Analyse

Schon wieder Unsicherheit und Tristesse: Die prekäre sportliche und finanzielle Situation bei GC

Wie weiter? Die Grasshoppers stehen kurz vor Beginn der Rückrunde vor einer ungewissen Zukunft.Keystone

Wie weiter? Die Grasshoppers stehen kurz vor Beginn der Rückrunde vor einer ungewissen Zukunft.Keystone

Der Schweizer Rekordmeister hat Probleme. Die Grasshoppers liegen vor dem Rückrundenstart auf Platz 8 der Tabelle - und nun steigt auch noch ein wichtiger Geldgeber aus. Eine Analyse.

Sollte GC nicht besser auf die Super League verzichten und sich in der Challenge League neu positionieren? In jener Spielklasse, in die es in Ermangelung an Führungskompetenzen und wegen der ständigen finanziellen Probleme auch hingehört. 

Solch ketzerische Gedanken gehen einem durch den Kopf angesichts der sich wiederholenden Schreckensmeldungen über die pekuniäre Lage des Rekordmeisters. Macht es Sinn, Jahr für Jahr ein strukturelles Defizit von acht bis zehn Millionen Franken mit letzter Kraft auszugleichen? Nur, um dafür in der Super League eine untergeordnete Rolle zu spielen? Einem Abstiegsplatz weit näher als der Chance, einmal um einen Champions-League-Platz kämpfen zu können. 

Erst zwei Monate ist es her, als der Sieg in der Stadionabstimmung die Grasshoppers euphorisiert und für eine Aufbruchstimmung gesorgt hat. Doch kurz vor dem Start in die Rückrunde ist diese schon wieder von Unsicherheit und Tristesse abgelöst worden. Mit der Rückgabe seines Aktienpakets an die beiden verbliebenen GC-Besitzer Stephan Anliker und Peter Stüber hat Heinz Spross für eine veränderte Situation an der Spitze des Vereins gesorgt. Die so bedrohlich erscheint, dass Kommentatoren bereits das Bild eines möglichen Konkurses skizzieren.

Anliker und Stüber müssen das Schiff über Wasser halten

Präsident Anliker, Stüber und Spross hatten sich vor einem Jahr bereit erklärt, in den kommenden drei Jahren neun Millionen Franken einzuschiessen. Dieses Geld soll aber bereits «verbrannt» sein, und weil Spross als Geldgeber wegfällt, müssen nun die beiden Verbliebenen das Schiff über Wasser halten. Was für Autohändler Stüber mit einem Vermögen von 700 bis 800 Millionen Franken kein Problem ist, für Anliker, im Moment auch noch Präsident des in der Swiss League spielenden Eishockeyklubs SC Langenthal, möglicherweise aber schon. Verschiedene Medien haben ein Fragezeichen hinter dessen Vermögensverhältnisse gesetzt. Nicht, dass der erfolgreiche Unternehmer aus dem Oberaargau kein Geld hätte. Ob es jedoch reicht, um die Hoppers zusammen mit Stüber in eine gesicherte Zukunft zu führen, muss bezweifelt werden. Zumal das neue Stadion mit den erwarteten Mehreinnahmen noch fern am Horizont steht und es deshalb jahrelang weitere Kraftakte braucht, um die Liquidität aufrechtzuerhalten. 

Kenner der Szene in und um Langenthal schliessen aus, dass Anliker finanziell in der Lage ist, das Aussteigen von Spross zu kompensieren. Dafür gibt es auch ein Indiz aus Eishockey-Kreisen. Weil in Langenthal im Herbst wichtige politische Entscheidungen und eine bedeutsame Abstimmung rund um das neue Eishockeystadion anstehen, müsste der SC Langenthal «rocken». Insider gehen jedoch vom Gegenteil aus. Davon, dass Hauptaktionär Anliker und der designierte neue Präsident Gian Kämpf eher einen Sparkurs einschlagen werden, als zu investieren. 

Bei GC rumort es nach einer kurzen Zeitspanne der Ruhe seit den Turbulenzen um den Abgang von Trainer Murat Yakin wieder gehörig. Trikotsponsor Reinhard Fromm nimmt im «Blick» kein Blatt vor den Mund und bezeichnet es als Trauerspiel, was bei GC abgeht. Deutlich geworden ist mehr und mehr, dass Anliker zu wenig straff führt und im operativen Bereich CEO Manuel Huber und Sportchef Mathias Walther nicht im Griff hat. Der Präsident lässt angesichts der finanziellen Verhältnisse bei GC viel zu hohe Löhne zahlen. Für Spieler, die nicht mehr können als jene des um elf Punkte besser dastehenden FC Thun, aber ungleich höhere Saläre beziehen.

Mit dem Heimspiel gegen den FC Basel beginnt am Sonntag für GC die Rückrunde. Auch unabhängig von den aktuellen finanziellen Fragen ist der Klassenerhalt unsicher. Schlusslicht Xamax liegt nur vier Punkte zurück und der Tabellenvorletzte muss in die Barrage. Für den Unternehmer Anliker wäre es aus Prestigegründen wie auch aus geschäftlicher Sicht ein Debakel, als Abstiegspräsident in die Geschichte einzugehen. Letztmals spielten die Hoppers in der Saison 1950/51 zweitklassig. 

Um den Gedanken zu Beginn noch einmal aufzunehmen: In der aktuellen Verfassung wäre der Klub wohl tatsächlich in der Challenge League besser aufgehoben. Er könnte dort zur Ruhe kommen.

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