Am Montag, als sich der Nati-Tross zum ersten Mal seit der WM wieder traf, musste man gar befürchten, dass sich der Verband sein eigenes Universum bastelt. Die Botschaften von Präsident Gilliéron und dem Delegierten Sulser: In der Schweiz fehlt der Stolz für das Nationalteam. Eingeständnisse, selbst Fehler gemacht zu haben? Fehlanzeige. Es waren fatale Worte im gegenwärtigen Klima des Rätselns über die Gründe von Doppeladler-Jubel und Diskussionen über Doppelbürger, die allesamt die Spieler selbst und der Verband ausgelöst hatten. Und darum ist es ziemlich eindrücklich, welche Wende eine einzige Nacht ausgelöst hat. Die Bereitschaft der Direktbeteiligten, über die Nebengeräusche der WM zu reden, ist ein starkes Zeichen. Ihr «Sorry» ein Eingeständnis, Fehler begangen zu haben.

Die versöhnlichen Worte sind ein Befreiungsschlag und ebnen das Feld, sich fortan wieder vermehrt dem Sport zuwenden zu können. Das war wichtig. Eine Erkenntnis der letzten Wochen muss aber dennoch sein: Es geht nicht darum, Schuldige zu suchen. Sondern darum, zu erkennen, dass ein Doppeladler-Jubel in der Bevölkerung ein Thema ist. Und eben Erklärungen erfordert. Es wäre auch vermessen, zu glauben, mit einem einzigen offenen Gespräch würde das Thema für alle Ewigkeit verschwinden. Doch in nächster Zeit werden andere Debatten dominieren. Beispielsweise muss nun Vladimir Petkovic im Herbst beweisen, dieses Nationalteam noch einmal weiterentwickeln zu können. Zuzutrauen ist es ihm durchaus. Denn er hat sich vor der EM 2016 schon einmal aus einer ähnlichen Situation befreit. Und Petkovic war zuletzt immer dann am besten, wenn er unter Druck war.