U21-Europameisterschaft

Ryser: «Taktisch gehört Pierluigi Tami zu den besten seines Fachs»

Die Schweizer U21-Nationalmannschaft spielt heute Abend um den Finaleinzug. Der Weltmeistertrainer Daniel Ryser sagt im Interview, was die Schweizer Junioren so stark macht.

Die Schweizer U21-Nationalmannschaft steht in Dänemark nach einer überragenden Vorrunde in den Halbfinals. Dort trifft sie auf die tschechische Republik. Der Erfolg der Jugendauswahl hat die Schweiz dem Nachwuchskonzzept des Fussballverbandes zu verdanken.

Ein Trainer, der diese Strategie konsequent umsetzt, ist Daniel Ryser. Mit Erfolg: Er führte die U17-Nationalmannschaft 2009 in Nigeria zum Weltmeistertitel. Nun spricht der Fussballexperte im Interview mit der az aus dem fernen Mexiko, weshalb die U21-Nationalmannschaft so stark ist und sagt einen Finaleinzug des Teams von Trainer Pierluigi Tami voraus.

Herr Ryser, die U21-Nationalmannschaft steht an der Europameisterschaft in Dänemark im Halbfinal. Dafür müssen wir auch Ihnen danken. Schliesslich haben Sie das Fundament für diesen Erfolg gelegt.

Daniel Ryser: Es freut mich, dass eine Nationalmannschaft wieder eine Euphorie in der Schweiz entfachen konnte. Der Erfolg dieser Mannschaft hat nicht primär mit meiner Person zu tun. Es ist die Mannschaft von Pierluigi Tami. Dank seiner hervorragender Arbeit steht die U21 dort, wo sie jetzt ist - im Halbfinal. Neben Tami hat aber auch unsere konsequente Strategie im Jugendbereich zu diesem Erfolg beigetragen.

Jetzt sind Sie zu bescheiden. Das sind doch Ihre Jungs!

Ryser: Nein, Nein. Es sind ja nur vier Spieler aus der U17-Weltmeistermannschaft in Dänemark dabei.

Haben Sie noch Kontakt zu diesen Spielern?

Ryser: Ja, aber im Moment nicht. Ich bin in Mexiko an der U-17 WM und die Spieler in Dänemark. Aber ich habe Nassim Ben Khalifa nach seinem Wechsel in Nürnberg besucht. Einen guten Draht pflege ich auch zu Kasami. Darüber hinaus sehe ich Granit Xhaka, wenn die Meisterschaft in der Super League läuft.

Wie Granit Xhaka tritt die gesamte Mannschaft mit einem unglaublichen Selbstvertrauen auf. Das wäre vor zehn Jahren kaum möglich gewesen. Woher kommt diese Winnermentalität?

Ryser: Wir ernten die Früchte aus jahrelanger, harter Aufbauarbeit. Ausserdem haben die Titel aus der Vergangenheit eine Barriere durchbrochen und das ohnehin vorhandene Selbstvertrauen der Nachwuchsspieler noch verstärkt. Seit dem Europameisterschaftstitel 2002 und dem WM-Titel 2009 der U-17 Nationalmannschaft geht die Schweizer Auswahl mit dem Wissen auf dem Platz, mit jedem Gegner auf der Welt mithalten zu können.

In der Schweiz sind einige Experten der Meinung, dass dieses Selbstverständnis, dieses Selbstvertrauen mit dem Migrationshintergrund der Spieler zu tun hat. Was ist Ihre Meinung dazu?

Ryser: Die Schweizer haben die gleiche Winnermentalität wie diejenigen mit Migrationshintergrund. Allerdings hat der Fussball bei den eingebürgerten Fussballern einen ganz anderen Stellenwert. Das ganze Umfeld ist unglaublich stolz auf den Sohn oder Neffen, wenn dieser seinen Lebensunterhalt mit Fussball verdienen kann. Viel eindrücklicher ist jedoch, dass der Spieler auf dem steinigen Weg zum Profifussballer von der Familie und den Freunden bedingungslos unterstützt wird.

Ein weiterer Baustein des Erfolgs ist Trainer Pierluigi Tami. Was macht der Mann so gut?

Ryser: Er ist ein ruhiger und fachlich sehr guter Trainer. Taktisch gehört er zu den besten seines Fachs. Zudem gelingt es ihm, innerhalb der Mannschaft für eine ausgezeichnete Ambiance und Teamgeist zu sorgen. Mich überrascht es nicht, dass erneut ein stiller Arbeiter, der das Scheinwerferlicht meidet, mit einer Mannschaft erfolgreich ist.

Wie Sie. Wenn Ottmar Hitzfeld einmal nicht mehr Nationaltrainer ist, braucht sich die Schweiz um würdige Nachfolger keine Sorgen zu machen. Wir haben ja Sie und Pierluigi Tami. Wird einer von Ihnen eines Tages A-Nationaltrainer?

Ryser: Natürlich würden wir beide uns geehrt fühlen und selbstverständlich wäre es eine reizvolle Aufgabe. Aber: Ottmar Hitzfeld ist noch bis mindestens 2014 im Amt, weshalb das im Moment kein Thema ist. Zu gegebener Zeit entscheidet der Zentralvorstand, wer A-Nationaltrainer wird.

Zurück zur U-21 Nationalmannschaft: Viele der Helden von Dänemark wagten früh den Schritt ins Ausland und versauern nun auf der Ersatzbank oder auf der Tribüne. Nicht auszudenken, wie stark die Mannschaft wäre, wenn die Bankdrücker bei ihren Klubs regelmässig zum Einsatz gekommen wären.

Ryser: In der Tat. Unsere Philosophie in dieser Sache ist klar. Wir empfehlen den Spielern, sich zuerst in der heimischen Liga durchzusetzen und erst danach ins Ausland zu wechseln.

Ist das denn nachhaltiger?

Ryser: Ja. Ein Beispiel: Seit der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland haben 47 Spieler der A-Nationalmannschaft einen Transfer ins Ausland gemacht. Davon waren 43 in der Super League Stammspieler, bevor sie den Schritt ins Ausland wagten.

Es wird schwierig werden, diesen Trend aufrechtzuerhalten und die Spieler in der Schweiz zu halten. Bereits jetzt wird Shaqiri von Vereinen aus halb Europa gejagt...

Ryser:... Sind Sie sicher, dass halb Europa hinter Shaqiri her ist?

Wieso fragen Sie?

Ryser: Was von Beratern gestreut und von Medien geschrieben wird, hat oftmals einen bescheidenen Wahrheitsgehalt. Wenn mich die Erfahrung eines gelehrt hat, dann ist es diese Lektion! Erst wenn ein offizielles Angebot auf dem Tisch des FC Basel liegt, glaube ich an solche Dinge.

Noch eine letzte Frage: Was müssen wir morgen im Halbfinal von Tschechien erwarten?

Ryser: Das ist ein guter Jahrgang. Diese Tschechen dürfen wir nicht unterschätzen. Sie sind bedeutend stärker als die Weissrussen oder die Isländer. Es wird ein ausgeglichener Match.

Wer gewinnt?

Ryser: Obwohl die Tschechen stark sind, haben die Schweizer leichte Vorteile. Daher gehe ich von einem Finaleinzug der Schweiz aus.

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