Fussball-WM
Russland, Saudi-Arabien, Ägypten, Uruguay: Das müssen Sie über die Gruppe A wissen

Russland, Saudi-Arabien, Ägypten oder Uruguay – wer qualifiziert sich für die Achtelfinals? Wer ist der Cheftrainer? Und welche Spieler ragen aus dem Kollektiv heraus? Das müssen Sie vor dem Auftaktspiel der Gruppe A wissen.

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Gruppe A: Russland, Ägypten, Uruguay, Saudi-Arabien

Gruppe A: Russland, Ägypten, Uruguay, Saudi-Arabien

Keystone

Russland: Kein Höhenflug erkennbar

Nordwestschweiz

Trotz eines der tiefsten Fifa-Rankings aller 32 Mannschaften (Nummer 66 der Welt) erhofft sich die russische Öffentlichkeit von der Landesauswahl mehr als ein paar Ehrenmeldungen. Frust scheint aber dennoch programmiert.

Der Umbruch unter dem früheren Bundesliga-Profi Stanislaw Tschertschessow, als Goalie selber zweimal an einer WM engagiert, seit 2016 Chef der Nationalmannschaft, zeigte die Schwierigkeit des Vorhabens aber auf, mit den Besten mithalten zu können.

Seit der Verpflichtung des einst in Deutschland und Österreich spielenden Keepers hat Russland nur 5 von 18 Spielen gewonnen. Zu den Bezwingern gehörten in der ersten Phase unter Tschertschessow unter anderen Costa Rica oder Katar. Am Confederations Cup hinterliess die Sbornaja einen weitgehend hilflosen und ernüchternden Eindruck; seit Südkorea vor 17 Jahren war nie mehr ein Ausrichter früher gescheitert.

Waren die Russen mit ihrem spektakulären Halbfinal-Vorstoss an der EM 2008 in der Schweiz noch im Hoch, so blieben sie an den letzten drei grossen Turnieren seit 2012 weit hinter den Erwartungen zurück. Die junge, ausschliesslich im eigenen Land tätige Generation konnte den Beweis noch nicht einmal ansatzweise liefern, reif für Titel zu sein; der Einfluss der früheren U17-Europameister ist marginal.

Russland in Zahlen

- Gründung des Verbandes «Rossiyskiy Futbolnyy Soyuz»: 1912

- Fifa-Ranking (Mai 2018): 66

- WM-Teilnahmen (11): 1958, 1962, 1966, 1970, 1982, 1986, 1990 (bis dahin als Sowjetunion), 1994, 2002, 2014, 2018

- Bestes WM-Resultat: 4. (1966)

- Qualifikation: als Gastgeber gesetzt

- Bester Torschütze der Qualifikation: keiner

- Bilanz gegen die Schweiz: 12 Spiele, 8 Siege, 4 Unentschieden, 0 Niederlagen

Der Trainer: Stanislaw Tschertschessow – Held oder Buhmann?

Der buschige Schnauz war schon als Spieler das Markenzeichen von Stanislaw Tschertschessow. Diesen trägt der russische Nationaltrainer auch heute noch, während das Haar auf dem inzwischen kahlgeschoren Kopf lichter geworden ist. Der 54-jährige ehemalige Internationale, der Länderspiele für die Sowjetunion, die GUS und Russland bestritt, steht vor einer Herkulesaufgabe: Er muss verhindern, dass die WM für den Gastgeber zu einem sportlichen Fiasko wird. In Deutschland und Österreich kennt man Tschertschessow bestens, spielte der frühere Torhüter doch für Dynamo Dresden und für den FC Tirol Innsbruck, wo er 2002 unter Joachim Löw Meister wurde. Tschertschessows Palmarès als Trainer liest sich bescheiden. 2016 wurde er mit Legia Warschau polnischer Meister, ehe er im russischen Verband die Nachfolge von Leonid Sluzki antrat.

Stanislaw Tschertschessow (RUS), Russland. – Geboren am 2. September 1963 in Alagir. – Grösster Erfolg als Trainer: Polnischer Meister mit Legia Warschau 2016.

Uruguay: Mastermind und ein Weltklasse-Duo

Nordwestschweiz

Im Team von Uruguay gibt es mehrere herausragende Spielerpersönlichkeiten mit einem unschätzbar grossen internationalen Fundus.

Argentinien hat Lionel Messi, Brasilien aller Voraussicht nach Neymar jr. Und La Celeste lebt vom womöglich weltbesten Offensiv-Duo: Barcelonas Luis Suarez und Edinson Cavani von Paris St-Germain, die in 197 Länderspielen auf den phänomenalen Output von 92 Treffern kommen. In ihren Ligen sind beide magistrale Figuren, engagiert im Team des jeweiligen Meisters.

Der Mastermind hinter der Erfolgsgeschichte der letzten Dekade ist Oscar Tabarez. 71-jährig ist der charismatische Mann aus Montevideo, müde nicht einmal im Ansatz. Er hat bei seinem Amtsantritt einen Plan entworfen und fortwährend angepasst. Sein Standing erreicht inzwischen Höchstwerte.

