Normalerweise sind Cup-Spiele da, um jenen Einsatzminuten zu gewähren, die im Liga-Alltag für gewöhnlich etwas zu kurz kommen. So rotierte Raphael Wicky in der ersten Runde gegen Wettswil-Bonstetten gleich auf acht Positionen. Im Cup absolut nichts Spezielles.

Im Spiel der zweiten Runde wolle er dies aber nicht tun.  So werden beispielsweise Renato Steffen und Marek Suchy in der Mannschaft bleiben – mitunter auch, weil sie gegen St. Gallen drei Tage später gesperrt sind. "Es ist klar, dass wir mit einer Topmannschaft nach Chiasso gehen werden. Wir kennen alle diese Cup-Matches. Das sind immer harte Spiele. Wir tun gut daran, wenn wir diese Mannschaft nicht unterschätzen", erklärte Wicky am Freitag.

Keine Experimente

Die Ausgangslage gegen Chiasso sei eine andere als jene gegen Wettswil-Bonstetten. Die Tessiner spielen Challenge League, die Zürcher 1. Liga classic. "Chiasso hat eine gute Mannschaft und spielt erfrischenden Fussball. Daher entscheide ich mich dafür, keine Experimente zu machen. Wir wollen eine Runde weiter kommen."

Die Entscheidung Wickys ist nachvollziehbar. Man stelle sich vor, er würde nach dem nicht überzeugenden Saisonstart auch noch aus dem Cup fliegen. Aber der Trainer des FC Basel weiss schon jetzt, was der Schlüssel in diesem Duell sein wird: Der Kopf. "Jeder Cup-Match gegen einen Unterklassigen ist eine Kopfsache für die oberklassige Mannschaft. Da geht es nicht über taktische Sachen, sondern darüber, mit welcher Mentalität und mit welcher Intensität du in den Match gehst. Darum ist der Kopf alles entscheidend."

Und das sei er auch in der Nachbearbeitung des Manchester-Spiels. Denn im Duell gegen United hat Wicky von seiner Mannschaft eben genau diese Mentalität und Intensität gesehen, die er immer sehen will. Auch gegen die kleinen Gegner. Und die er konservieren will, mit vielen Gesprächen. Er wolle immer das Positive heraus nehmen, ohne die Analyse des Negativen zu vernachlässigen. "Uns ist allen klar, dass wir in der Meisterschaft drei Mal nicht gewonnen haben und das nicht unser Anspruch ist."

Das Glück erzwingen

Aber gerade das Spiel in Manchester habe ihm gezeigt, dass die Mannschaft auf dem richtigen Weg sei. Wie er darauf kommt? "Uns hat keine Mannschaft dominiert, wir haben in keinem Spiel viele Torchancen zugelassen, aber in den letzten drei Spielen hat einfach immer ein bisschen etwas gefehlt." Das Bisschen, dass man ein 1:0 oder ein 2:1 auch mal nach Hause bringe, statt doch noch Tore zu kassieren.

Wenn man jetzt auch vielleicht noch etwas das Glück erzwingen könne, "dann kommen auch die Resultate wieder." Das erste Mal liefern muss der FCB gegen Chiasso. Dann muss er beweisen, dass er verinnerlicht hat, dass nur Leistungen wie jenen gegen Manchester United gut genug sind. Dass er diese mentalen Aspekte mitgenommen hat.

Das ist das, was Wicky von seiner Mannschaft erwartet. Vom Gegner erwartet er einen Auftritt mit erfrischendem Fussball. "In den Spielen, die wir von ihnen gesehen haben, haben sie immer versucht, Fussball zu spielen." Dies habe auch mit dem spanischen Trainer zu tun, der von einer der Nachwuchsmannschaften des FC Sevilla zu den Tessinern gewechselt hat. "Sie gehen schnell drauf in der Defensive, haben eine junge Mannschaft gespickt mit ein paar routinierteren Spielern." Ein Selbstläufer werde es es mitnichten, ist sich Wicky sicher. Eine Liga Unterschied hin oder her.