Champions League
Rettet Marco Streller den FC Basel heute Abend vor dem Aus?

Basels Stürmerstar Alex Frei ill heute in Cluj trotz 1:2-Hypothek aus dem Hinspiel in die Champions League einziehen. Er hat das Drehbuch zum Erfolg im Kopf. Und hofft auf die Künste der Physiotherapeuten. Diese sollen Marco Streller fit kriegen.

Sebastian Wendel, Cluj
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Als einer der Ersten erscheint Alex Frei am Gate 32 des Euro-Airport Basel. Es ist morgens um halb neun, eine halbe Stunde vor dem Abflug nach Rumänien. Der von seiner Beckenprellung wieder genesene Stürmer geht voran, seine Kollegen tröpfeln nach und nach ein und huschen hinter dem 33-Jährigen ins Flugzeug. Frei hingegen bleibt – so scheint es – unaufgefordert bei den Journalisten stehen, als wolle er unbedingt etwas sagen. Er wirkt entspannt, seine Stimme ist ruhig.

Ganz anders am Samstag, als er nach der 1:2-Niederlage in St. Gallen wutentbrannt im Stadioninneren erschienen war und in grosser Lautstärke die Worte «Jetzt ist fertig, hier muss sich einiges ändern» von sich gab und sich danach in der Kabine mit einer Rede an die Mannschaft richtete.

Keine Krise beim FCB

Frei relativiert den Vorfall. «Mir, mit meiner grossen Erfahrung, muss es erlaubt sein, ab und zu Stimmung zu machen», sagt er, «das kommt ein Mal pro Halbjahr vor, was reichen muss.» Er habe gemerkt, dass die Mannschaft Gefahr laufe, in eine Negativspirale zu geraten.

Eine Krise, davon sei der FCB nach zwei Niederlagen in Folge aber noch weit entfernt. «Wir spielen ja nicht schlecht, haben Chancen und schiessen Tore.» Es liegt jetzt an den Erfahrenen, also an ihm und Captain Marco Streller, das Team wieder auf die Erfolgsspur zu führen. «Das Selbstvertrauen spüreich. Alle glauben daran, den 1:2-Rückstand noch drehen zu können.»

Freis wohl letzte Chance

Alex Frei ergreift die Initiative. Denkbar, dass dabei auch Eigennutz mitschwingt. Denn für den ältesten Spieler im FCB-Kader ist das heutige Spiel in Cluj womöglich die letzte Chance, sich noch einmal für die Gruppenphase der Königsklasse zu qualifizieren. Sich noch einmal auf höchstem Niveau und in einem riesigen Schaufenster zu zeigen.

In den letzten zwei Saisons, notabene seine zwei ersten mit Champions-League-Teilnahme, hat er bewiesen, dass er auch im gehobenen Alter noch zur Elite der europäischen Torjäger gehört. «Ja, das ist mir schon klar und motiviert mich zusätzlich.» Dann fügter mit einem Lächeln an: «Und es setzt mich unter Zugzwang.»

«Am wichtigsten ist ein Sieg»

Freis Abschlussqualitäten sind von besonderer Wichtigkeit, wenn sich der FCB heute anschickt, in Cluj den 1:2-Rückstand wettzumachen. Wie fit ist Frei? Er hat nach fünf Partien Pause im Hinspiel 10 Minuten und am Samstag in St. Gallen erstmals wieder 90 Minuten gespielt. «Danke, mir gehts gut.»

Seine Antwort ist knapp, tönt aber wie eine Drohung an die Rumänen. «Sie sind nach dem Sieg bei uns der Favorit. Das könnte für uns ein Vorteil sein.» Als Aussenseiter hat der FCB letzte Saison Manchester United und Bayern München besiegt. «Machen wir früh das 1:0, beginnt bei Cluj das Nervenflattern. Plötzlich hätten sie das Publikum und das Glück gegen sich», sagt er.

Frei kennt das Drehbuch zum Erfolg

Frei hat das Drehbuch zum Erfolg im Kopf. Damit daraus heute ein oscarreifer Film wird, hofft er auf die Künste der FCB-Physiotherapeuten. Diese müssen bis zum Anpfiff den Oberschenkel von Marco Streller, Freis Sturmpartner, von Flüssigkeit befreien. Streller war deswegen in St. Gallen ausgefallen. «In den letzten Jahren haben sogar Blinde gesehen, dass ich und Marco super harmonieren», sagt Frei ein wenig überspitzt, «es ist sehr wichtig, dass er spielt.»

Der Betroffene bezifferte gestern die Einsatzchancen auf 50:50, nachdem es noch am Montag gar nicht gut aussah. Optimistischer gibt sich Trainer Heiko Vogel. «Ich glaube daran, dass Marco in der Startformation steht.» Der Deutsche ist mehr denn je auf seinen Traumsturm angewiesen; mit Valentin Stocker (gesperrt) und Mohamed Salah (verletzt) fallen auf den Flügeln die erste Garde und die hinter Frei und Streller torgefährlichsten Basler aus.

Drei Niederlagen in Folge: Das geht nicht

Zurück zu Alex Frei. Anders als in der Vergangenheit, als er bei Fragen zu einem allfälligen Scheitern ausgewichen wäre, stösst man heute auf Gehör. Und erhält die überraschende Antwort, dass es das Allerwichtigste sei, in Rumänien zu gewinnen. Was dabei herausspringe, zeige sich dann. «Drei Niederlagen in Serie, das kann sich ein FC Basel nicht erlauben», sagt Frei, «das müssen wir verhindern.» Natürlich sei ein Ausscheiden eine Enttäuschung, ein Schweizer Klub in der Champions League aber immer noch etwas Spezielles.

Während des Gesprächs wechseln sich bei Frei Optimismus und Sorgen ab. Einerseits ist er immer noch ehrgeizig genug, heute alles für den Einzug in die Champions League zu
geben. Andererseits weiss er um die schwierige Ausgangslage und die negativen Konsequenzen, die ein Platzen des Traumes zur Folge hätte. «Jetzt sind wir auf dem Platz gefragt», sagt er und steigt ins Flugzeug.