Nationalmannschaft
Schweizer Nati – Nun ist die Zeit reif für ein Ausrufezeichen

Acht Schweizer Siege hintereinander in der WM-Qualifikation – für jeden Sieg beantworten wir eine These.

Etienne Wuillemin
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Die Schweizer Nati auf dem Weg zur WM nach Russland? Noch steht Portugal im Weg.

Die Schweizer Nati auf dem Weg zur WM nach Russland? Noch steht Portugal im Weg.

Schweiz am Wochenende

1. Für die Schweiz ist es einfacher, die WM mit einem Punktgewinn in Portugal zu erreichen als via Barrage.

Falsch. Portugal gehört zur europäischen Spitzenklasse, auch wenn der Europameistertitel im letzten Sommer eher überraschend kam. Noch ist kaum abzuschätzen, welchen Gegnern die Schweiz in der Barrage gegenüberstehen könnten.

Aber klar ist: Die Schweiz wäre wegen der guten Weltranglistenposition gesetzt, könnte also beispielsweise nicht auf Italien treffen. Ob Nordirland, Slowakei, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Dänemark oder wer auch immer – ein Gegner vom Formate Portugals wäre nicht dabei.

2. Das Schweizer Nationalteam ist gar nicht so gut, wie es die acht Siege in der WM-Qualifikation suggerieren.

Fakt ist: Die Schweiz hat sich entwickelt, zuletzt immer einen Weg gefunden, Spiele zu gewinnen. Auch wenn sie auf Widerstand getroffen ist. Fakt ist aber auch: Konkurrent Portugal schiesst viel mehr Tore gegen kleinere Nationen.

Wie gut dieses Team wirklich ist, zeigt sich tatsächlich erst in der Finalissima in Lissabon am kommenden Dienstag. Nach den Niederlagen in grossen Spielen gegen Argentinien (WM-Achtelfinal) und Polen (EM-Achtelfinal) ist es Zeit für ein Ausrufezeichen. Am besten schon in Portugal!

3. Valon Behrami ist unersetzlich.

Als Leader ist Behrami zentral für dieses Team. Und derzeit nicht wegzudenken. Er hat sich einen enormen Status erarbeitet, ist ein «Idol für alle» geworden, wie Nationaltrainer Vladimir Petkovic sagt. Auch sportlich ist Behrami Gold wert. Seine Zweikampfstärke phänomenal, seine Mentalität ohnehin.

All diese Attribute werden fehlen gegen Ungarn und Portugal. Und doch gilt: In Behramis Schatten gibt es einige formstarke, hoffnungsvolle Akteure wie Freuler, Frei oder Zakaria. Allein, sie brauchen noch etwas Zeit, um ihre Erfahrungen zu sammeln. Fussballerisch können sie Behramis Absenz indes kompensieren.

4. Der Balkan-Graben ist zugeschüttet.

Ja. Spieler und Staff haben sich nach der ideellen Krise im Herbst 2015 zusammengerauft. Insbesondere das Camp vor der EM 2016 hat alle zusammengeschweisst, Trainer Petkovic war ein guter Moderator, um die verschiedenen Bedürfnisse und Befindlichkeiten unter ein gemeinsames Dach zu bringen. Die Stimmung ist so gut wie lange nicht mehr.

5. Die Torhüter-Position ist die einzige, auf der sich die Schweiz auf Jahre hinaus keine Sorgen machen muss.

Richtig. Was die Schweiz an ihren Torhütern für ein Geschenk Gottes hat, das wird ihr wohl erst bewusst, wenn es einmal nicht mehr so sein sollte. Doch bis dahin dauert es wohl noch eine Ewigkeit. Yann Sommer ist die Verlässlichkeit in Person, dahinter wartet Roman Bürki auf eine echte Chance.

Und auch Yvon Mvogo und (mutmasslich) Gregor Kobel werden eines Tages tolle Nationaltorhüter sein. Vorerst gilt schlicht und einfach: Für den Exploit in Portugal muss Sommer einen so phänomenalen Tag einziehen wie an der EM gegen Albanien.

6. Xherdan Shaqiri hat seine persönliche Krise überwunden und nähert sich wieder seinem Top-Niveau.

Ebenfalls richtig. Die Sorgen um seine zu häufigen Verletzungen einmal ausgeklammert, zeigt Shaqiri in den letzten Wochen vermehrt sein schönstes Gesicht – das gilt für Verein (Stoke City) und Nationalteam. Seine Einsatzfreude ist bemerkenswert, gerade in Duellen mit Gegnern ohne klingende Namen.

7. Die Zweifel an Abwehr und Sturm werden verschwinden.

Das Nationalteam ist zwar tatsächlich breiter geworden. Aber es gibt noch immer berechtigte Sorgen. Noch hat die Schweiz den echten Nachfolger von Alex Frei nicht gefunden. Die Ansätze von Haris Seferovic sind gut. Aber trifft er endlich einmal über längere Zeit?

Von seinen Nebenleuten ist auch stets mindestens einer in der Torkrise. In der (Innen-)Verteidigung waren Einsatzminuten nicht immer endlos vorhanden, Fehler dafür eher übermässig. Die Befürchtung ist: In naher Zukunft wird sich – vorne wie hinten – kaum alles zum Guten wenden.

8. Die Zeit ist reif für eine Dreierkette.
Warum nicht! Die Aussenverteidiger Rodriguez und Lichtsteiner kennen das System gut. Dazu spielt auch Xhaka bei Arsenal als Denker und Lenker vor drei Innenverteidigern. Ein Versuch wäre es wert. Aber Petkovic wird nichts ändern, solange er mit der Viererkette Erfolg hat.