Fussball
Rekord: 18 Schweizer starten am Wochenende in die Bundesliga-Saison

Die Schweizer Bundesliga-Fraktion umfasst neu 18 Namen - so viele wie nie zuvor in der 51-jährigen Bundesliga-Geschichte. Keine ausländische Fussball-Nation ist in der Liga des Weltmeisters stärker vertreten. Die Details der CH-Protagonisten.

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In der Bundesliga starten so viele Schweizer in die Fussball-Saison wie noch nie

In der Bundesliga starten so viele Schweizer in die Fussball-Saison wie noch nie

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Xherdan Shaqiri (22-jährig, Bayern/43 Bundesliga-Spiele/10 Tore)

Xherdan Shaqiri, Bayern München Stammplatz-Chance: 20%

Xherdan Shaqiri, Bayern München Stammplatz-Chance: 20%

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Im dritten Jahr bei Bayern will der populärste Schweizer Fussballer der Gegenwart auch bei Münchner Hauptacts eine Rolle spielen. In der letzten Saison kam der Spielmacher wegen diverser Muskelverletzungen nur auf 50 Prozent der möglichen Liga-Einsätze, markierte mit sechs Treffern aber zwei mehr als in den ersten zwölf Monaten seines Engagements. Shaqiri brillierte an der WM als dreifacher Torschütze gegen Honduras und vergrösserte seinen ohnehin schon stattlichen Marktwert im Achtelfinal gegen Argentinien weiter. Die Frage wird nun sein, ob er die Geduld aufbringt, im System von Pep Guardiola den endgültigen Durchbruch zu schaffen. An einem vorzeitigen Verkauf sei der FCB nicht interessiert, versicherte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge mehrfach. Neu orientieren wird sich "Shaq" in seinem privaten Management. Von Wolfgang Vöges Agentur hat er sich getrennt. Künftig lässt er sich in geschäftlichen Belangen von Bruder Erdin und Arber Sakiri beraten.

Tranquillo Barnetta (29, Schalke/238 Spiele/26 Tore)

Tranquillo Barnetta, Schalke 04 Stammplatz-Chance: 10 %

Tranquillo Barnetta, Schalke 04 Stammplatz-Chance: 10 %

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Im ersten Anlauf schaffte der SFV-Vertreter mit dem grössten Bundesliga-Erfahrungsschatz den Cut nicht - weder unter Huub Stevens noch unter dem aktuellen Coach Jens Keller. Das Leihgeschäft mit der Eintracht war in seinem (WM-)-Sinn, zum Zug kam er in Brasilien gleichwohl nicht. Die "Knappen" haben Grosses im Sinn - aber nicht mit Barnetta in der Stammelf. Der Ostschweizer muss trotz Farfans Out abermals hinten anstehen, der von Leverkusen für 2,5 Millionen Euro übernommene Sidney Sam erhält den Vorzug. Und links ist Weltmeister Julian Draxler ohnehin unantastbar.

Josip Drmic (22, Bayer Leverkusen/33/17)

Josip Drmic, Bayer Leverkusen Stammplatz-Chance: 70 %

Josip Drmic, Bayer Leverkusen Stammplatz-Chance: 70 %

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Bei seiner ersten Deutschland-Station in Nürnberg hat sich der frühere FCZ-Stürmer als 17-facher Skorer auf Anhieb für höhere Aufgaben empfohlen. Gesetzt ist der 22-Jährige dennoch nicht. Je nach taktischer Formation kämpft er gegen den Top-Mann Stefan Kiessling um seinen Platz. In den Couloirs sind die Positionen besetzt - links vom Millionen-Einkauf Calhanoglu, rechts ist Castro unbestritten.

