Fussball
Sehen die Fans auch in Zukunft Weltmeister?

Sport Welche Auswirkungen das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative auf Fussball, Eishockey und Handball hat

Etienne Wuillemin, Michael Wehrle und Sebastian Wendel
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In Zukunft unerwünscht? Der italienische Weltmeister Gianluca Zambrotta wechselte im letzten Sommer zu Chiasso.EPA/KEYSTONE/TI-PRESS

In Zukunft unerwünscht? Der italienische Weltmeister Gianluca Zambrotta wechselte im letzten Sommer zu Chiasso.EPA/KEYSTONE/TI-PRESS

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Für einmal bejubelte das Tessin einen neu ankommenden Gastarbeiter aus Italien. Mitte Juli verpflichtete der FC Chiasso mit Gianluca Zambrotta einen Weltmeister.

Die Frage lautet nun: Wäre dieser Transfer nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative noch möglich? «Eine abschliessende Beurteilung dieser Frage ist derzeit noch nicht möglich», sagt Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League.

Klar ist: Sollte es wieder Kontingente für Fussballer aus EU-Staaten geben, dann müsste ein potenzieller Spieler dieselben Voraussetzungen erfüllen wie heute beispielsweise ein Brasilianer. Er dürfte nicht weniger als 5000 Franken (Super League) oder 3800 Franken (Challenge League) verdienen. Er müsste in den letzten drei Jahren in einer Profiliga des betreffenden Landes gespielt haben – und es müsste noch ein Kontingent-Platz frei sein.

Schäfer mag sich noch nicht konkret mit allfälligen Konsequenzen auseinandersetzen. «Es gibt vor allem Fragezeichen», sagt er. Zum Beispiel, ob es in Zukunft länger daure, bis ein ausländischer Spieler seine Arbeitsbewilligung erhält. Und, ob es wegen der im Raum stehenden Kontingentierung für Schweizer Fussballklubs schwieriger werde, gute Spieler aus dem EU-Raum zu verpflichten.

Seit 2006 darf ein Team der höchsten Spielklasse Super League maximal fünf ausländische Spieler gleichzeitig einsetzen, in der Challenge League sind es vier. Als Ausländer gelten Spieler ohne Angehörigkeit zu einem Staat, der am 1. Januar 2007 Mitglied der EU oder der Efta war. Von dieser Regel ausgenommen sind lokal ausgebildete Spieler: also jene, die zwischen dem 15. und 21. Lebensjahr mindestens drei Saisons bei einem Schweizer Klub registriert waren.

Das Eishockey als Trendsetter

Interessant ist die Situation im Schweizer Eishockey. Hier gibt es trotz der Binnenwirtschaft seit jeher eine Beschränkung für Ausländer. Maximal vier dürfen pro Spiel eingesetzt werden, maximal acht Lizenzen hat jeder Verein pro Saison zur Verfügung. Dies regelt ein Gentlemen’s Agreement zwischen den Klubs.

Etwas überzeichnet dargestellt, darf man das Schweizer Eishockey deshalb als Trendsetter für die Politik bezeichnen. Wegen der Beschränkung für Ausländer werden die Schweizer Spieler gestärkt. Die Löhne steigen. Das Niveau des helvetischen Eishockeys steigt (Stichwort Silbermedaille an der letzten WM). Zudem schaffen immer mehr Schweizer den Sprung in eine der besten Ligen der Welt (NHL/KHL).

Überall Fragezeichen

Auswirkungen hat das Schweizer Eishockey wegen der angenommenen Masseneinwanderungsinitiative also kaum zu befürchten. Marc Lüthi, CEO des SC Bern, sagt: «Wir wollen uns nun trotzdem nicht als Wahrsager versuchen. Im Moment gibt es noch zu viele Fragezeichen.»

Ähnlich tönt es bei Giorgio Behr, Präsident und Mäzen des Schweizer Vorzeigevereins im Handball, der Kadetten Schaffhausen: «Das Abstimmungsergebnis hat keinen Einfluss auf unseren Verein.» Behr hat, unabhängig von der Abstimmung, schon länger im Sinn, dem Handballverband eine Beschränkung auf fünf Spieler pro Team und Partie, die nicht den Schweizer Pass haben, vorzuschlagen – also eine ähnliche Praxis, wie sie das Schweizer Eishockey derzeit kennt.

Ein kurzer Blick in die Kristallkugel sei trotzdem gewagt: Wie auch immer die Masseneinwanderungsinitiative umgesetzt wird – für die Schweizer Sportklubs wird sie kaum Auswirkungen haben – im Notfall lässt sich stets ein bürokratischer Trick finden.