Fussball
Schultz ist beim FC Wohlen der Mann für die Zukunft

Der FC Wohlen sicherte sich Mitte Dezember den Titel des Wintermeisters und liess die Champagnerkorken knallen – kurze Zeit später verpflichteten die Freiämter mit dem bald 32-jährigen Alain Schultz einen neuen Regisseur.

Ruedi Kuhn
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Alain Schultz (am Ball, im Vorbereitungsspiel gegen den FC Zürich) soll in Wohlen eine Leaderrolle übernehmen.

Alain Schultz (am Ball, im Vorbereitungsspiel gegen den FC Zürich) soll in Wohlen eine Leaderrolle übernehmen.

Raphael Biermayr

Da stellen sich zwangsläufig einige Fragen: Macht der Transfer zum jetzigen Zeitpunkt Sinn? Warum verpflichtet der FC Wohlen einen Führungsspieler, nachdem es in der ersten Saisonhälfte so gut gelaufen ist? Ist der Neue die gewünschte Verstärkung? Oder bringt er Unruhe ins Team? Akzeptieren die zuletzt so erfolgreichen Mitspieler plötzlich eine neue Leaderfigur? Klappt die Integration von Schultz auf und neben dem Spielfeld?

Man darf gespannt sein, ob der langsam, aber sicher in die Jahre kommende Schultz die Mannschaft weiterbringt oder nicht. Hat der beim FC Aarau aufs Abstellgleis Gestellte noch die Rasse und Klasse, um bei einem Spitzenklub der Challenge League eine dominante Rolle zu spielen? Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob er es draufhat. Obwohl ihm die Spielpraxis fehlt, machte er während der Vorbereitungszeit einen guten Eindruck. Vom Typ und von der Charakterstärke her ist Schultz für den FC Wohlen ein Gewinn. Der frühere Aarauer ist alles andere als ein Selbstdarsteller. Starallüren sind ihm fremd. Mehr noch. Schultz stellte im Verlauf seiner Karriere nie grosse Ansprüche. Er wird das auch bei seiner voraussichtlich letzten Profistation nicht tun. Im Gegenteil: Schultz ist schlicht und einfach ein lieber Kerl und sorgt mit seinen Faxen und Sprüchen erst noch für gute Stimmung.

Ein Beispiel dieser Faxen und Sprüche gefällig?

Vertrauen von Sforza

Schultz möchte nach der verpatzten Vorrunde im Brügglifeld wieder Spass am Fussball haben. Er will einfach nur spielen und jenes Vertrauen spüren, welches er zuletzt in Aarau von Trainer Sven Christ nicht mehr bekommen hat. Exakt dieses Vertrauen erhält er von Sforza. Der Erfolgstrainer gibt ihm nach eigener Aussage zwar keine Stammplatzgarantie, steht aber voll hinter ihm. Kann Schultz sein Leistungspotenzial abrufen, wird Sforza auf ihn setzen.

Bleibt die Frage, wie sich der Zuzug von Schultz auf die Mannschaft im Allgemeinen und auf den Konkurrenzkampf im Mittelfeld im Speziellen auswirken wird. Sforza will am 4-1-4-1-System der Vorrunde festhalten. Für die vier Plätze in der Aufbaureihe gibt es jede Menge Anwärter. Mergim Brahimi und Simone Rapp sind auf den Seiten fürs Erste gesetzt. Bleibt im Zentrum neben Schultz nur noch ein Platz. Wer spielt zum Rückrundenauftakt am Montag in Wil neben dem Routinier? Joel Geissmann scheint momentan die Poleposition innezuhaben. Aber was ist mit Ronny Minkwitz, Simon Grether und Claudio Holenstein? Und vor allem: Was ist mit dem feinen Techniker und torgefährlichen Samir Ramizi?

Schultz: Der Star zum Anfassen

Zurück zum Transfer von Alain Schultz, der beim FC Wohlen ein positives Echo ausgelöst hat. Schultz ist eine Identifikationsfigur. Die Verantwortlichen wissen genau, warum sie ihm einen Vertrag bis Ende Mai 2017 gegeben haben. Es ist sogar wahrscheinlich, dass er dem Klub nach der Aktivkarriere als Trainer oder Geschäftsführer erhalten bleiben wird. Schultz ist also eine Investition in die Zukunft. Die Fans lieben ihn, weil er durch und durch ein Wohler ist, in In-Beizen wie Zanzibar und Ibarus zu sehen ist und gerne mal ein Bierchen trinkt. Im Umfeld des FC Wohlen gibt es aber auch kritische Stimmen. Einige sind der Meinung, dass die Führung besser einen Mittelstürmer geholt hätte – und nicht einen Spieler, der ausgerechnet beim Erzrivalen Aarau ausser Rang und Traktanden gefallen ist.

Auch den Roger Federer hat er drauf.