Diego Benaglio (30, Wolfsburg/193/0)

Diego Benaglio, VFL Wolfsburg Stammplatz-Chance: 100 %

Diego Benaglio, VFL Wolfsburg Stammplatz-Chance: 100 %

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Nach seinem überraschenden Rücktritt aus dem Nationalteam wird sich der bald 31-Jährige noch mehr auf seinen Klub fokussieren. In der ersten Cup-Runde fehlte die Nummer 1 wegen eines grippalen Infekts, der sie auch von der Ouvertüre gegen die Bayern abhalten wird. Am üblichen Status von Benaglio hat sich in der Fussball-Filiale des mächtigen Autoherstellers allerdings nichts geändert. Für das Management ist der Captain der personifizierte VW-Modell-Athlet. Seit seinem Debüt Anfang 2008 ist der Meister-Keeper (2009) unantastbar. Gut möglich, dass der zweifache WM-Teilnehmer und Familienvater in ein paar Jahren auch seinen letzten Profi-Vertrag beim VfL unterschreiben wird.

Ricardo Rodriguez (21, Wolfsburg/75/5)

Ricardo Rodriguez, VFL Wolfsburg Stammplatz-Chance: 100 %

Ricardo Rodriguez, VFL Wolfsburg Stammplatz-Chance: 100 %

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Real, Manchester United und Chelsea sollen sich der Reihe nach um ein Gespräch mit der VfL-Leitung bemüht haben. Für den besten und konstantesten Offensiv-Linksverteidiger der Weltmeister-Liga (er verpasste in der letzten Saison keine Minute) interessieren sich inzwischen die europäischen Schwergewichte. Gemäss der "Handelszeitung" soll Rodriguez seinen Wert um 40 Prozent auf 28 Millionen Euro gesteigert haben. Ein Verkauf ist gemäss VfL-Manager Klaus Allofs kein Thema: "Rici bleibt."

Timm Klose (26, Wolfsburg/55/2)

Tim Klose, VFL Wolfsburg Stammplatz-Chance: 20 %

Tim Klose, VFL Wolfsburg Stammplatz-Chance: 20 %

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Für ihn lohnte sich der Transfer im letzten Sommer von Nürnberg zur mittleren Grösse Wolfsburg nicht. Sein früherer Förderer Dieter Hecking hat dem Olympia-Teilnehmer von 2012 das Vertrauen ziemlich rasch entzogen. Klose ist seit bald zwölf Monaten zweite Wahl. Seinem Wunsch nach einer Veränderung der festgefahrenen Situation kam der Klub nicht nach. Bis auf Weiteres kommt nicht einmal ein Leihgeschäft infrage.

Granit Xhaka (21, Mönchengladbach/50/1)

Granit Xhaka, Borussia Mönchengladbach Stammplatz-Chance: 60 %

Granit Xhaka, Borussia Mönchengladbach Stammplatz-Chance: 60 %

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Die Zusammenarbeit zwischen dem temperamentvollen Jungstar und Coach Lucien Favre verläuft zumindest nicht ganz geräuschlos. Das Talent wird vom akribischen Romand immer wieder kritisiert und diszipliniert. Vor allem die Kartenflut (zwölf Gelbe im zweiten Jahr) missfällt dem Trainer. Er fordert von seinem Gestalter im defensiven Mittelfeld mehr Augenmass im Zweikampf.

Yann Sommer (25, Mönchengladbach/0)

Yann Sommer, Borussia Mönchengladbach Stammplatz-Chance: 100 %

Yann Sommer, Borussia Mönchengladbach Stammplatz-Chance: 100 %

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Er besitzt die Qualität und die Aura, den schwierigen Job bei Gladbach zu bewältigen und nach dem Rückzug Benaglios zum unumstrittenen Stammgoalie der Schweiz aufzusteigen. Sein persönlicher Fundus umfasst immerhin fünf nationale Trophäen mit dem FC Basel und 23 Einsätze in der Champions League. Sommer tritt die Nachfolge der zum FC Barcelona transferierten Jung-Ikone Marc-André ter Stegen an. Auf den Sechs-Millionen-Einkauf werden die Kommentatoren speziell achten. Zu Beginn wird wohl nach jedem halbwegs diskutablen Gegentor die Ter-Stegen-Debatte aktiviert. Die "Bild" hielt ihm jeden Fehlgriff der Testspiele einzeln vor.

