Nationalmannschaft

Schweiz - Kroatien 2:2 – Zwei Drmic-Tore waren nicht genug

Die Schweiz gewann den ersten Test im WM-Jahr trotz zwei Toren von Josip Drmic gegen Kroatien nicht. Nach einer guten ersten Stunde, aber einem Leistungsabfall in der Schlussphase reichte es inur zum 2:2. Ivica Olic glich für Kroatien zweimal aus.

Josip Drmic stand vor dem Spiel gegen das Heimatland seiner Eltern im Mittelpunkt und er spielte in den 90 Minuten in der ausverkauften Arena in den Vordergrund. Er bestätigte seine hervorragende Form aus der Bundesligas auch im Nationalteam. Die Art wie er die Schweiz zweimal in Führung brachte, war beeindruckend. Nach einem Abspielfehler im Mittelfeld der Kroaten dribbelte er Verteidiger Vedran Corluka an der Strafraumgrenze aus und schloss mit links unhaltbar ab (33.). Und kurz vor der Pause erlief er ein weites Zuspiel von Gökhan Inler und bezwang den kroatischen Keeper Danijel Subasic ein zweites Mal fast spielend leicht.

Der 21-Jährige Schwyzer war die positivste Erscheinung für Nationalcoach Ottmar Hitzfeld. Hat die Schweiz mit dem Nürnberg-Topskorer endlich den Stürmer gefunden, der regelmässig trifft? Noch ist es zu früh für ein Urteil. Aber die Zwischenbilanz von Drmic lässt sich nun sehen: fünf Länderspiele, 184 Minuten, zwei Tore.

Drmic war es auch, der die Schweizer in der kalten AFG-Arena schon früh auf Betriebstemperatur gebracht hatte. Schon nach fünf Minuten erlief er sich nach einer Kopfball-Vorlage von Steve von Bergen einen Ball und verpasste die Schweizer Führung aus halbrechter Position nur knapp. Es war der Auftakt zu einer Halbzeit, in welcher sich die Schweizer ein klares Chancenplus erspielten. Ein Schuss von Xherdan Shaqiri wurde von einem Abwehrspieler in Corner gelenkt (8.), Lichtsteiner kam zweimal über rechts gefährlich in den Strafraum, scheiterte aber einmal am Torhüter (20.), ehe später Drmic und Granit Xhaka in der Mitte seine Hereingabe (31.) verpassten. Dann war es nochmals Drmic, der aus aussichtsreicher Position fünf Meter vor dem Tor den Ball mit dem Kopf nicht wunschgemäss traf (32.).

Es war eine gute erste Stunde der Schweizer. Sie dominierten das Spiel, weil Gökhan Inler und Valon Behrami im Zentrum keine Mühe hatten, die Kreise des etwas lustlosen und kurz nach der Pause ausgewechselten Super-Techniker von Inter Mailand, Mateo Kovacic, zu stören. Weil auf den Seiten die Aussenverteidiger Ricardo Rodriguez und Stephan Lichtsteiner lauf- und angriffsfreudig waren. Weil Granit Xhaka taktisches Gespür zeigte, sich wiederholt auf der linken Seite weit nach hinten fallen liess, um den kroatischen Captain Darijo Srna zurück zu binden. Und weil Xherdan Shaqiri etwas mehr als drei Wochen nach seinem Muskelfaserriss beim Comeback zumindest phasenweise im Stande war, das Spiel an sich zu reissen.

Die Schweizer Überlegenheit dauerte knapp 60 Minuten, zumindest so lange, bis das in Testspielen gewohnte eifrige Wechseln begann. Es ist daher aussagekräftig, dass der Schweiz vieles gelang in einem Spiel, das "die Phase des Feinschliffs im Hinblick auf die WM" einläutete, wie sich Ottmar Hitzfeld vor dem Spiel ausgedrückt hatte. Es ist aber auch ärgerlich, dass sich die Schweizer in der ersten Stunde resultatmässig keinen Vorteil verschafften. Dazu machten sie in der Abwehr zwei Fehler zu viel und wurden durch die Effizienz der Kroaten bestraft. Beim 1:1 verfehlten Johan Djourou und Steve von Bergen den Corner von der linken Seite und reagierte auch Inler vor dem Tor nicht rasch genug. Beim 2:2 unterlief Lichtsteiner ein Fehler beim Stellungsspiel, so dass der schnellen Olic entwischen konnte.

Dass die Schweizer am Ende arg um das Unentschieden zittern mussten, hatte mit den Wechseln zu tun. Kroatiens Coach Nico Kovac brachte von Bank frische Kräfte, die zur Top-Klasse des Weltfussballs gehören. Mario Mandzukic zum Beispiel, den Topskorer von Bayern München. Oder Luka Modric, den Spielgestalter von Real Madrid. Sie sorgten für bessere Qualität im Spiel der Gäste, während bei den Schweizern ohne Ausnahme Spieler zweiter Wahl zum Einsatz kamen. Das Spiel bestätigte, was bereits der letzte Test im November in Südkorea (1:2) zu Tage gefördert hatte. Die Schweizer Mannschaft ist in Bestbesetzung fähig, einen Gegner vom Kaliber Kroatiens zu beherrschen, sie erleidet aber einen Leistungsabfall, wenn zu viele Stammkräfte nicht (mehr) im Einsatz sind.

So gesehen erklärt sich auch, weshalb der Innenverteidiger Johan Djourou aus der Startformation der schwächste war. Der HSV-Abwehrspieler wirkte unsicher, machte in der Spielauslösung Fehler und geriet im Zweikampf meist in Bedrängnis. Wenn alles so läuft, wie es sich Hitzfeld vorstellt, wird Djourou der einzige der St. Galler Formation sein, der im WM-Startspiel am 15. Juni gegen Ecuador nicht von Beginn weg dabei sein wird. An seiner Stelle ist der Basler Abwehrchef Fabian Schär vorgesehen, der im Moment aber noch an den Folgen einer Operation an der Patellasehen laboriert. Seine Rückkehr tut Not.

Matchtelegramm

Schweiz - Kroatien 2:2 (2:1)

AFG-Arena, St. Gallen. - 17'200 Zuschauer (ausverkauft). - SR Ferreira Campos (Por). - Tore: 33. Drmic 1:0. 39. Olic 1:1. 40. Drmic (Inler) 2:1. 54. Olic 2:2.

Schweiz: Benaglio; Lichtsteiner (62. Lang), Djourou, Von Bergen, Rodriguez; Behrami (46. Schwegler), Inler (62. Dzemaili); Shaqiri (46. Mehmedi), Xhaka (79. Gavranovic), Stocker (79. Barnetta); Drmic.

Kroatien: Subasic; Srna, Corluka, Lovren (57. Schildenfeld), Pranjic; Rakitic (88. Vukojevic), Males (57. Modric); Perisic (75. Milic), Kovacic (57. Eduardo), Olic; Jelavic (46. Mandzukic).

Bemerkungen: Schweiz ohne Schär (verletzt) und Kasami (U21). Verwarnungen: 42. Lichtsteiner (Foul). 86. Olic (Foul).

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