Paco wer? Nicht viele in Fussball-Deutschland haben Ende August geahnt, was für ein dicker Fisch dem BVB kurz vor Transferschluss ins Netz gegangen ist. Sie dachten vielleicht, dass einer, der zwei Jahre beim FC Barcelona gewesen ist, nicht schlecht sein kann. Vermuteten andererseits aber, dass keine Granate ist, wer fast immer auf der Ersatzbank sass.

Zweieinhalb Monate später ist Paco Alcácer jedoch der grosse Hoffnungsträger von Tabellenführer Borussia Dortmund, wenn dieser am Samstag den drittklassierten FC Bayern München empfängt und diesen in der 11. Runde auf sieben Punkte distanzieren kann. Alcácer hat geschafft, was in der Geschichte noch keinem gelungen ist: in den ersten 109 Einsatzminuten in der Bundesliga sieben Tore zu erzielen. Sechs davon als Joker. Um gleich auch noch das Comeback in der spanischen Nationalmannschaft nach mehr als zweijähriger Absenz mit drei Toren in zwei Spielen zu würzen.

Der FC Basel kennt ihn schon länger

Aus dem «Paco wer?» ist längst ein «Pacogol» geworden, ein Knipser, der die Borussia verzaubert und viele verblüfft. Beim FC Basel allerdings wissen sie schon lange, was dieser Mann draufhat. Mit Schaudern erinnern sie sich daran, wie er ihnen im April 2014 beim 0:5 in Valencia drei Europa-League-Eier ins Nest gelegt hat.

Alcácer ist zwar nur 1,76 Meter gross und dennoch kopfballstark. Ein mitspielender Mittelstürmer, und gleichwohl ein echter Mittelstürmer. «Er hat einen unfassbaren Blick für Räume, in die er stossen kann», sagt Sportdirektor Michael Zorc. Trainer Lucien Favre lobt: «Ein sehr, sehr, sehr guter Transfer.» Goalie Roman Bürki sagt: «Er steht dort, wo ein Torjäger stehen muss.»

Alcácer ist für zwei Millionen Euro bis zum Ende der Saison ausgeliehen und verdient vier Millionen. Der BVB hat die Option, ihn für 23 Millionen Euro definitiv zu übernehmen. Er hat mit dem Spieler bereits einen Vertrag bis 2023 ausgehandelt, das Salär soll dann fünf Millionen Euro betragen.

Tore für den Vater

Wenn Alcácer ein Tor bejubelt und himmelwärts blickt, wissen die Zuschauer mittlerweile, dass er dann an seinen Vater denkt. An die Tragödie, als dieser beim Verlassen des Mestalla-Stadions an einem Herzinfarkt starb. Ausgerechnet nach dem Spiel, in dem sein Sohn Paco sein Debüt für den FC Valencia gegeben hatte.

Heute dürfte er mit Spannung von oben zuschauen, ob sein Filius selbst gegen den Serienmeister aus München Wundersames vollbringt. Ob er in der Bundesliga weiter trifft, wie er will, oder von den Münchnern abgemeldet wird, wie am Dienstag in der Champions League von Atlético Madrid, als er kein einziges Mal aufs Tor schoss.

Lewandowski wartet oft vergeblich

Was sich von Robert Lewandowski nicht sagen lässt. Beim 2:0 der Bayern gegen AEK Athen war er in einer mittelmässigen Mannschaft der Beste und schoss beide Tore. Friede, Freude, Eierkuchen herrscht deswegen allerdings noch lange nicht. Die Bayern tun sich schwer, haben kein Tempo im Spiel, und vorne wartet Lewandowski oft genug vergeblich auf Vorlagen.
Der 30-Jährige, der auf Anraten seiner Frau, einer Ernährungsberaterin, seine Mahlzeiten zwecks besserer Fettverbrennung in umgekehrter Reihenfolge einnimmt, der also mit dem Dessert beginnt, ist bereits drei Mal Torschützenkönig gewesen, einmal auch als Dortmunder. Insgesamt hat er in 266 Ligaspielen 185 Mal getroffen.

Doch in den vergangenen Monaten war seine Laune oft schlecht. Die miserable WM mit Polen machte ihm zu schaffen wie auch das Nein des FC Bayern, als er mit einem Transfer zu Real Madrid kokettierte. Doch bei einem Jahreslohn von 15 Millionen Euro lässt es sich auch in München-Bogenhausen aushalten.