Champions League
Reale Träume – wir freuen uns auf magische Nächte mit dem FC Basel

Der FC Basel hat mit der Gruppe B ein grosses Los gezogen: Real Madrid, Liverpool und Ludgorez Rasgrad. Trotzdem: Weiterkommen ist das Ziel – so sieht es auch Captain Marco Streller. Jetzt muss sich Neo-Trainer Paulo Sousa beweisen.

Sebastian Wendel
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Gibt sich die Ehre im Basler St. Jakob-Park: Weltfussballer und Real-Superstar Cristiano Ronaldo.

Gibt sich die Ehre im Basler St. Jakob-Park: Weltfussballer und Real-Superstar Cristiano Ronaldo.

Keystone

Ein Traum, der wahr wird. Erinnerungen an die magischste aller Nächte. Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Wer es kurz und knapp mag – so lässt sich aus Sicht des FC Basel die Auslosung der Champions-League-Gruppenphase zusammenfassen.

Liefern, Paulo Sousa! Kommentar von Etienne Wuillemin

Die Worte wählte FCB-Captain Marco Streller noch vor der Auslosung. «Mein Traum ist es, mit dem FCB in der Champions League in den Viertelfinal zu kommen.» Nun heissen die Gegner: Real Madrid, Liverpool und Ludogorez Rasgrad. Muss Streller seine Worte also überdenken?

Nein, dafür gibt es keinen Grund. Natürlich geht es erst einmal darum, die Gruppenphase zu überstehen. Dass Titelverteidiger Real Madrid wohl eine Nummer zu gross ist für Basel, damit muss man als Schweizer Verein leben. Aber besser sein als Liverpool, ist das möglich? Ja, es ist möglich. Es muss möglich sein!

Der FCB liebt englische Gegner. Nie hat er mehr begeistert als gegen Chelsea, Manchester United, Liverpool oder Tottenham. Warum sollte das diesmal anders sein? Die Erinnerungen werden Flügel verleihen. Der FCB ist so gut wie noch nie. Zumindest europäisch gesehen. Seine konstanten Leistungen haben dazu geführt, dass er – und nicht etwa Liverpool – in Topf 2 gesetzt war. Das ist mehr als nur Zufall.

Bleibt der Faktor «Trainer». Paulo Sousa. Er ist das grösste rot-blaue Fragezeichen. Wer mit dem FCB Schweizer Meister wird, hat noch nichts bewiesen. Beim FCB müssen manchmal gar Meistertrainer gehen.

Den Beweis, ein guter Trainer zu sein, kann Sousa nur in der Champions League erbringen. Er muss zeigen, dass er mit seinem ständigen Rotieren nicht Unruhe und Verunsicherung ins Team bringt. Zeigen, dass die Art, wie er Fussball spielen lässt, international taugt. Vorgänger Yakin hat letzte Saison dank taktischen Meisterleistungen Chelsea zweimal besiegt. Das ist die Messlatte.

etienne.wuillemin@azmedien.ch

Doch was sich gestern in Monaco abspielte, verdient mehr als nur drei Sätze. Auf Facebook überboten sich die FCB-Spieler mit Jubelarien wie «Was für ein Hammer!!!» (Fabian Schär) oder «Was für eine geile Gruppe!» (Philipp Degen). Der dritte Gruppengegner Ludogorez stand noch nicht einmal fest, da brach die Klubhomepage schon zusammen – alle wollten erfahren, wie sie an Tickets für die Heimspiele gegen Real Madrid und Liverpool gelangen. Die Anfragen für Jahreskarten dürften in den letzten Stunden explodiert sein – Besitzer von Saisonabonnements geniessen ein Vorverkaufsrecht für die Champions League.

Real Madrid: Wen man in den Reihen des FCB in den Tagen vor der Auslosung auch fragte, jeder wünschte sich ein Aufeinandertreffen mit den «Königlichen».

Barcelona, Bayern München, Chelsea, Juventus Turin, Manchester United – der FCB wurde bei seinen fünf bisherigen Teilnahmen jedes Mal mit attraktiven Gegnern verwöhnt. In der Sammlung fehlte einzig Real Madrid.

Der berühmteste Klub der Welt, dessen Mythos kein Spieler widersteht. Im Mai dieses Jahres gewannen die Spanier zum zehnten Mal den «Henkelpott», wie die Champions-League-Trophäe auch genannt wird – Rekord.

Real ist der klare Favorit in der Gruppe B – für den FCB geht es darum, einigermassen schadlos davon zu kommen. Sprich, keine hohen Niederlagen zu kassieren. Wie für die Fans sind die Duelle gegen die Madrilenen selbst für die alten Hasen unter den Basler Spielern primär Anlässe, um zu geniessen.

Liverpool: Automatisch kommt einem der 12. November 2002 in den Sinn. Nach 29 Minuten führte der FCB 3:0 gegen Liverpool, am Schluss zitterte er sich zum 3:3 und in die nächste Runde, die «Reds» waren raus. Der sensationelle Coup des damaligen Champions-League-Debütanten gilt bis heute als die magischste aller Champions-League-Nächte in Basel. Die Erinnerung an damals, die grosse Tradition des Klubs aus der Arbeiterstadt Liverpool und die wunderschöne Heimstätte «Anfield Road» führten dazu, dass die Engländer der Wunschgegner aus Topf 3 waren – auch dieser Traum ging in Erfüllung.

Will der FCB in die Achtelfinals, muss er wohl Liverpool hinter sich lassen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Basel gegen Mannschaften von der Insel in den meisten Fällen glänzen konnte.

Ludogorez Rasgrad: Nach Real und Liverpool konnte für die Basler aus Topf 4 kommen, wer will. Die Bulgaren sind zwar kein Zuschauermagnet, eine Verbindung mit dem FCB existiert dennoch: Ein Jahr und zwei Tage sind vergangen, als sich Basel dank des 2:0-Heimsieges gegen Rasgrad für die letztjährige Champions-League-Gruppenphase qualifizierte und anschliessend die historischen Siege gegen Chelsea London folgen liess.

Mit seinem Selbstverständnis muss der FCB gegen Rasgrad die Maximalzahl sechs Punkten anpeilen.

Nach 2012 zum zweiten Mal die Achtelfinals erreichen – so lautete das erklärte Ziel des FCB vor der Gruppenauslosung. Darum hat man Neo-Trainer Paulo Sousa ein Luxuskader bereitgestellt. Marco Streller, der Captain, träumt sogar von der erstmaligen Viertelfinal-Qualifikation.

Ein erster Traum ist mit gestern mit Real Madrid in Erfüllung gegangen. Jetzt braucht es ein kleines Fussballwunder, zumindest aber ein Exploit, damit die Traumgruppe nicht zum Albtraum wird.

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