Challenge League
Samir Ramizi ist das Chamäleon der Niedermatten

Samir Ramizi spielt seit zwei Jahren für den FC Wohlen – und doch ist wenig über den Serben bekannt. Die «az» wagt einen Annäherungsversuch an einen scheuen Mann mit viel Talent.

Calvin Stettler
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Samir Ramizi (oben) zeigt auf dem Platz viel Lust zur Arbeit.

Samir Ramizi (oben) zeigt auf dem Platz viel Lust zur Arbeit.

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Wer Wohlens Trainer Martin Rueda während der Partien am Spielfeldrand beobachtet, der hört diesen einen Namen immer wieder: Samir. Manchmal sagt ihn Rueda einfühlsam, manchmal lobend, aber oftmals soll sein Appell nur eines bewirken: Stimulation. Dann nämlich – so der externe Ausdruck –, wenn die Aktionen von Samir Ramizi eigenbrötlerische Züge annehmen. Beim 24-Jährigen folgen sie meist nach kurz zuvor eingetretenen Erfolgen wie Toren oder Assists. Dann, wenn der Serbe auf dem Rasen das präsentiert, was zweifelsohne in ihm schlummert: Genialität.

Kein Zögern mehr

In Ramizi einen Eigenbrötler wiederzuerkennen, findet Martin Rueda aber falsch: «Samir sucht immer die beste Entscheidung, in seinen Situationen studiert er aber oftmals zu lange.» Ob in der Spielauslösung, vor dem Tor oder während einfacher Passstafetten: Beispiele der Zaghaftigkeit gibt es genug. Deshalb versucht Rueda, seinen Schützling mit den Zurufen immer wieder daran zu erinnern: handle, jetzt!

Gleich zum Rückrundenauftakt gegen Winterthur deutete der Serbe an, dass ein reaktionsschneller Samir Ramizi für den FC Wohlen im Kampf um den Klassenerhalt helfen kann. Sehr sogar. Auf der Schützenwiese wirbelte der 24-Jährige im Sturm an der Seite von Neuzugang Christian Ianu. Einen Treffer und einen Assist liess sich der Wohler nach diesem 4:1-Auswärtssieg auf dem Matchblatt notieren.

Ramizi kann sich entfalten

Klar, an einem Spiel lässt sich der Formzustand Ramizis noch nicht festhalten, die Ansätze stimmen aber positiv. «Es war ein guter Start», sagt der Spieler in der Nachbetrachtung. Das neue 4-4-2-System fände er ideal. Für ihn generiere diese Spielweise mehr Raum zur Entfaltung. Sturmpartner Christian Ianu gibt ihm mit seiner Erfahrung Sicherheit. Trainer Rueda skizziert: «Die beiden sollen sich ergänzen.» Verstehen würden sie sich jedenfalls gut.

Fest steht: Ramizi ist nicht mehr allein da vorne. Als sich Stürmer Nico Abegglen in der Hinrunde verletzte, sah sich Coach Rueda wegen Personalnöten gezwungen, nach einem Notstürmer im Kader zu fahnden. Die Schnelligkeit war ein Hauptargument für Ramizi, der Flügelspieler wurde umgeschult: plötzlich Mittelstürmer.

Sprachliche Hürden

17 Challenge-League-Einsätze, ein Tor, drei Assists. Die mässige Hinrunde vollendete das Bild von Samir Ramizi, dem Niedermatten-Chamäleon. Mal sichtbar, mal nicht. Unsichtbar ist Ramizi vor allem auch neben dem Platz. Über den Menschen unter dem Trikot mit der Nummer 20 ist wenig bekannt. Er scheut die Öffentlichkeit. Aus Angst, missverstanden zu werden.

Seine Bedenken äussert er auf Englisch, sein Deutsch-Vokabular ist nicht ausgeprägt.
«Die Sprache ist schon ein Problem, deshalb ist er in gewissen Situationen zurückhaltend», weiss Coach Rueda. Vor vier Jahren ist Ramizi aus Serbien in die Schweiz ausgewandert. Vor seinem Engagement im Freiamt spielte Ramizi in Genf bei Servette und für Etoile Carouge. «Samir ist kein Alleingänger, der nur auf sich schaut», stellt sein Chef klar, «er ist ein aufgestellter, freundlicher Typ.» Rueda attestiert Ramizi zudem viel Lust zum Arbeiten.

Auch Teamkollege Joël Geissmann berichtet Ähnliches: Ich erlebe ihn auf dem Platz als extrem ehrgeizigen Spieler mit viel Spielwitz. Neben dem Platz ist er ein guter Typ und ein Spassvogel.» Also kein Verschlossener, kein Phantom. Vielleicht scheint es atypisch, wie Samir Ramizi den Umgang mit der Öffentlichkeit handhabt. Wirklich von Belang ist aber nur, ob sich das Chamäleon heute im Spiel gegen Leader Lausanne blicken lässt.