FC Basel
Reicht das? – Die Niederlage des FC Basel gegen Paok wirft Fragen nach Kader-Breite und -Qualität auf

Im Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Paok gibt der 20-Jährige Yves Kaiser sein Profidebüt. Trotz guter Leistung wirft die Einwechslung Fragen im Bezug auf Optionen in der Mannschaft auf. Die wichtigste: Reicht der jetzige FCB-Kader, um die hochgesteckten Ziele der Basler zu erreichen?

Céline Feller
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Yves Kaiser (links) feierte im Hinspiel der zweiten Qualifikations-Runde für die Champions League sein Debüt in der ersten Mannschaft des FC Basel.Keystone

Yves Kaiser (links) feierte im Hinspiel der zweiten Qualifikations-Runde für die Champions League sein Debüt in der ersten Mannschaft des FC Basel.Keystone

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Plötzlich steht er da. Am Spielfeldrand. Mit der 43 auf dem Rücken. Warmgelaufen ist er kaum, für taktische Anweisungen hat es auch nicht mehr gereicht. Er muss jetzt auf den Platz. In der 42. Minute wird Yves Kaiser für den unter Schmerzen vom Platz gefahrenen Raoul Petretta eingewechselt. Es ist Kaisers Profi-Debüt. In diesem so eminent wichtigen Auswärtsspiel des FC Basel gegen Paok Thessaloniki. Ein Moment, den er nie vergessen wird. Aber auch ein Moment, bei dem die Fussball-Schweiz denkt: Yves wer?

Nun, der heute 20-jährige Yves Kaiser wechselt 2013 vom FC Solothurn zum FCB, durchläuft alle Nachwuchsstufen, ist Captain der U21 und trainiert ab Januar 2018 mit den Profis. So die Fakten. Fakt ist aber auch: Kaiser ist am Dienstagabend Raphael Wickys beste, wenn nicht gar einzige Option als Petretta-Ersatz. Denn weil der einzige Rechtsverteidiger im Kader, Silvan Widmer, krankheitsbedingt gar nicht erst nach Griechenland mitreist, weil Taulant Xhaka rekonvaleszent, Neftali Manzambi frei von Lust auf diese Position, Omar Gaber verkauft und Nachwuchsspieler Alessandro Stabile in den Ferien ist, ist Petretta schon die Notlösung. Ihn durch einen Nachwuchs-Innenverteidiger ersetzen zu müssen die Not-Not-Lösung.

Nur die Ziele sind gleich geblieben

Auch wenn Kaiser unter den gegebenen Umständen eine starke Partie zeigt, ist seine Einwechslung der letzte Anstoss für die Frage: Reicht das? Reicht dieser FCB-Kader – qualitativ als auch quantitativ – um alle Ziele zu erreichen? Diese sind naturgemäss in Basel nicht klein, die Rückeroberung des Meistertitels soll es sein, das Erreichen des Cupfinals und die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb – bevorzugterweise der Champions League. Das ist man sich in Basel gewohnt. Daran soll sich nichts ändern. Das Problem ist nur, dass sich in Basel mit Ausnahme der avisierten Ziele vieles geändert hat.

PAOK - FCB
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Basels bester Mann: Goalie Jonas Omlin.
Paoks Führungstreffer.
Albian Ajeti nach der Niederlage gegen die Griechische Mannschaft, den FC Paok. B
FCB-Trainer Raphael Wicky mit Assistenzcoach Massimo Lombardo.

PAOK - FCB

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Der Kader wird nicht mehr danach ausgerichtet, für die vielen englischen Wochen breit genug zu sein. Stattdessen soll er dem vorgegebenen Sparkurs entsprechen. Und er soll reduziert werden, um die Pipeline für Nachwuchsspieler frei zu lassen. Daraus resultieren Probleme, natürlich verstärkt durch verletzungsbedingte Ausfälle. Das Problem hinten rechts ist nur eines. Auch im Zentrum ist es eng, weil Fabian Frei hinten aushelfen muss, Xhaka und Zdravko Kuzmanovic angeschlagen sind und Samuele Campo erst auf dem Weg zurück ist. So kommt es, dass Robin Huser am Dienstag auf der Ersatzbank sitzt. Viel mehr Erfahrung als Kaiser hat er nicht.

Nur eine Verstärkung ist geplant

Der eingeschlagene Weg ist einer, «für den wir uns gemeinsam entschieden haben, hinter dem wir stehen und den wir nicht immer anzweifeln können», wie Marco Streller sagt. Der Sportchef vertritt den Standpunkt, dass «wenn alle wieder fit sind, der Kader definitiv breit genug ist.» Aber ist er auch gut genug? Mit Tomas Vaclik, Michael Lang und Mohamed Elyounoussi wurden die besten Spieler verkauft und mit ihnen enorm viel Erfahrung. Ersetzt wurden alle drei.

Wie Streller sagt gleichwertig. Was bei Silvan Widmer stimmen mag, ist von Omlin und Aldo Kalulu noch zu beweisen. Sie sind grosse Talente mit viel Potenzial. Omlin zeigte zwei starke Partien. Wie beständig er ist, wird sich zeigen. Und ob Kalulu mit der Bürde, Topskorer Elyounoussi zu ersetzen, klar kommt, ebenfalls. Handeln will der FCB auf dem Transfermarkt nur noch, um allenfalls die rechte Abwehrseite zu stärken. Über diese Position wurde bereits geredet und macht man sich intensiv Gedanken, «damit wir da eine Alternative hätten», so Wicky.

Basels bester Mann: Goalie Jonas Omlin.
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Silvan Widmer
Aldo Kalulu

Basels bester Mann: Goalie Jonas Omlin.

GEORGIOS KEFALAS

Abhängig ist dies auch davon, wie schwer Petretta verletzt ist. Eine für heute angesetzte Untersuchung seines Knöchels soll Klarheit bringen. Die restlichen Positionen werden «in der Tendenz», so Streller, nicht verstärkt. Denn sowohl er als auch Wicky sind hundertprozentig überzeugt, wie sie sagen, dass der Kader nicht nur breit, sondern auch gut genug ist – sofern alle fit sind.

Zeit hat man nicht

Natürlich ist die Saison noch jung. Aber die Eindrücke aus Vorbereitungs- und Pflichtspielen sprechen eher dafür, dass dieser Kader weder breit noch stark genug ist, um die hochgesteckten Ziele zu erreichen. Zumal ein Spieler fehlt, der den Unterschied machen kann. Und zumal jeder zu Saison-Beginn Zeit braucht, um auf sein Topniveau zu kommen. Aber Zeit hat man nicht. Nächste Woche könnte das Aus in der Königsklasse besiegelt sein.

Davor steht noch das Gastspiel bei Xamax auf Kunstrasen an. Zwei heikle Aufgaben, bei denen verlieren verboten ist. Und das bei zuletzt fünf Niederlagen in Serie. Ob dieser junge FCB-Kader (Durchschnittsalter 24 Jahre, Paok 25,9, Xamax 27,1) diesen Aufgaben gewachsen ist, darf zumindest bezweifelt werden. Die Fragen bezüglich Kader-Breite und -Qualität werden bei negativen Ausgängen nur noch lauter.

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