WM14
Robben in der Form seines Lebens: «Ich weiss auch nicht, wie so etwas geht»

Arjen Robben will seine Klasse heute auch gegen Australien bestätigen - das könnte ihm sehr wohl gelingen: Er befindet sich in einem ausserordentlichen Formhoch. Der 30-Jährige war wohl noch nie so gut in seiner gesamten Karriere.

Markus Brütsch, Porto Alegre
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Arjen Robben spielte die Spanier schwindlig.

Arjen Robben spielte die Spanier schwindlig.

Keystone

Der Holländer Arjen Robben ist der aufregendste Spieler der ersten WM-Woche. Seine Vorstellung beim triumphalen 5:1 gegen Spanien hat die Leute von den Sitzen gerissen und den Weltmeister aus dem Sattel gehoben.

Robben hat so gut gespielt, dass er hinterher sagen musste: «Ich weiss auch nicht, wie so etwas geht. Dafür eine passende Antwort zu finden, ist schwierig.» Nicht für Coach Louis van Gaal: «Ich kenne Arjen schon seit seiner Jugend. Schon früh habe ich in ihm einen der besten Flügelstürmer der Welt gesehen.»

Vielleicht ist die Erklärung für die grossartige Form des 30-Jährigen auch eine simple. Endlich einmal hat er eine lange Phase ohne Verletzungen hinter sich.» Es gab eigentlich nur den Unfall mit Hitz in Augsburg, sonst konnte ich durchspielen.» Wäre Robben in seiner Karriere nicht so oft verletzt gewesen, wer weiss, in welche Sphären ihn sein Talent geführt hätte. «Mein Stil ähnelt jenen von Messi und Cristiano Ronaldo – aber halt, das sind die beiden Besten der Welt. Da kann ich noch viel lernen», hat er einmal gesagt.

Robben kennt aber noch einen weiteren Grund, für sein Hoch. «Pep Guardiola hat mir bei Bayern zu einem neuen Schub verholfen. Dank seinen Ideen habe ich noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Wie er über Fussball denkt, das gefällt mir.»

Seine Laufbahn hatte in der Jugend von Bedum begonnen, mit zwölf war er dann zu Groningen gegangen und hatte als Sechzehnjähriger in der Eredivisie debütiert. In seiner ersten Saison wurde er dann gleich zum besten Spieler seines Vereins gewählt.

Ajax Amsterdam schien sich die Dienste des Talents gesichert zu haben, als dieses einen Rückzieher machte. Weil Ajax im Übertrittsformular Robbens Name falsch geschrieben hatte, entschied dessen Vater, unter diesen Umständen nicht nach Amsterdam zu wechseln.

So erhielt die PSV Eindhoven den Zuschlag und eine grosse Karriere nahm ihren Lauf.

Für 28 Millionen Euro wechselte er zu Chelsea, verpasste aber in drei Jahren wegen Verletzungen ein Drittel aller Spiele. Wenn er aber auflaufen konnte, dann spielte er so gut, dass Real Madrid im Sommer 2007 bereit war, 52 Millionen Euro für den Sprinter zu zahlen. Nach zwei gewonnenen Meistertiteln mit Chelsea ging das Verletzungspech aber auch in Madrid weiter. Neunmal war Robben in seinen beiden Jahren im Bernabeu ausser Gefecht, und weil Real nach den Käufen von Cristiano Ronaldo und Kaka Geld brauchte, musste Robben gehen. Bayern München ging das Risiko ein, zahlte 35 Millionen – und brauchte nichts zu bereuen.

Noch nie hat die Welt einen solch guten Robben gesehen. Immer wendet er denselben Trick an, und meistens klappt es doch: Der Linksfuss kommt am rechten Flügel an den Ball, sprintet, zieht irgendwann in die Mitte und sucht den Abschluss. «Ich will immer Richtung Tor, unbedingt. Kompromisse kann es keine geben», sagt Robben.

Jetzt soll Australien seine Klasse zu spüren bekommen. «Wir wollen hier mehr erreichen, als nur Spanien schlagen», sagt Robben.

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