Russland: Kein Höhenflug erkennbar

Trotz eines der tiefsten Fifa-Rankings aller 32 Mannschaften (Nummer 66 der Welt) erhofft sich die russische Öffentlichkeit von der Landesauswahl mehr als ein paar Ehrenmeldungen. Frust scheint aber dennoch programmiert.

Der Umbruch unter dem früheren Bundesliga-Profi Stanislaw Tschertschessow, als Goalie selber zweimal an einer WM engagiert, seit 2016 Chef der Nationalmannschaft, zeigte die Schwierigkeit des Vorhabens aber auf, mit den Besten mithalten zu können.

Seit der Verpflichtung des einst in Deutschland und Österreich spielenden Keepers hat Russland nur 5 von 18 Spielen gewonnen. Zu den Bezwingern gehörten in der ersten Phase unter Tschertschessow unter anderen Costa Rica oder Katar. Am Confederations Cup hinterliess die Sbornaja einen weitgehend hilflosen und ernüchternden Eindruck; seit Südkorea vor 17 Jahren war nie mehr ein Ausrichter früher gescheitert.

Waren die Russen mit ihrem spektakulären Halbfinal-Vorstoss an der EM 2008 in der Schweiz noch im Hoch, so blieben sie an den letzten drei grossen Turnieren seit 2012 weit hinter den Erwartungen zurück. Die junge, ausschliesslich im eigenen Land tätige Generation konnte den Beweis noch nicht einmal ansatzweise liefern, reif für Titel zu sein; der Einfluss der früheren U17-Europameister ist marginal.

Uruguay: Mastermind und ein Weltklasse-Duo

Im Team von Uruguay gibt es mehrere herausragende Spielerpersönlichkeiten mit einem unschätzbar grossen internationalen Fundus.

Argentinien hat Lionel Messi, Brasilien aller Voraussicht nach Neymar jr. Und La Celeste lebt vom womöglich weltbesten Offensiv-Duo: Barcelonas Luis Suarez und Edinson Cavani von Paris St-Germain, die in 197 Länderspielen auf den phänomenalen Output von 92 Treffern kommen. In ihren Ligen sind beide magistrale Figuren, engagiert im Team des jeweiligen Meisters.

Der Mastermind hinter der Erfolgsgeschichte der letzten Dekade ist Oscar Tabarez. 71-jährig ist der charismatische Mann aus Montevideo, müde nicht einmal im Ansatz. Er hat bei seinem Amtsantritt einen Plan entworfen und fortwährend angepasst. Sein Standing erreicht inzwischen Höchstwerte.

Dabei verlief der Auftakt eher zähflüssig. 2006 veranstaltete Tabarez in New York nach der verpassten WM-Endrunde ein Camp. Ein paar Kandidaten der damaligen Elf befanden es nicht einmal für nötig, die Anfrage des Nationalcoachs zu beantworten. Die Passivität liess sich der Doyen nicht bieten. Er forderte unverzüglich ein flächendeckendes Commitment zur Nationalmannschaft.

Sein Appell verhallte nicht, Uruguay stieg in Südamerika in den Kreis der Schwergewichte auf und rückte in der Folge bei den nächsten zwei Endrunden zweimal positiv in den Vordergrund. 2014 schalteten die Urus mit England und Italien gleich zwei der prominentesten europäischen Vertreter aus.

Ägypten: Superstar Mo Salah

Der Liverpooler Weltklasse-Angreifer Mohamed Salah macht Ägypten um eine Klasse besser und spürbar gefährlicher, sofern er seine Bänderverletzung im Schulterbereich rechtzeitig auskurieren kann.

Der Afrika-Cup-Rekordsieger taucht 28 Jahre nach der WM-Gruppenphase in Italien wieder auf der grössten globalen Fussball-Bühne auf. Im Zusammenhang mit diesem Erfolg ist Mohamed Salah zu thematisieren. Der 25-jährige Ex-Basler hat sich zu einem der weltbesten Offensiv-Spieler entwickelt. Über 42 Millionen Euro legte der Champions-League-Finalist FC Liverpool im Sommer 2017 für ihn aus – der Return on Invest ist beeindruckend. Salah stürmte die Charts in England, der Topskorer der Premier League schoss in sämtlichen Wettbewerben über 40 Treffer; keiner in der Klubgeschichte der «Reds» brillierte in der Debüt-Saison mehr als die Ausnahmefigur.

Auf dem Rasen ist Afrikas Fussballer des Jahres 2017 für alle entscheidenden Aktionen zuständig und zieht das Hauptinteresse auf sich. Neben dem Feld ist Hector Cuper (62) der einflussreichste Faktor. Der Argentinier bringt eine Unmenge internationaler Erfahrung in das Projekt ein. Er hat in der Vergangenheit an grossen Adressen schöne Ergebnisse erreicht. Valencia beispielsweise coachte der Gaucho nach der Jahrtausendwende zweimal in den Champions-League-Final.

Saudi-Arabien: Nervöses Umfeld

Saudi-Arabien ist für Klub- und Nationalcoaches ein schwieriges Pflaster. Fünf Trainerrochaden im vergangenen WM-Zyklus sind ein Beleg für die überdurchschnittlich grosse Nervosität.

Christian Gross, mittlerweile beim ägyptischen Klub Zamalek engagiert, nach wie vor bekannt als Kopf des Basler Aufschwungs, ist während knapp drei Jahren tief in die komplett andere (Fussball-)Welt am Persischen Golf eingetaucht. In Dschidda betreute er bis im Juni 2017 den Klub Al-Ahli. In einem Kulturkreis, der von religiösen Begebenheiten bestimmt wird, ist bei westlichen Protagonisten Einfühlungsvermögen gefragt und die Anpassungsfähigkeit eine Grundvoraussetzung. Nur zwei Nationalspieler sind ausserhalb der Golfregion engagiert – Yahya Al-Sheri (Leganés) und Salem Al-Dawsari (Villarreal). Sie aber gehörten in der spanischen Liga während der Rückrunde nicht zum Profi-Kader.

Die Erfahrungen von Gross machte auch Bert van Marwijk. Der frühere Dortmunder Coach stabilisierte das Nationalteam, das ausschliesslich Spieler aus der eigenen Liga rekrutiert, und verlor bei einem Torverhältnis von 45:14 nur 3 von 18 Ausscheidungsspielen. Den Posten des Trainers verliess er wegen gescheiterter Vertragsgespräche gleichwohl; sein Nachfolger, der Argentinier Edgardo Bauza, wurde nach knapp fünfwöchigem Engagement entlassen. Im saudischen Fussball-Hauptquartier in Riad senkten sie nach drei Niederlagen den Daumen. Inzwischen sitzt der frühere Barça-Stürmer Juan Antonio Pizzi auf dem saudischen Schleudersitz.