Dabei verlief der Auftakt eher zähflüssig. 2006 veranstaltete Tabarez in New York nach der verpassten WM-Endrunde ein Camp. Ein paar Kandidaten der damaligen Elf befanden es nicht einmal für nötig, die Anfrage des Nationalcoachs zu beantworten. Die Passivität liess sich der Doyen nicht bieten. Er forderte unverzüglich ein flächendeckendes Commitment zur Nationalmannschaft.

Sein Appell verhallte nicht, Uruguay stieg in Südamerika in den Kreis der Schwergewichte auf und rückte in der Folge bei den nächsten zwei Endrunden zweimal positiv in den Vordergrund. 2014 schalteten die Urus mit England und Italien gleich zwei der prominentesten europäischen Vertreter aus.

Uruguay in Zahlen

- Gründung Verbandes «Asociación Uruguaya de Fútbol»: 1900

- FIFA-Ranking (Mai 2018): 17

- WM-Teilnahmen (13): 1930, 1950, 1954, 1962, 1966, 1970, 1974, 1986, 1990, 2002, 2010, 2014, 2018

- Bestes WM-Resultat: zweifacher Weltmeister (1930, 1950)

- Qualifikation: Zweiter in der CONMEBOL-Gruppe

- Bester Torschütze der Qualifikation: Edinson Cavani (10)

- Bilanz gegen die Schweiz: 4 Spiele, 3 Siege, 1 Unentschieden

Der Trainer: Oscar Tabarez – Der Rekordhalter

Oscar Tabarez übernahm die Nationalmannschaft Uruguays 2006 zum zweiten Mal und führte den Weltmeister von 1930 und 1950 innert vier Jahren zurück an die Weltspitze. In Südafrika 2010 schaffte die «Celeste» erstmals seit 40 Jahren wieder den Sprung in die Top 4 an einer WM-Endrunde, ein Jahr später gewann Uruguay in Argentinien die Copa America. An der WM 2014 scheiterten die Südamerikaner ebenso in den Achtelfinals wie 1990 in Italien, als Tabarez die Nationalmannschaft seines Heimatlandes erstmals an eine WM-Endrunde geführt hatte. Tabarez hält den Rekord für die meisten Länderspiele als Nationaltrainer eines Landes. Seinen grössten Erfolg als Klubtrainer feierte der ausgebildete Lehrer 1987 mit Penarol Montevideo und dem Gewinn der Copa Libertadores. Weniger Erfolg war Tabarez in Europa beschieden, wo er in den Neunzigerjahren Cagliari, Milan und Oviedo trainierte.

Oscar Washington Tabarez (URU), Uruguay. – Geboren am 3. März 1947 in Montevideo. – Grösste Erfolge als Trainer: WM-Vierter 2010 mit Uruguay, Gewinn der Copa America 2011 mit Uruguay, Gewinn der Copa Libertadores 1987 mit Penarol Montevideo.

Ägypten: Superstar Mo Salah

Nordwestschweiz

Der Liverpooler Weltklasse-Angreifer Mohamed Salah macht Ägypten um eine Klasse besser und spürbar gefährlicher, sofern er seine Bänderverletzung im Schulterbereich rechtzeitig auskurieren kann.

Der Afrika-Cup-Rekordsieger taucht 28 Jahre nach der WM-Gruppenphase in Italien wieder auf der grössten globalen Fussball-Bühne auf. Im Zusammenhang mit diesem Erfolg ist Mohamed Salah zu thematisieren. Der 25-jährige Ex-Basler hat sich zu einem der weltbesten Offensiv-Spieler entwickelt. Über 42 Millionen Euro legte der Champions-League-Finalist FC Liverpool im Sommer 2017 für ihn aus – der Return on Invest ist beeindruckend. Salah stürmte die Charts in England, der Topskorer der Premier League schoss in sämtlichen Wettbewerben über 40 Treffer; keiner in der Klubgeschichte der «Reds» brillierte in der Debüt-Saison mehr als die Ausnahmefigur.

Auf dem Rasen ist Afrikas Fussballer des Jahres 2017 für alle entscheidenden Aktionen zuständig und zieht das Hauptinteresse auf sich. Neben dem Feld ist Hector Cuper (62) der einflussreichste Faktor. Der Argentinier bringt eine Unmenge internationaler Erfahrung in das Projekt ein. Er hat in der Vergangenheit an grossen Adressen schöne Ergebnisse erreicht. Valencia beispielsweise coachte der Gaucho nach der Jahrtausendwende zweimal in den Champions-League-Final.

