Einzelkritik
Schwarzer Abend für Schär und Mehmedi: «So haben wir an der EM nichts verloren»

Die Schweiz kann sich nach der Pleite gegen Irland nicht verbessern und verliert den Test gegen Bosnien-Herzegowina 0:2. Die Mannschaft enttäuschte erneut kollektiv, war aber immerhin nicht ganz so lustlos wie zuletzt in Dublin. Die Spieler in der Einzelbewertung.

Markus Brütsch
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Impressionen von Schweiz gegen Bosnien-Herzegowina
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Eine enttäuschende Leistung der Schweiz führt zur 0:2-Niederlage gegen Bosnien-Herzegowina.
Die Enttäuschung bei der Schweizer Mannschaft (im Bild Renato Steffen) ist gross.
Embolo wird von Kolasinac vom Ball getrennt.
Seferovic vergibt die Chance zum Anschlusstreffer.
Breel Embolo wird vom bosnischen Ersatzkeeper unsanft abgeräumt.
Der Ball ist wieder drin.
Der Freistoss von Miralem Pjanic bringt Bosnien das 2:0.
Embolo behauptet den Ball.
Bosnien-Herzegowina bejubelt das 2:0.
Pajtim Kasami kommt nicht durch.
Die Schweiz (hier mit Haris Seferovic) taucht in der erste Hälfte ab.
Seferovic wird von Vranjes gestoppt.
Vedad Ibisevic zieht gleich zwei Schweizer (Rodriguez und Senderos) auf sich.
Der Ball ist drin. Dzeko trifft zum 0:1.
Yann Sommer lenkt einen Schuss übers Tor.
Renato Steffen kämpft um den Ball.
Edin Dzeko wird zu seinem Tor beglückwünscht.

Impressionen von Schweiz gegen Bosnien-Herzegowina

KEYSTONE/WALTER BIERI
Yann Sommer: Note 3,5 Sieht beim Flachschuss von Dzeko zum 0:1 aus spitzem Winkel nicht gut aus. Beim Prachtsfreistoss von Pjanic aber chancenlos.
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Stephan Lichtsteiner: Note 4 Defensiv gibt der Captain eine solide Vorstellung. Offensiv versucht er vieles, ist aber zu wenig präzis und daher mit überschaubarem Erfolg.
Fabian Schär: Note 2,5 Lässt sich ein erstes Mal von Dzeko ohne Schaden abkochen, beim zweiten Mal aber schlägt es ein. In dieser Verfassung ist er eine Belastung.
Philippe Senderos Note: 3,5 Hat Glück, dass sein ungeschicktes Eingreifen gegen Ibisevic nicht mit einem Penalty bestraft wird. Begeht das Foul vor dem 0:2.
Ricardo Rodriguez: Note 4 Auch gegen Bosnien gelingt ihm der Befreiungsschlag aus seinem mittleren Formtief nicht. Zwar ohne Patzer, aber auch ohne Drive.
Gelson Fernandes: Note 3,5 Rennt wie immer viel und ihm ist auch nicht vorzuwerfen, er habe einen Stiefel zusammengespielt. Aber konkret ist es eben auch nie.
Granit Xhaka: Note 3,5 Erneut gelingt es ihm nicht, dominant die Chefrolle auszufüllen. Ein halbwegs gefährlicher Distanzschuss ist seine Offensivbilanz.
Pajtim Kasami: Note 3 Schlägt gleich zu Beginn einen wunderbaren Pass auf Severovic und weckt Erwartungen, die er in der Folge nicht erfüllen kann.
Renato Steffen: Note 3,5 Ihm werden von den robusten Kolasinac und Vranjes die Grenzen aufgezeigt. Kommt aber doch zu einer guten Torchance, von Begovic vereitelt.
Admir Mehmedi: Note 2,5 Es ist ihm gewiss nicht vorzuwerfen, er würde nicht kämpfen. Doch beinahe alles, was er unternimmt, misslingt. Das Selbstvertrauen ist weg.
Haris Seferovic: Note 3 Kommt gleich zu Beginn zu einer echten Torchance, die er aber vergibt. Und gegen Ende vergibt der formschwache Frankfurter noch eine zweite.
Timm Klose: Note 4,5 Kommt zu einer Kopfballmöglichkeit. Schaltet sich bei jeder Standardsituation nach vorne ein. Defensiv im Vergleich mit dem Irland-Spiel verbessert.
Luca Zuffi: Note 4 Schlägt eine seiner mittlerweile bekannten gut getimten Flanken, aber Klose vergibt. Ansonsten ein mässiger bis ordentlicher Auftritt.
Breel Embolo: Note 4 Bringt wenigstens phasenweise jenes Tempo ins Schweizer Spiel, welches dieser so oft fehlt. Aber etwas Entscheidendes gelingt auch ihm nicht.
Michael Lang: Note - Zu kurz im Einsatz, daher nicht benotet.
Shani Tarashaj: Note - Zu kurz im Einsatz, daher nicht benotet.
Francois Moubandje: Note - Zu kurz im Einsatz, daher nicht benotet.

