Fussball
Rio, wir kommen: Jetzt entsenden wir ein Team mit grossem Gepäck nach Brasilien!

Die Schweiz kann an der WM in Brasilien das Überraschungsteam werden. Das glauben nicht nur Fans, sondern auch die Spieler selber. 17 Monate ohne Niederlage, das verpflichtet. Eine Analyse über die kommende Spielzeit von az-Sportchef François Schmid.

François Schmid-Bechtel
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Auf gehts nach Brasilien

Auf gehts nach Brasilien

Keystone

«Wir können an der WM in Brasilien das Überraschungsteam werden.» Unisono glauben die Schweizer Spieler daran, im kommenden Sommer Grosses zu erreichen.

17 Monate ohne Niederlage, mit Siegen gegen Brasilien und Deutschland, haben zu Recht das Selbstverständnis dieser Mannschaft gestärkt.

Doch die Latte «Überraschungsmannschaft» liegt hoch. Uruguay scheiterte an der letzten WM erst im Halbfinal an Holland. Auch für Südkorea bedeutete 2002 erst der Halbfinal (0:1 gegen Deutschland) Endstation. Und Kroatien belegte 1998 den heroischen dritten Platz.

Die aufregendsten Emporkömmlinge Europas kommen aus Belgien. Gleich dahinter positioniert sich die Schweiz.

2006 feierten wir schon den Einzug in die Achtelfinals mit Überschwang. 2010 vernebelte uns der 1:0-Startsieg gegen Spanien die Sinne.

Was folgte war ein übler Kater. Aber jetzt entsenden wir ein Team mit grossem Gepäck nach Brasilien. Eine Mannschaft, die im Sinn hat, sich länger als nur für drei, vier Spiele in Südamerika zu installieren; die mehr im Sinn hat, als nur einen Achtungserfolg zu erzielen.

WM-Quali: Die Schweiz schlägt auswärts Albanien mit 2:1 und sichert sich das WM-Ticket nach Brasilien
23 Bilder
Shaqiri trifft zum 1:0
Shaqiri schiesst die Schweiz in Front
Shaqiri wird immer wieder hart attackiert.
Benaglio zeigte ein paar Unsicherheiten, aber sonst konstant
Shaqiri kämpft und rackert
Seferovic läuft viel
Shaqiri kommt zum Abschluss - hier ohne Torerfolg
Captain Gökhan Inler
Hexenkessel Qemal-Stafa-Stadion
Die Schweizer Nati im Abschlusstraining in Tirana
Spielchen während des Trainings dürfen nicht fehlen - die Stimmung im Team ist gut

WM-Quali: Die Schweiz schlägt auswärts Albanien mit 2:1 und sichert sich das WM-Ticket nach Brasilien

Keystone

Kurz: Es ist die talentierteste Mannschaft, welche die Schweiz je an einer Endrunde vertreten hat.

Aber reicht dieses Talent auch, um die hochgesteckten Ziele zu erreichen? Ja.

Denn diese Mannschaft ist aufregend wie eine Erdumrundung im Heissluftballon. Mal ist sie kühl berechnend wie beim 2:0-Sieg in Norwegen. Mal stürmisch wie beim 4:4 gegen Island. Mal dominant wie beim 2:0 in Slowenien. Mal rätselhaft wie beim 0:0 auf Zypern. Oder zynisch wie beim 1:0 gegen Zypern.

Es ist eine Mannschaft mit vielen Gesichtern, was sie für die Gegner nicht berechenbarer macht. Aber es ist vor allem eine Mannschaft, die eine perfekte Altersstruktur aufweist und viele Spieler noch in einer Entwicklungsphase stecken, deren Resultate allein schon aufsehenerregend sind.

Dank der guten Nachwuchsarbeit hat die Schweiz im Unterschied zu früheren Nationalteams auch punkto Kaderbreite internationalen Standard erreicht. Die Zeiten, als ein Stürmer vom Format eines Milaim Rama in einem Endrunden-Kader (2004) stand, sind passé.

Nebenbei spielt es heute auch keine grosse Rolle mehr, wenn drei, vier Stammspieler ausfallen sollten. Das Reservoir an Alternativen ist gross genug, um personelle Brandherde zu bekämpfen.

Ottmar Hitzfeld ist der Mann, der die Schweiz zum zweiten Mal in Serie an die WM geführt hat. Das allein wird es ihm wohl ermöglichen, seine Arbeit über die WM 2014 hinaus fortzusetzen.

Hitzfeld hat quasi eine Carte blanche für eine Vertragsverlängerung - wenn er denn will.

Aber ist es richtig, den Vertrag vorzeitig zu verlängern? Schliesslich fehlten in der Qualifikation Referenzwerte von hohem Niveau.

Trotzdem: Hitzfeld kann man vielleicht ankreiden, den Umbruch etwas zögerlich vorgenommen zu haben.

Aber wie er diesen umgesetzt hat, ist bemerkenswert. Der zuweilen spröde wirkende Mittsechziger hat sich der Multi-Kulti-Truppe subtil angenähert, ohne sich dabei zu verleugnen.

Er ist jünger, energischer und dynamischer geworden. Oder: Er ist ein noch besserer Trainer geworden.