Mit dem Abbruch der Partie zwischen Serbien und Albanien endeten die Auseinandersetzungen zwar auf dem grünen Rasen – dem digitalen Zeitalter entsprechend aber verlagerten sie sich rasch ins Internet.

Auf Facebook und Twitter sind etliche nationalistisch gefärbte Einträge im Namen der vier beteiligten Super-League-Albaner Taulant Xhaka (Basel), Burim Kukeli (FC Zürich), Amir Abrashi (GC) und Ermir Lenjani (St. Gallen) aufgetaucht.

Eine Fanseite von Lenjani zeigt ein Video vom heldenhaften Empfang der albanischen Spieler in der Heimat. Wer auf Facebook nach Taulant Xhaka sucht, der findet Bilder der gross-albanischen Flagge, ein Porträt von Adem Jashari (Mitbegründer der ehemaligen Befreiungsarmee des Kosovo UCK) oder ein Video, in dem Xhaka das albanische Wappen in die Kamera hält, während er ein Auto steuert.

Die Folge: In den Kommentarspalten werden die Fussballer neben viel Lob aufs Übelste beschimpft, weil sie mit ihren politischen Statements den Konflikt zusätzlich befeuern.

Super-League-Spieler als Übermittler nationalistischen Gedankenguts?

«Nein», stellen die Mediensprecher ihrer Arbeitgeber klar. Daniel Last vom FC St. Gallen: «Lenjani hat nur die Bilder seiner Verletzungen gepostet.»

Von den Zürcher Klubs heisst es, ihre Spieler hätten gar nichts ins Netz gestellt. Der FCB will sich zu den Veröffentlichungen auf den Fanseiten von Xhaka nicht äussern.

Es ist davon auszugehen, dass die Namen der Fussballer von albanischen Landsleuten missbraucht werden, um mit nationalistischen Parolen und Bildern Aufmerksamkeit zu erlangen – ein bekanntes Phänomen in Zeiten von Social Media.

Eines, das die Spieler jedoch beeinflussen können: Indem sie sich besser überlegen, welchen Personen aus ihrem Freundeskreis sie sensibles Bildmaterial zukommen lassen, ohne dass dieses über Umwege auf Facebook landet.

Ausschluss aus EM-Qualifikation?

Von ihren Klubs haben Xhaka und Co. wohl keine Strafen zu befürchten – hingegen drohen Sanktionen durch die Uefa. Rückblick: Im Anschluss an das Skandalspiel 2005 zwischen der Türkei und der Schweiz wurde unter anderem der Schweizer Benjamin Huggel für mehrere Länderspiele gesperrt und verpasste dadurch die WM 2006.

Als sicher gelten Massnahmen gegen die Verbände beider Länder – auch wenn die Serben einen Forfait-Sieg fordern.

Die Uefa ermittelt unter anderem wegen Nichtverhinderns des Platzsturms gegen das Heimteam, den Albanern droht Ungemach wegen des politischen Banners an der Drohne und weil sie sich weigerten, die Partie nach dem Unterbruch weiterzuspielen.

Die Bandbreite möglicher Strafen reicht von Geldbussen bis zum Ausschluss aus der laufenden EM-Qualifikation. Eine Entscheidung wird am 23. Oktober gefällt. (wen/pdn)