Fussball
Schweizer Nati-Trainerin: Sie fussballt mit ihren Frauen Glanz und Gloria

Martina Voss-Tecklenburg steht als Schweizer Nationaltrainerin mit ihrem Team vor der WM-Qualifikation. Nur noch vier Punkte müssen die Eidgenossinnen in den letzten drei Quali-Spielen einfahren, um den grossen Traum zu verwirklichen.

Michael Schenk
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Martina Voss-Tecklenburg gibt ihren Spielerinnen den Weg Richtung WM-Teilnahme vor – mit Erfolg.

Martina Voss-Tecklenburg gibt ihren Spielerinnen den Weg Richtung WM-Teilnahme vor – mit Erfolg.

Es klingt definitiv mehr nach «Preussens Gloria» als nach «Wind of change», wenn sie spricht. Mehr nach Marsch denn nach Kuschelrock. «Ich bin seit jeher sehr ehrgeizig und eine Führungspersönlichkeit», sagt Martina Voss-Tecklenburg. Schon in der Schule sei sie immer Klassensprecherin gewesen und später stets Captain in ihren Teams. «Sehr früh war für mich auch klar, dass ich einmal Trainerin werden will», so die Duisburgerin. Seit dem 1. August 2012 ist sie nun Coach der Schweizer Frauen-Fussballnationalmannschaft. Und wie: Helvetias Kickerinnen müssten sich schon sehr tollpatschig und talentfrei anstellen, wenn sie die erste WM-Teilnahme ever noch aus den Händen geben würden.

Vor dem WM-Quali-Spiel am Samstag gegen Israel (16 Uhr in Wohlen) führt die Schweiz in ihrer Gruppe souverän. Zehn Punkte vor Israel und Island. Mit fünf weiteren Punkten aus den letzten drei Spielen gegen Israel, Serbien und Malta – alles Teams, gegen die man in der Hinrunde souverän gewann – ist man nächstes Jahr an der WM in Kanada dabei. Ein grosses Verdienst ihrer Trainerin, die 125-mal für Deutschland spielte (27 Tore) und unter anderem viermal Europa- und einmal Vizeweltmeisterin wurde.

Gewissen Strömungen vorbeugen

«Ich denke, ich habe eine sehr hohe Authentizität und Glaubwürdigkeit», sagt Voss-Tecklenburg. Allein schon, weil jede ihrer Spielerinnen wüsste, dass sie aus eigener Erfahrung rede. Ausserdem sei sie kommunikativ und versuche stets mit allen, auch denen, die nicht zur Stammelf gehören, zu reden. So kann man negative Strömungen und allfällige Gruppenbildungen vermeiden. «Schliesslich brauchen wir alle», sagt die 46-jährige Mutter einer Tochter. Was sie nie tun müsse, so die für Borussia Dortmund fanende Nationaltrainerin, sei, etwas fürs Teambuilding zu tun. «Das Team hat einen super Spirit. Da ist eine hohe Wertschätzung voreinander und jede respektiert jede», sagt Voss-Tecklenburg.

Krimi- und Kino-Fan

Wenn sie nicht zu Hause bei Mann und Tochter im Blumenstädtchen Straelen am Niederrhein ist, lebt Martina Voss-Tecklenburg im Aargauischen. Lässt es die Freizeit zu, «bin ich ein grosser Krimi-Fan», sagt Deutschlands zweifache Fussballerin des Jahres (1996, 2000). Natürlich verbringt sie ihre fussballfreie Zeit aber am liebsten zu Hause. Ihr Mann ist Bauunternehmer und sehr fussballaffin. «Anders hätten wir wohl ein Problem», lacht Martina Voss-Tecklenburg.

So war ihr Mann lange Vorstandsmitglied von Fortuna Düsseldorf, noch viel länger des FC Straele. Zusammen seien sie und ihr Mann gern mit dem Velo unterwegs oder im Kino. «Es vergeht so gut wie kein Wochenende, an dem wir, wenn ich in Deutschland bin, nicht ins Kino gehen.» Was Tochter Dina angeht, so hat diese nur bedingt die Fussball-Gene ihrer Mutter in sich. Auf dem Platz steht sie nicht. Dafür studiert sie Marketing und Kommunikationsmanagement. «Sie kann sich aber gut vorstellen, später im Fussballbereich tätig zu sein», hält Mama fest. Ein bisschen Fussball muss schon sein ...