Bundesliga
Schweizer Mainz-Coach Martin Schmidt: «Ein Märchen ist das nicht»

Der 48-jährige Martin Schmidt ist mit Lucien Favre einer von zwei Schweizer Trainern in der Bundesliga. Der Walliser Trainer von Mainz 05 über seinen Werdegang, Fabian Frei und weshalb die Region um Mainz besonders gut zu Schweizern passt.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Martin Schmidt startet mit Mainz 05 in die Bundesligasaison 2015.

Martin Schmidt startet mit Mainz 05 in die Bundesligasaison 2015.

Keystone

Martin Schmidt, morgen starten Sie mit Mainz 05 gegen Aufsteiger Ingolstadt in die neue Saison. Nervös?

Martin Schmidt: Nein, aber ich bin sicherlich etwas angespannt. Ich bin fokussiert auf das Wesentliche, die Vorfreude ist gross, die Spannung kocht allmählich hoch.

Sie haben letzte Saison Mainz mit Powerfussball aus der Abstiegszone geführt. Orientiert man sich in Mainz nun in der Tabelle weiter nach oben?

Wie sich die Saison entwickelt, ist vor dem ersten Spiel schwer zu sagen. Für Mainz 05 lautet die erste Priorität immer: Klasse halten. Wenn wir die Leistungen aus der Rückrunde der Vorsaison bestätigen können, dann wäre das schon mal ein guter Schritt.

Der Schweizer Neuzugang vom FC Basel, Fabian Frei, machte gleich im ersten Saison-Ernstkampf (Pokalspiel bei Energie Cottbus) mit dem 1:0 auf sich aufmerksam. Was trauen Sie dem Schweizer in Ihren Reihen zu?

Wir haben Fabian nach Mainz geholt, weil er ein erfahrener Spieler mit strategisch guter Veranlagung ist. Er verfügt über ein gutes Passspiel und zeigt Organisationstalent auf dem Platz. Wenn er diese Eigenschaften abrufen kann, können seine Mitspieler von ihm profitieren. Ich erwarte das von ihm.

Kann er in seinem ersten Bundesliga-Jahr bereits zum Führungsspieler werden?

Die Bundesliga verlangt von einem Spieler enorm viel ab, das Tempo ist höher, die Zweikämpfe werden robuster geführt, bei Mainz spielen wir oft Pressing. Wenn er in punkto Zweikämpfe und Aggressivität weiter zulegen wird, dann kann sich Fabian Frei ganz klar zu einem Führungsspieler entwickeln.

Ihr Weg ins professionelle Trainerbusiness erfolgte sehr spät, scheinbar in Windeseile sind Sie von der Walliser Provinz und einer Station bei der U21 in Thun als Chefcoach bei einem Bundesligisten gelandet. Kommt Ihnen das nicht selber manchmal vor wie ein Märchen?

Das ist kein Märchen, sondern das ist eine Geschichte, wie sie eben nur der Fussball schreiben kann. Wenn ich damals im Oberwallis prophezeit hätte, ich würde mal einen Bundesligisten trainieren, hätte mir das niemand geglaubt. Man darf sich als Mensch in seinen Zielen niemals beschränken, seinen eigenen Weg niemals eingrenzen. Wenn man etwas erreicht hat, sollte man hungrig bleiben, den Willen entwickeln, etwas Neues dazu zu lernen. Man sollte immer offen sein für Neues. So hat sich das bei mir ergeben, ich habe bei Mainz die Gelegenheit bekommen, die zweite Mannschaft zu trainieren, wir hatten Erfolg und sind in die 3. Liga aufgestiegen. Hätte ich mich auf meinem Erfolg ausgeruht, wäre ich heute nicht da, wo ich eben bin. Ich arbeitete noch akribischer, bereitete mich noch detaillierter vor, bildete mich noch intensiver weiter. Irgendwann bekam ich die Chance, die erste Mannschaft zu übernehmen.

Ein Traumjob?

Es ist ein Traumjob, und wenn Sie so wollen, es mag wie ein Märchen klingen. Aber dieser Job ist anspruchsvoll, und ein Trainerjob ist immer auch ein Job auf dem Schleudersitz. Es ist vielleicht eine Mischung aus einer schönen Geschichte und knallharter Arbeit.

Apropos Schleudersitz. Wie hält man diesem enormen Druck stand? Wenn Mainz schlecht in die Gänge kommt, werden Fans und Umfeld bald unruhig.

In meiner ersten Woche als Cheftrainer hatte ich die eine oder andere schlaflose Nacht. Aber heute bin ich auch vor wichtigen Spielen stets entspannt. Es liegt auch immer an einem selber, ob man Druck überhaupt zulässt. Wenn ich das Team gut vorbereitet, den Gegner akribisch analysiert habe, dann macht sich auch keine Nervosität breit.Grundsätzlich ist das Umfeld in Mainz im Vergleich zu vielen anderen Clubs in der Bundesliga auch eher entspannt und ruhig. Hier wird niemand nervös, wenn man mal drei Spiele verliert. Klar wird man als Trainer auch hier an der Leistung der Mannschaft gemessen. Aber weil ich weiss, dass wir gut gearbeitet haben, mache ich mir überhaupt keine Gedanken über solche Szenarien.

Passt ein Oberwalliser vom Naturell her besonders gut nach Mainz?

Nicht nur ein Oberwalliser, allgemein Schweizer passen gut in die Gegend von Mainz. Die Menschen hier sind offen, zeigen Freude am Leben, das Klima ist ausgezeichnet, bei der Mainzer Fasnacht wird gefeiert, es ist auch eine katholische Region, in der der Glaube noch eine Rolle spielt. Und nicht zu vergessen, das gute Klima macht die Region zu einem grossen Weinbaugebiet.

Hat sich nach Ihrer erfolgreichen Rückrunde eigentlich schon Christian Constantin bei Ihnen mit einem lukrativen Vertrag beim FC Sion gemeldet?

(lLacht) Nein, ich hatte zu Christian Constantin in meinem ganzen Leben noch nie Kontakt.