Marwin Hitz (26, Augsburg/32/0)

Marwin Hitz, Augsburg Stammplatz-Chance: 80 %

Marwin Hitz, Augsburg Stammplatz-Chance: 80 %

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Zu einem WM-Aufgebot von Ottmar Hitzfeld genügten die Paraden zwar nicht. Aber mit seiner Fangkunst trug Hitz erheblich zum einstelligen Tabellenrang von Augsburg bei. An der Goalie-Entdeckung der letzten Saison wird Markus Weinzierl kaum rütteln. Der ehemalige Serie-A-Professional Alexander Manninger sitzt weiterhin nur auf der Bank.

Pirmin Schwegler (27, Hoffenheim/147/6)

Steven Zuber, Hoffenheim Stammplatz-Chance: 40 %

Steven Zuber, Hoffenheim Stammplatz-Chance: 40 %

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In Frankfurt reifte Schwegler zum Leader und zur Symbolfigur des Aufstiegs. Die Eintracht konnte ihren Captain aber nicht halten, weil er in Hoffenheim eine neue Facette entdecken will. Im Kraichgau hat sich der verlässliche Mittelfeldspieler nach wenigen Wochen den Respekt aller Beteiligter erkämpft. Nur ein paar Beschwerden im Adduktorenbereich machen ihm zu schaffen.

Steven Zuber (23, Hoffenheim/0)

Fabian Lustenberger, Hertha BSC Berlin Stammplatz-Chance: 90 %

Fabian Lustenberger, Hertha BSC Berlin Stammplatz-Chance: 90 %

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Als "Bereicherung für unser Kader" stellte die TSG den Ex-Hopper vor. Nach einem einjährigen Gastspiel beim russischen Champion ZSKA Moskau zieht der Nationalteam-Kandidat das perfekt vermarktete und boomende Bundesliga-Spektakel der sprachlichen Isolation in Russland vor. Der passionierte Dribbler stösst allerdings auf eine nicht zu unterschätzende interne Konkurrenz.

Fabian Lustenberger (26, Berlin/92/2)

Valentin Stocker, Hertha BSC Berlin Stammplatz-Chance: 50 %

Valentin Stocker, Hertha BSC Berlin Stammplatz-Chance: 50 %

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Jos Luhukay hält enorm viel vom Luzerner Abwehrchef. Sorgen bereitet ihm einzig die zuletzt erhöhte Verletzungsanfälligkeit seines Captains. Immer wieder wurde der Innerschweizer von muskulären Problemen im Oberschenkel gestoppt. Weil er deswegen einen Teil der Vorbereitung verpasste, dürfte er in der Startphase nicht von Beginn weg spielen. Berlin reagierte auf die Unabwägbarkeiten mit dem Kauf des holländischen Ex-Nationalspielers Johnny Heitinga. Der Schweizer "Patient" beschleunigte sein Aufbauprogramm mit Einsätzen in der Berliner Regionalliga-Auswahl.

Valentin Stocker (25, Berlin/0)

Haris Seferovic, Eintracht Frankfurt Stammplatz-Chance: 70 %

Haris Seferovic, Eintracht Frankfurt Stammplatz-Chance: 70 %

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Die WM-Erfahrung war keine gute. Nach 45 mässigen Minuten gehörte er nur noch zur Fraktion der Zuschauer. In der deutschen Hauptstadt könnte das Klima ebenso rau werden. Der Geschäftsführer kündigte Stocker als "Königs-Transfer" an, Coach Luhukay relativierte dessen Einschätzung und ordnete ihn der "zweiten Kategorie" zu. Im Cup gehörte Stocker nicht zum Spiel-Kader. Beunruhigt ist der Neuankömmling deswegen nicht. Er sei später in den Trainingsbetrieb eingestiegen und arbeite zurzeit so hart wie seit Jahren nicht mehr.

