Fussball

Schweizer Pleitier lockt mit Weltmeistern für Fussball-Fonds

Siegerehrung an der Fussball-WM 1994: Der damalige Mannschaftscaptain Carlos Dunga (rechts neben Romario de Souza Faria mit dem Pokal) und einige seiner Mitspieler sollen jetzt den Fonds eines Pleitiers vergolden. IMAGO

Siegerehrung an der Fussball-WM 1994: Der damalige Mannschaftscaptain Carlos Dunga (rechts neben Romario de Souza Faria mit dem Pokal) und einige seiner Mitspieler sollen jetzt den Fonds eines Pleitiers vergolden. IMAGO

Ein Fussball-Fonds mit Sitz in Basel lockt mit grossen Namen und der Vision, brasilianische Altstars auf Welttournee zu schicken. Mit am Ball sind Lothar Matthäus und ein zwielichtiger Verwaltungsrat.

Es sind Weltmeister und sie tragen klingende Namen: Carlos Dunga, Ricardo Rocha, Paulo Sérgio. Ihr Samba-Fussball führte 1994 am WM-Austragungsort in den USA und der Heimat in Brasilien zu einer kollektiven Ekstase vor den TV-Bildschirmen. Was in Los Angeles im Penaltyschiessen gegen Italien mit dem ersten WM-Titel für Brasilien nach 24 Jahren endete, sollen die «Brazilmaster 94/02» zurückbringen. Mehr als 30 Spieler, die 1994 und 2002 mit Brasilien Weltmeister wurden, wollen verstärkt mit Ex-Nationalspielern fünf Jahre lang um die Welt reisen.

Dahinter steckt die Schweizer Fondsgesellschaft Ballmiras, die sich auch schon Permiras nannte. Ihren Sitz hat sie laut Handelsregister an der Angensteinerstrasse 21 in Basel im vornehmen St.-Alban-Quartier. Doch dabei handelt es sich um eine reine Postadresse.

Der Gründer der Ballmiras ist in Budapest zu Hause und ein umtriebiger Mann: Peter Pellady, Vermarkter der ungarischen Nationalelf und Manager von Lothar Matthäus, den er auch zum kurzzeitigen Nationaltrainer machte. «Es war der Coup seines Lebens», schrieb «Die Zeit» bewundernd. Matthäus – Weltmeister von 1990 – wird als «Mitentwickler des Konzepts und Berater» der Samba-Show auf Rasen genannt. Auch Franz Beckenbauer – Weltmeister von 1974 als Spieler und 1990 als Teamchef – wird in Pelladys Präsentation zitiert: «Brazil-Masters 94.02 ist eine tolle Idee und sicherlich ein Highlight für alle Zuschauer.»

Von wegen erfolgreicher Unternehmer

Jetzt zeigen Recherchen des «Sonntags»: Im Verwaltungsrat der Ballmiras sitzt ein Pleitier ersten Ranges. Stefan O.* wird auf der Internetseite unter «Management» als ««successful entrepreneur» angepriesen. Doch der angeblich erfolgreiche Unternehmer hat einen der grössten Scherbenhaufen hinterlassen, den es in einem Schweizer Betrugsfall je gab.

Der 53-jährige Walliser war Verwaltungsrat von NicStic in Hünenberg ZG. Die Firma hat Anleger mit der Erfindung einer angeblich rauchfreien Zigarette hinters Licht geführt. Insgesamt wurden Aktien im Wert von 300 Millionen Franken verkauft. Eine Bewilligung für den schwunghaften Handel gab es nicht.

NicStic und ihr kompliziertes Firmengeflecht wurde 2007 von der damaligen Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) in die Liquidation geschickt. Der Totalverlust wird auf gegen 100 Millionen Franken geschätzt. Stefan O. war für die NicStic-Pleite mitverantwortlich. Gegen ihn und weitere Strippenzieher wurde mit einer Verfügung der damaligen Eidgenössischen Bankenkommission EBK (heute: Finma) faktisch ein Berufsverbot verhängt: «Ihnen ist deshalb ab sofort generell zu verbieten, eine Effektenhändlertätigkeit auszuüben oder dafür Werbung zu betreiben», steht in der EBK-Verfügung vom 30. August 2007, die dem «Sonntag» vorliegt.

Verstösse gegen Börsengesetz

Die Masche der Zuger Möchtegern-Erfinder bestand darin, nicht börsenkotierte Aktien von anderen nahestehenden Gesellschaften zu übernehmen. Die Bezahlung erfolgte durch Verrechnung mit bestehenden Forderungen, deren Werthaltigkeit zweifelhaft war. Die Gesellschaften der Gruppen verkauften diese Aktien als Unterhändler an eine andere nahestehende Gesellschaft oder direkt an Dritte weiter. Der Haken: NicStic übte keine operative Tätigkeit aus, obwohl den Aktionären erklärt wurde, dass die Gesellschaft eine rauchfreie Zigarette entwickle. Das Produkt war jedoch laut EBK «nicht funktionsfähig».

Neben der EBK stellte auch das Eidg. Finanzdepartement klare Verstösse gegen das Börsengesetz fest, musste das Verfahren aber wegen Verjährung einstellen. Noch hängig ist dagegen ein Strafverfahren bei der Zuger Staatsanwaltschaft, wie Sprecher Marcel Schlatter bestätigt. Es richtet sich auch gegen Stefan O.

Das kümmert Fonds-Gründer Pellady wenig, der seit 15 Jahren ein Freund von O. ist: «Das ist ein toller Typ. Ein richtiger Pfundskerl.» Er nennt ihn «grundehrlich und solid». Das sehen die Tausenden hereingelegten NicStic-Anleger wohl anders. Der Wirtschaftsdienst Teledata zeigt zudem, dass die Kreditwürdigkeit von O. mit dem tiefstmöglichen Scorewert E angegeben wird. Kein Wunder: O. hat 13 Einträge wegen Privatkonkursmeldungen. Darunter sind konkursamtliche Grundstückssteigerungen, Verlängerungen der Nachlassstundungen und Liegenschaftsverwertungen im Pfändungsverfahren.

Pleitier O. sagt , was viele seiner «Berufskollegen» im Nachhinein behaupten: «Ich bin selber ein Opfer von NicStic.» Beim Fussball-Fonds, der angeblich nur in Deutschland akquiriert, sei er für die technische Seite zuständig: «Ich kümmere mich um die Abwicklung der Fussballspiele.» Doch der Samba-Fussball lässt auf sich warten. Fonds-Direktor Pellady mag dem «Sonntag» nicht verraten, wie viele der geplanten 500 Investoren schon gefunden werden konnten. Mit Marken- und TV-Rechten sowie Ticketeinnahmen aus 120 Spielen sollte kräftig Kasse gemacht werden.

Pellady hat sich von den «Harlem Globetrotters» inspirieren lassen. Die US-Basketball-Showtruppe ist durch 118 Länder getourt, hat mehr als 22000 Spiele absolviert. Doch nicht nur Pleitier O. wirft kein gutes Licht auf den Fussball-Fonds. Rolf Biland vom VZ Vermögenszentrum kritisiert die mangelnde Transparenz (siehe unten). Der Leiter für Anlagestrategie stellt denn auch die richtige Frage: «Wer will ehemalige Fussballstars sehen, die sich in einem Showspiel den Ball hin und her schieben?»

*Name der Redaktion bekannt

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