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Schweizer DFB-Scout Siegenthaler kontert Scholls Verbalattacke: "Ich kenne ihn nicht"

ARD-Kommentator Scholl kritisierte den Schweizer DFB-Chef-Scout Urs Siegenthaler scharf. Er habe einen schlechten Einfluss auf Trainer Jogi Löw. Dieser stellt sich nun schützend vor Siegenthaler.

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Der frühere Bayern-Profi und heutige ARD-Moderator Mehmet Scholl (r.).

Der frühere Bayern-Profi und heutige ARD-Moderator Mehmet Scholl (r.).

Printscreen / ARD

Der deutsche Nationaltrainer Joachim Löw hat die Kritik von TV-Experte Mehmet Scholl an Chefscout Urs Siegenthaler scharf zurückgewiesen. "Ich finde es äusserst negativ, wenn man wertvolle Mitarbeiter in meinem Stab persönlich angreift. Das finde ich nicht in Ordnung, weil Aussenstehende die internen Abläufe und Besprechungen nicht beurteilen können", sagte Löw.

Mit "Aussenstehende" meinte Löw Mehmet Scholl.

Der 45-jährige Scholl, ehemaliger Nationalspieler und Drippler des Deutschen Rekordmeisters Bayern München, hatte Siegenthaler nach dem Viertelfinalknüller Deutschland-Italien ungewohnt direkt angegriffen.

"Der Herr Siegenthaler möge bitte seinen Job machen, morgens liegen bleiben, die anderen zum Training gehen lassen und nicht irgendwelche Ideen bringen", hatte Scholl nach dem Penaltykrimi gesagt.

Scholl regte sich über eine Umstellung von Löw auf. Dieser formierte die Abwehr zu einer Dreierkette nachdem das Deutsche Team in den vergangenen Spielen mit einer Viererkette und Julian Draxler als weiteren Offensivspieler erfolgreich gewesen war. Löw solle die Mannschaft nicht dem Gegner anpassen, sondern sein eigenes Spiel durchziehen. Das sei viel erfolgreicher.

Scholl erinnerte an die Spiele der EM 2008, der WM 2010 und der EM 2012. Das DFB-Team habe sich jeweils Spanien und Italien angepasst und prompt verloren. Ganz anders an der WM 2014 als Deutschland in Brasilien Weltmeister geworden war.

Scholl hatte sich regelrecht in Rage gesprochen und konnte am Samstagabend kaum mehr vom Thema lassen. Entsprechend gross war das Echo in Fussballkreisen.

Der Schweizer Urs Siegenthaler ist seit Jahren im Team von Jogi Löw. Er gilt als Mann der Zahlen und Taktik-Fuchs. Er war 2014 im Gespräch als Schweizer Nationaltrainer.

Der Schweizer Urs Siegenthaler ist seit Jahren im Team von Jogi Löw. Er gilt als Mann der Zahlen und Taktik-Fuchs. Er war 2014 im Gespräch als Schweizer Nationaltrainer.

Keystone

Löw beschwichtigt

"Das Medienrauschen habe ich natürlich mitbekommen und die Diskussion um diese taktische Variante. Klar, da kann man geteilter Meinung sein. Das ist das Recht von jedem, eine andere Meinung zu haben. Für solche Dinge bin ich offen", erklärte Löw. "Wenn das persönlich wird, dann finde ich das nicht in Ordnung. Da sollte sich der eine oder andere Gedanken drüber machen. Wenn einer der Meinung ist, die Taktik ist gut oder weniger gut oder falsch, ist das die Sache jedes einzelnen. Das gehört zum Fussball dazu und diese Diskussionen sind für mich auch völlig normal."

Die harsche Kritik des ARD-Experten und Ex-Nationalspielers Mehmet Scholl ist offenkundig ohne größere Nebenwirkungen an dem 68 Jahre alten Schweizer abgeprallt. Siegenthaler? Blieb gelassen. "Jeder kann seine Meinung sagen. Damit habe ich keine Probleme", sagte er.

Allerdings: Ein bisschen verwundert ist Siegenthaler schon. Scholl "kenne ich nicht und weiß auch nicht, was ich ihm getan habe", sagte er. Eine Spitze konnte er sich dann doch nicht verkneifen: "Vor 1000 Jahren haben die Menschen auch gedacht, die Erde sei eine Scheibe. Es hat einige Zeit gebraucht, bis sie begriffen haben, dass sie eine Kugel ist."

Was Siegenthaler sagen will: Der als Trainer bislang wenig erfolgreiche Scholl hat bei Entwicklungen im Fußball einige Dinge verschlafen.

Jonas Hector verwandelt den entscheidenden Elfmeter.
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Es kommt zur Verlängerung.
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Jonas Hector verwandelt den entscheidenden Elfmeter.

Keystone