Haris Seferovic (22, Frankfurt/0)

Admir Mehmedi, SC Freiburg Stammplatz-Chance: 100 %

Admir Mehmedi, SC Freiburg Stammplatz-Chance: 100 %

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Sein Weg verläuft nicht nach einem normalen Muster. 2009 das entscheidende Tor im U17-WM-Final, dann der unvernünftige Transfer von GC zu Fiorentina, eine Tingel-Tour durch italienische Hinterhöfe, das Desaster mit Xamax, praktisch aus dem Nichts der Wechsel zum spanischen CL-Teilnehmer San Sebastian. Nun soll ihm Frankfurt mehr Glück und Spielzeit bringen. Zwei Tore gegen Inter in einem Test vor fast 50'000 Eintracht-Fans und das kursweisende 1:0 im Cup-Wettbewerb sind gute Argumente. Aber Alexander Meier, ein womöglich unbequemer Lokal-Fürst und Gegenspieler aus den eigenen Reihen, signalisierte mit forschen Aussagen bereits seine Ansprüche auf einen Platz im Sturm.

Admir Mehmedi (23, Freiburg/32/12)

Roman Bürki, SC Freiburg Stammplatz-Chance: 70 %

Roman Bürki, SC Freiburg Stammplatz-Chance: 70 %

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Für ihn haben sie die rund vier Millionen Euro gerne nach Kiew überwiesen. Der Schweizer ist in jeglicher Hinsicht ein belebendes Element der Breisgauer. Das vergleichsweise eher tiefe Konfliktpotenzial beim SC kommt dem eher stillen, aber strebsamen Offensiv-Mann entgegen. Sein Ziel wird sein, die Marke von zwölf Toren zu überbieten. Ob der WM-Stammspieler schon beim Start dabei ist, hängt von seiner körperlichen Verfassung ab. "Ich habe ein paar muskuläre Probleme", meldet er aus dem Freiburger Trainingszentrum.

Roman Bürki (23, Freiburg/0)

Johan Djourou, Hamburger SV Stammplatz-Chance: 80 %

Johan Djourou, Hamburger SV Stammplatz-Chance: 80 %

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Die Zahl 1 auf seinem Shirt bietet ihm keinerlei Gewähr, ob der Aufdruck auch seiner aktuellen Positionierung im Goalie-Duell mit Sebastian Milietz entspricht. Im Cup beim 2:0 gegen Trier erreichte der ein Jahr ältere Keeper einen ersten Shutout. Trainer Christian Streich betonte aber bei jeder Gelegenheit, dass er sich noch nicht festgelegt habe. Nur schon damit hätte Bürki bei der Vertragsunterschrift aber kaum gerechnet - sein Plan war ein anderer.

Johan Djourou (27, Hamburg/36/0)

Valon Behrami, Hamburger SV Stammplatz-Chance: 100 %

Valon Behrami, Hamburger SV Stammplatz-Chance: 100 %

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Im Chaos der letzten Rückrunde fiel es auch ihm manchmal schwer, die Übersicht zu behalten. Seinen Wert erkannten die HSV-Macher aber trotz der permanenten Abstiegspanik und waren bereit, die von Arsenal verlangte Ablösesumme zu bezahlen. Für ihn ist im erneuerten Team eine Chefrolle vorgesehen. Gut für ihn, gut für das Nationalteam.

Valon Behrami (29, Hamburg/0)

Napoli war selbst für den unerschrockenen Tessiner ein zu heisses Pflaster. Die Unruhe auf und neben dem Feld goutierte er je länger desto weniger. Und als Rafa Benitez ihm ziemlich unverblümt mitteilte, dass man auf seine Kampfkraft verzichten könne, griff der HSV zu. Dank der Finanzspritze können sich die Hamburger einen Spieler leisten, der in acht Serie-A-Saisons Spuren hinterlassen hat. Von Behrami erwarten die Hanseaten enorm viel - sie empfingen den Charakterkopf wie einen kleinen König.