Röthlisberger
Schiri-Debatte: Ist der Chip im Ball die Rettung?

Nach den Skandal-Entscheiden ist für den ehemaligen Fifa-Schiedsrichter Kurt Röthlisberger klar: Nur den Chip im Ball kann Schiedsrichter und die zu langsamen Linienrichter vor Fehlentscheidungen schützen.

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Kurt Röthlisberger

Kurt Röthlisberger

Aargauer Zeitung

Vasilije Mustur

Die Linienrichter an der Fussball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika sind nicht zu beneiden. Nach den letzten beiden Fehlentscheidungen im Spiel England gegen Deutschland und Argentinien gegen Mexiko am selben Abend, geraten auch die Schiedsrichter-Assistenten zunehmend unter Druck. Diese Kritik kann der ehemalige Weltklasse-Schiedsrichter Kurt Röthlisberger so nicht stehen lassen.

Technologie Funk entlastet Schiedsrichter

In der Vergangenheit bestand die Aufgabe der Linienrichter darin, Offside, Eckball und Einwürfe anzuzeigen. Heute hat der Assistent laut Röthlisberger ähnliche Kompetenzen wie der Schiedsrichter. Übersieht der Schiedsrichter eine Schlüsselszene oder kommt es zu einer Unsportlichkeit im Rücken des Unparteiischen, hat der Assistent die Möglichkeit, dies anzuzeigen und seinem Chef mitzuteilen. «Diese Kommunikation geschieht per Funk».

Röthlisberger selbst gehörte zu den ersten Schiedsrichtern, welche diese Technologie getestet haben. «Dieser Kommunikationskanal hat uns das Leben ungemein erleichtert». Ausserdem führte die Fifa zur Entlastung des Schiedsrichter-Gespanns den vierten Offiziellen ein. Dieser ist dazu da, Auswechslungen vorzunehmen, die Trainer in ihre Schranken zu weisen und Tätlichkeiten im Rücken des Unparteiischen zu ahnden. «Ohne den vierten Mann, wäre Zidane im Final 2006 gegen Italien nie vom Platz geflogen», ist Röthlisberger überzeugt.

Linienrichter sind zu langsam

Trotz dieser Hilfestellungen für Schieds- und Linienrichter zeigt die Weltmeisterschaft 2010 deutlich: Das Spiel ist in den Augen von Röthlisberger für die Unparteischen zu athletisch und zu schnell geworden. «Ich habe mir das neue Wembley-Tor der Engländer gegen Deutschland genau angesehen. Der Linienrichter ahnt, dass etwas passiert. Deshalb rennt er schon früh in Richtung Tor, doch bei der Schussabgabe ist der Assistent immer noch acht Meter von der Torlinie entfernt. So ist es schwierig, sicher auf Tor entscheiden zu können».

Für Röthlisberger haben solche Fehlentscheide enorme Auswirkungen auf den Fussball im Allgemeinen. «Deshalb muss die Fifa endlich seine Schiedsrichter besser schützen - das gilt auch für die Linienrichter.» Das ist laut Röthlisberger nur mit dem sogenannten Chip im Ball möglich. Die Torkamera hält Röthlisberger für die schlechtere Lösung. Wenn wir nach jedem Tor die Kamera konsultieren müssen, gibt es zu viele Unterbrüche».

Röthlisberger ist aber ein vehementer Gegner von zusätzlichen Linienrichtern. «Zu viele Köche verderben den Brei. Die Uefa hat zusätzliche Torrichter eingeführt. Damit stehen sechs Schiedsrichter auf dem Platz, die in den Vordergrund rücken und das ist nicht gut für den Fussball». Ausserdem: Wenn die Fans Verständnis dafür hätten, wenn Eren Derdiyok aus neun Metern Entfernung nicht in der Lage ist den Ball im Tor der Chilenen zu versenken, dann sollten die Fans den Linienrichtern auch einen Offside-Fehler verzeihen.

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