Ägypten in Zahlen

- Gründung des Verbandes «Egyptian Football Association»: 1921

- Fifa-Ranking (Mai 2017): 46

- WM-Teilnahmen (3): 1934, 1990, 2018

- Bestes WM-Resultat: 13

- Qualifikation: Sieger der Gruppe E, 3. Runde in der CAF-Konföderation

- Bester Torschütze der Qualifikation: Mohamed Salah (5)

- Bilanz gegen die Schweiz: 1 Niederlage

Der Trainer: Hector Cuper – Aus der Versenkung verschwunden

Um die Jahrtausendwende war Hector Cuper einer der am höchsten gehandelten Trainer in Europa. Der frühere Innenverteidiger führte Valencia zweimal in Folge in den Champions-League-Final, zog dabei gegen Real Madrid (0:3) und Bayern München (im Penaltyschiessen) aber jeweils den Kürzeren. Danach wechselte er nach Italien, wo er mit Inter Mailand den Scudetto knapp verpasste. Mit seiner Entlassung im Herbst 2003 begann der langsame Abstieg von der ganz grossen Fussball-Bühne, auf die er mit Ägypten nun wieder zurückkehrt. 2015 übernahm Cuper die Mannschaft um Superstar Mohamed Salah, führte sie 2017 in den Final des Afrika Cups und erstmals seit 1990 wieder an eine WM.

Hector Cuper (ARG), Ägypten. – Geboren am 16. November 1955 in Chabas (ARG). – Grösste Erfolge als Trainer: Champions-League-Finalist mit Valencia 2000 und 2001. WM-Qualifikation mit Ägypten 2017.

Saudi-Arabien: Nervöses Umfeld

Nordwestschweiz

Saudi-Arabien ist für Klub- und Nationalcoaches ein schwieriges Pflaster. Fünf Trainerrochaden im vergangenen WM-Zyklus sind ein Beleg für die überdurchschnittlich grosse Nervosität.

Christian Gross, mittlerweile beim ägyptischen Klub Zamalek engagiert, nach wie vor bekannt als Kopf des Basler Aufschwungs, ist während knapp drei Jahren tief in die komplett andere (Fussball-)Welt am Persischen Golf eingetaucht. In Dschidda betreute er bis im Juni 2017 den Klub Al-Ahli. In einem Kulturkreis, der von religiösen Begebenheiten bestimmt wird, ist bei westlichen Protagonisten Einfühlungsvermögen gefragt und die Anpassungsfähigkeit eine Grundvoraussetzung. Nur zwei Nationalspieler sind ausserhalb der Golfregion engagiert – Yahya Al-Sheri (Leganés) und Salem Al-Dawsari (Villarreal). Sie aber gehörten in der spanischen Liga während der Rückrunde nicht zum Profi-Kader.

Die Erfahrungen von Gross machte auch Bert van Marwijk. Der frühere Dortmunder Coach stabilisierte das Nationalteam, das ausschliesslich Spieler aus der eigenen Liga rekrutiert, und verlor bei einem Torverhältnis von 45:14 nur 3 von 18 Ausscheidungsspielen. Den Posten des Trainers verliess er wegen gescheiterter Vertragsgespräche gleichwohl; sein Nachfolger, der Argentinier Edgardo Bauza, wurde nach knapp fünfwöchigem Engagement entlassen. Im saudischen Fussball-Hauptquartier in Riad senkten sie nach drei Niederlagen den Daumen. Inzwischen sitzt der frühere Barça-Stürmer Juan Antonio Pizzi auf dem saudischen Schleudersitz.

Saudi-Aarabien in Zahlen

- Gründung des Verbandes «Saudi Arabian Football Federation»: 1956

- Fifa-Ranking (Mai 2018): 70

- WM-Teilnahmen (5): 1994, 1998, 2002, 2006, 2018

- Bestes WM-Resultat: Achtelfinal (12.)

- Qualifikation: Zweiter der Gruppe 2, 3. Runde in der AFC-Konföderation

- Bester Torschütze der Qualifikation: Mohammed al-Sahlawi (16)

- Bilanz gegen die Schweiz: kein Spiel bisher

Der Trainer: Juan Antonio Pizzi – Gescheitert und doch dabei

Die besten Jahre seiner Karriere als Spieler verbrachte der gebürtige Argentinier Juan Antonio Pizzi in Spanien, wo er mit dem FC Barcelona 1997 den Cup der Cupsieger und 1998 den Meistertitel gewann. Für seine Wahlheimat Spanien nahm er an der EM 1996 und an der WM 1998 teil. Den Grossteil seiner Trainerkarriere verbrachte der frühere Stürmer in Lateinamerika. Mit der Nationalmannschaft Chiles gewann er die Copa America Centenario 2016, scheiterte mit ihr aber in der Qualifikation für Russland. Im Gegensatz zu Vidal und Co. wird Pizzi an der WM aber teilnehmen – als Trainer Saudi-Arabiens.

Juan Antonio Pizzi (ESP/ARG), Saudi-Arabien. – Geboren am 7. Juni 1968 in Santa Fe (ARG). – Grösster Erfolg als Trainer: 2016 Sieger der Copa America mit Chile.