Yann Sommer: Note 3,5 Sieht beim Flachschuss von Dzeko zum 0:1 aus spitzem Winkel nicht gut aus. Beim Prachtsfreistoss von Pjanic aber chancenlos.

Keystone

Nach dem 0:2 im EM-Testspiel in Zürich gegen Bosnien spricht Fabian Schär Klartext. "So haben wir an der EM nichts verloren." Captain Stephan Lichtsteiner sieht dagegen auch positive Ansätze.

In der EM-Qualifikation hat die Schweiz unter Vladimir Petkovic 70 Prozent der Partien gewonnen. In den Testspielen dagegen sind Erfolge rar. Den nur zwei Siegen - einer davon gegen die FIFA-Nummer 163 Liechtenstein - stehen zwei Remis und drei Niederlagen gegenüber. Diese Statistik macht Captain Stephan Lichtsteiner trotz des enttäuschenden Abends in Zürich Mut. "Wir sind eine Wettkampfmannschaft, das haben wir mehrfach bewiesen."

Gleichwohl müssen diese beiden Testspiele in Irland und gegen Bosnien genau analysiert werden. Einen ersten Ansatz fand Lichtsteiner unmittelbar nach dem Abpfiff. "Wir sind nicht mehr die kleine Schweiz. Wir müssen jetzt das Spiel selber machen, die Gegner kontern gegen uns. Das sind wir nicht gewohnt", so der Verteidiger von Juventus Turin. Ausserdem monierte er: "Wir sind als Mannschaft zu lang." So müssten die Spieler viel weitere Wege gehen, so Lichtsteiner. Die Konsequenz davon: "In den entscheidenden Zweikämpfen fehlt uns die Kraft."

Einen solchen Fehler im direkten Duell mit dem Gegenspieler unterlief Fabian Schär vor dem ersten Gegentor durch den bosnischen Startstürmer Edin Dzeko. "Ich bin etwas zu weit weg von ihm gestanden. Ich hätte nicht gedacht, dass er aus diesem Winkel das Tor erzielen würde. Da hätte ich näher dran sein müssen", so der Verteidiger von Hoffenheim.

Im Klub spielt Schär Spieltag für Spieltag gegen den Abstieg. Anderen geht es ähnlich. Für Schär ist deshalb klar: "Nicht jeder strotzt vor Selbstvertrauen." Doch das alleine darf für die schwachen Leistungen gegen Irland und Bosnien nicht als Begründung genügen. Schär: "Im Hinblick auf die EM muss einfach jeder zwei, drei Schippen drauflegen. Irgendetwas muss passieren. So haben wir an der EM nichts verloren."

Mit mehr Zuversicht blickt Lichtsteiner der EM im Juni entgegen. "Wir sind überhaupt nicht depressiv und haben keine Angst vor der EM." Zwei oder drei Spieler würden zudem zurückkommen, so Lichtsteiner. "Das bringt dann auch wieder mehr Qualität." Positiv stimme ihn, dass sie wieder mehr Chancen kreiert hätten. "Wir haben viele Aktionen gehabt, bei denen wir gut gespielt haben."

Nur kleine Fehler hätten den Unterschied ausgemacht zugunsten von Bosnien - wie beim und vor dem zweiten Gegentor. In Lichtsteiners Kurzform tönte das so: "Wir spielen auf ein Tor, haben eine grosse Chance, machen dann ein dummes Foul und Pjanic schiesst das 2:0, weil er einer der besten Freistossschützen von Europa ist."