FC Wohlen
Schwere Vorwürfe: Schummelt der FC Wohlen bei den Spielerverträgen?

Nach der Vertragsauflösung mit dem Brasilianer Wellington sieht sich der FC Wohlen schweren Vorwürfen ausgesetzt. Der Spieler behauptet, dass er zwei Verträge unterschrieben habe. Einer davon sei ein Scheinvertrag für das Amt für Migration gewesen.

Ruedi Kuhn und Roman Michel
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Wellington, der ehemalige Wohlen-Spieler bekam ausbezahlt 2672 Franken

Wellington, der ehemalige Wohlen-Spieler bekam ausbezahlt 2672 Franken

AZ

Erdbeben rund um den FC Wohlen: Die Hauptrolle spielt Abwehrspieler Wellington, der nach seiner Vertragsauflösung im Anschluss an das Cupspiel gegen den FC Sion (0:1) schwere Vorwürfe gegen die Klubführung erhebt.

Der 26-jährige Brasilianer behauptet, im Vorfeld dieser Saison zwei Verträge unterschrieben zu haben.

Einen Vertrag mit einer monatlichen Lohnsumme von 3800 Franken. Einen zweiten Vertrag mit einem Salär von 3000 Franken (2500 Fixlohn und 500 Spesen).

Das Communiqué des FC Wohlen

«Im Zusammenhang mit einer nachgesuchten und erteilten Arbeitsbewilligung beim Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau, Aarau, für den Spieler Wellington Ferreira Gomes Sobrinho hat der Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft des FC Wohlen nachträglich Unregelmässigkeiten festgestellt. Der Verwaltungsrat führt derzeit mit der Bewilligungsbehörde Gespräche, um den Sachverhalt definitiv zu klären. Sobald die Faktenlage gesichert ist, wird der Verwaltungsrat weiter informieren.»

Verwaltungsrat FC Wohlen AG

Der höher dotierte Vertrag ging an das «Amt für Migration und Integration» in Aarau. Dies deshalb, weil der Mindestlohn für Ausländer in der Challenge League aktuell bei 3800 Franken liegt. Damit erhielt Wellington eine Kurzaufenthaltsbewilligung vom 15. Juli 2013 bis zum 31. Mai 2014.

Im Gespräch mit der Aargauer Zeitung sprach Wellington am Mittwoch Klartext und sagte: «Natürlich hat mir der FC Wohlen nur den tieferen Lohn überwiesen. Der Vertrag mit der Lohnsumme von 3800 Franken ist nur ein Scheinvertrag, um die Arbeitsbewilligung für mich zu erwirken.»

Ohne Toilette und Küche

Um diese Aussage zu bekräftigen, legt der Verteidiger eine Lohnabrechnung vom September 2013 vor (siehe Bild).

Daraus geht hervor, dass Wellington einen Fixlohn von 2500 Franken und eine Spesenpauschale von 500 Franken erhalten hat. «Mit diesem Geld kam ich nur knapp über die Runden», erzählt Wellington weiter. Anfänglich soll ihn sogar der Wohler Trainer David Sesa mit einem Darlehen unterstützt haben.

Schliesslich fand Wellington bei einem Kollegen aus Portugal ein kleines Zimmer, in welchem er bis heute wohnt.

Die finanzielle Situation verschlechterte sich, als Wellington seine Frau und den zweijährigen Sohn nach Wohlen holte.

Die Familie wohnt weiterhin im gleichen kleinen Zimmer - ohne Toilette und Küche.

Als Wellington den FC Wohlen mehrmals um eine Lohnerhöhung von 500 Franken pro Monat bat, bekam er eine Absage.

Sportlich lief es Wellington nach Wunsch. Die sieben Meisterschaftsspiele bestritt er über die volle Distanz.

Trainer Sesa jedenfalls bedauert den Abgang und sagt: «Wellington hat seine Sache als Linksverteidiger gut gemacht. Dann aber kam er zu mir und erklärte, dass er wegen privater und familiärer Probleme nicht mehr beim FC Wohlen bleiben könne. Schliesslich kam es zur Vertragsauflösung.»

Von Meinungsverschiedenheiten zwischen Wellington und der Vereinsführung des FC Wohlen hat Sesa nichts mitbekommen.

Im Gegenteil. «Die Verabschiedung war herzlich», fügt Sesa hinzu. «Nichts, aber auch gar nichts hat auf Unstimmigkeiten hingedeutet.»

Treffen mit Amt für Migration

Beim FC Wohlen verweist man auf Anfrage auf ein Communiqué, welches gestern Abend an die Medien gemailt wurde. René Meier erfuhr am Mittwoch von den Vorwürfen Wellingtons.

Der Verwaltungsratspräsident der Aktiengesellschaft des FC Wohlen sagt: «Bei der Bewilligung des Spielers gibt es gewisse Unregelmässigkeiten. Ich werde die Aktenlage genauestens studieren und die Angelegenheit mit der zuständigen Behörde klären.»

Meier trifft sich heute mit Vertretern vom Amt für Migration und Integration. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.

Dabei geht es vor allem um die Frage, ob der FC Wohlen in diesem heiklen Fall mit einem blauen Auge davonkommen oder an den Pranger gestellt wird.

Eines steht fest: Der vom Amt für Migration vorgegebene Minimal-Lohn von 3800 Franken für Ausländer in der Challenge League ist nicht zu hoch angesetzt.

Damit verdient ein Spieler in der zweithöchsten Klasse gleich viel wie eine Migros-Verkäuferin.

Und Wellington? Er fliegt mit seiner Familie am 10. Oktober nach São Paulo. Und hofft, dass er in seiner Heimat mehr Glück hat als in Wohlen.

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