Fussball
Schweizer Absturz am «Montenegro»

Mirko Vucinic lässt den Schweizern die Hosen runter und trifft zum 1:0-Sieg für Montenegro.

Felix Bingesser, Podgorica
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Schweiz blamiert sich gegen Montenegro und verliert 1:0
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Schweiz unterliegt Montenegro Van Bergen und Grichting kommen zu spät, Vucinic schiesst das entscheidende 1:0
Schweiz unterliegt Montenegro Immer einen Schritt zu spät: Hier Valentin Stocker gegen Milan Jovanovic
Schweiz unterliegt Montenegro Hitzfeld ahnt es
Schweiz unterliegt Montenegro Auch hier zu spät: Gökhan Inler gegen Mitar Novakovic
Schweiz unterliegt Montenegro Nahm auf der Tribüne Platz: der verletzte Goalie Diego Benaglio
Schweiz unterliegt Montenegro Marco Streller, Montenegros Mitar Novakovic und dazwischen Goalie Mladen Bozovic
Schweiz unterliegt Montenegro Verteidiger Milan Jovanovic, setzt sich gegen Streller durch
Schweiz unterliegt Montenegro Alex Frei mit zwei Aufpassern: Milan Jovanovic (rechts) und Miodrag Dzudovic

Schweiz blamiert sich gegen Montenegro und verliert 1:0

War es das bereits? Die Frage kann noch nicht schlüssig beantwortet werden. Aber nach der 0:1-Niederlage in Montenegro ist die Ausgangslage für das Team von Ottmar Hitzfeld in dieser EM-Qualifikation derart schwierig geworden, dass nur noch Berufsoptimisten daran glauben, Hitzfeld und sein Team würden in dieser Qualifikation nochmals eine Rolle spielen. Nach dem verpassten Spiel der letzten Chance folgt am Dienstag das Spiel der allerletzten Chance gegen Wales. Aber selbst bei einem Sieg ist davon auszugehen, dass sich die Schweiz auch im Frühling keinen einzigen Ausrutscher mehr leisten kann. Und es stehen noch Auswärtsspiele in England, in Bulgarien und in Wales auf dem Programm. Man hat sich nach zwei Partien bereits eine Hypothek aufgebürdet, die im weiteren Verlauf dieser Qualifikation kaum abzutragen ist. Dies vor allem auch darum, weil das derzeitige Offensivvermögen der Schweiz internationalen Ansprüchen nicht genügt.

Auch gegen Montenegro fehlte es der Schweiz an Durchschlagskraft, an Ideen, an fussballerischer Qualität um diesen keinesfalls überragenden Gegner in die Schranken zu weisen. Kämpferisch erfüllte die Mannschaft die Erwartungen. Spielerisch aber war es über weite Strecken ein Offenbarungseid. Und man muss es in dieser Deutlichkeit sagen: Ein Team, das in den letzten zwölf Länderspielen fünf Tore erzielt hat, gehört auch nicht an eine EM-Endrunde.

Die Partie gegen Montenegro war das, was erwartet werden konnte. Hier die Montenegriner, die aus einer massierten Abwehr heraus das Spiel zu kontrollieren versuchten. Wer einen ungestümen Angriffswirbel des Teams von Zlatko Kranjcar erwartet hatte, der sah bald, dass die Marschroute eine andere war. Wer bereits sechs Punkte im Trockenen hat, der ist nicht zum Risiko verdammt. Und weil auch die Schweizer überaus verhalten in die Partie starteten, dauerte es lange, bis das Spiel etwas an Fahrt aufnahm.

Die Grenzen und Mängel beider Teams waren augenscheinlich. Bei Montenegro arbeiteten 10 Indianer für Häuptling Mirko Vucinic, der seine Klasse immer wieder aufblitzen liess. Bei der Schweiz fehlte es im harmlosen Offensivspiel an allen Ecken und Enden. Alex Frei bleibt das Sorgenkind, das er seit Längerem ist. Marco Streller rackerte und kämpfte, Entscheidendes gelang auch ihm nicht. Und Xherdan Shaqiri vermochte die hochgesteckten Erwartungen in keiner Weise zu erfüllen. Er war in jeder Hinsicht überfordert und verlor praktisch jeden Zweikampf. So blieb der ansprechende Valentin Stocker, der das Spiel über die linke Seite immer wieder ankurbelte.

Das aber war halt an diesem Abend im stimmungsvollen Kleinstadion von Podgorica zu wenig. Viel zu wenig. Und weil die Schweizer die massierte Abwehr der Gastgeber nicht zu knacken vermochte, nahm das Verhängnis seinen Lauf. Es war die 67. Minute, als der geniale Vucinic die Schweizer Abwehr vernaschte und den Siegestreffer erzielte. Und der danach die Hosen auszog. Es war ein unkonventioneller Torjubel mit Symbolcharakter. Montenegro hat den Schweizern die Hosen herunter gelassen. Mit neun Punkten ziert das Team von Kranjcar nun die Tabellenspitze. Und sie werden, getragen von einer riesigen Euphorie, den angestrebten zweiten Gruppenplatz kaum mehr aus den Händen geben. Und die Schweiz? Die ist am «Montenegro» – am schwarzen Berg – endgültig abgestürzt.