Brighton, wo er danach einen Dreijahresvertrag unterschrieben hatte, ging es noch schneller: Bereits nach sechs Monaten und einer langen Liste an Misserfolgen trat Hyypiä zurück.

Und nun dirigiert er also die Mannschaft des FCZ. Während der ersten Hälfte des Trainings auf der Brunau schaltet er sich nur ab und an mit Anweisungen ein. Lauter und häufiger werden Hyypiäs verbale Einwürfe in seinem vom typisch nordländischen Akzent gefärbten Deutsch erst im Spieltraining.

Trainer und Spieler duzen sich gegenseitig. Für einen Mann wie Hyypiä, der während Jahren auf der Insel spielte, ist das eher ungewöhnlich. «Man kann sich auch respektieren, wenn man ‹Du› sagt», gab er nach seinem ersten Training in Zürich Ende August zu Protokoll.

Möge es hell bleiben

Dass dieses erst zehn Tage nach seiner Präsentation als neuer Trainer stattfand, hatte im Umfeld des FCZ für Irritationen gesorgt. Denn Hyypiä war unmittelbar nach seiner Vorstellung noch einmal in seine finnische Geburtsstadt Porvoo zurückgereist und hatte dort seiner Familie beim Einzug in ihr neues Zuhause geholfen. FCZ-Präsident Canepa hatte dafür vollstes Verständnis gezeigt.

Hoffen wir für ihn, dass sich das gelohnt hat und dass es bei der zuvor genannten einen Songzeile aus «Yesterday» bleibt, die auf die Verpflichtung Hyypiäs gemünzt werden kann. Denn die Fortsetzung verheisst nichts Gutes: «Suddenly ... There’s a shadow hanging over me» (Übers.: Plötzlich ... hängt da ein Schatten über mir).

Der Start mit Hyypiä an der Seitenlinie verlief sehr durchzogen. Dank des 3:3-Unentschiedens gegen den FC Thun hat der FCZ zwar die rote Laterne an Aufsteiger Lugano weitergereicht und sich selber auf den achten Platz verbessert, doch für einen Klub mit den Ambitionen der Zürcher muss natürlich mehr drinliegen. Und heute Abend (19.30 Uhr) muss der Finne den FCZ zwingend zum ersten Sieg unter seinen Fittichen führen. Die Aufgabe im Cup-Sechzehntelfinal beim FC Wohlen sollte machbar sein – ohne dass Canepa Angst vor Schatten haben sollte.