Fussball
Schweizer Goalies erobern die Bundesliga

Ausgerechnet im Land mit der grössten Torhüter-Tradition steigen vier Schweizer Goalies als Nummer 1 in ihren Klubs in die Saison.

Michael Meier
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Roman Bürki hütete beim Bundesliga-Auftakt gegen Frankfurt das Tor des SC Freiburg.

Roman Bürki hütete beim Bundesliga-Auftakt gegen Frankfurt das Tor des SC Freiburg.

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Die Deutschen waren schon immer berühmt für ihre Torhüter. Unser nördlicher Nachbar bezeichnet sich auch gerne als Torhüterland oder Torwartnation. Man ist stolz auf die lange Tradition an überragenden Goalies. Von den Weltmeistern Toni Turek und Sepp Maier über Oliver Kahn bis zu Manuel Neuer, dem überragenden Mann beim Titelgewinn an der WM in Brasilien.

Ein Torhüterproblem kannten die Deutschen nie. Man hat ein beinahe unerschöpfliches Reservoir an talentierten Schlussmännern. Auch aktuell gibt es im Land des Weltmeisters überdurchschnittlich viele Torhüter mit überdurchschnittlich hoher Qualität. Bayern Münchens Welttorhüter Neuer, Dortmunds Roman Weidenfeller, der kürzlich zu Barcelona transferierte Marc-André ter Stegen oder Leverkusens Bernd Leno, um nur einige zu nennen. Beinahe jährlich spielen sich neue junge Talente in den Vordergrund, wie zuletzt Loris Karius bei Mainz oder Timo Horn bei Köln.

Zwei Bisherige, zwei Neue

Umso erstaunlicher ist es, dass zu Beginn der neuen Bundesligasaison 4 von 18 Torhüterpositionen von Schweizern besetzt sind. Diego Benaglio geht in seine siebte Saison beim VfL Wolfsburg und führt die Mannschaft als Captain an. Über viele Jahre war Marwin Hitz sein Stellvertreter, bis er von der Ersatzrolle genug hatte und vor einem Jahr zum FC Augsburg wechselte. Dort setzte er sich auf Anhieb durch und avancierte zu einem sicheren Wert in der besten Liga der Welt, wie sich die Bundesliga gerne bezeichnet. Nun wagten mit Yann Sommer und Roman Bürki zwei weitere junge Goalies den Sprung nach Deutschland. Sommer tritt bei Borussia Mönchengladbach das schwierige Erbe von ter Stegen an, er ist bei den Gladbachern gesetzt. Währenddessen duelliert sich Bürki mit Sebastian Mielitz um den Stammplatz beim SC Freiburg. Er hat gute Chancen, sich durchzusetzen.

Wie kommt es, dass man in Deutschland in den letzten Jahren vermehrt auf Goalies «made in Switzerland» baut? Jörg Stiel, ehemaliger Nationalgoalie und zwischen 2001 und 2004 Stammtorhüter und Publikumsliebling bei Gladbach, führt dies vor allem auf die Schweizer Nachwuchsarbeit zurück: «Die Schweizer Nachwuchsgoalies geniessen eine herausragende Ausbildung. Das Resultat sind überdurchschnittliche Torhüter wie Benaglio oder Sommer.» Es gibt aber auch weitere Gründe: «Schweizer Spieler werden in Deutschland oft gar nicht als Ausländer wahrgenommen. Sie haben keine Probleme mit der Sprache und der Kultur», erklärt Stiel. Ähnlich sieht dies Andreas Hilfiker. Der Schweizer ist seit sechseinhalb Jahren Goalietrainer bei Wolfsburg und trainiert(e) dort sowohl Benaglio als auch Hitz. «Die sprachliche Situation ist ein Vorteil. Die Integration fällt dadurch leicht», bestätigt Hilfiker. «Aber, der wichtigste Faktor ist immer die Qualität, und die ist bei allen vier Schweizer Torhüter vorhanden.»

Benaglio als Vorreiter

Stiel und Hilfiker betonen, die wichtige Rolle von Benaglio: «Die Wahrnehmung von Schweizer Spielern und speziell von Schweizer Goalies hat sich in den letzten Jahren geändert, auch dank Benaglio, der seit sechs Jahren auf höchstem Niveau in der Bundesliga spielt», sagt Hilfiker. Und zu guter Letzt haben Schweizer Torhüter den Vorteil, «dass sie zu vernünftigen Preisen zu haben sind», wie Stiel bemerkt. Die Kombination aus hoher Qualität, problemloser Integration und günstigen Ablösesummen macht Schweizer Goalies momentan zum Exportschlager in den deutschen Fussballmarkt.

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