Frauen-WM
Ramona Bachmann: Die Frau im Mittelpunkt

In der Nacht auf Montag treffen die Schweizerinnen im WM-Achtelfinal auf Gastgeber Kanada. Ramona Bachmann soll ihr Team in die nächste Runde schiessen – und damit die hohen Erwartungen erfüllen.

David Schweizer, Vancouver
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Wurde auch schon als «Messi des Frauenfussballs» bezeichnet: Ramona Bachmann.

Wurde auch schon als «Messi des Frauenfussballs» bezeichnet: Ramona Bachmann.

KEYSTONE

Abseits des Platzes gibt sich Ramona Bachmann gerne locker. Mit ihrer Art, ihrem Gang oder ihrer Kleidung. Sie lacht gerne und viel. Hat sie aber erst ihre Fussballschuhe zugeschnürt, die Haare streng nach hinten gebunden und betritt sie den Rasen, dann bleibt da nicht mehr viel übrig von der lockeren Ramona. Ihre Miene wird ernst.

Diese ändert sich nur, wenn sie eines ihrer unwiderstehlichen Dribblings mit einem Tor erfolgreich abschliesst. Dann lacht Ramona wieder, strahlt sie gar. Bleibt jedoch die gegnerische Verteidigerin oder die Torhüterin Siegerin des Zweikampfes, wird ihr Gesichtsausdruck starr und wirkt fast schon verbissen.

Das ist in diesen Tagen nicht anders, da Ramona Bachmann mit dem Frauen-Nationalteam an der WM in Kanada spielt. Es ist gar noch eine Spur intensiver. Der Grund ist einfach: es ist Bachmanns grosse Chance, sich auf der Weltbühne zu zeigen. Endlich den Beweis zu erbringen, dass sie zu den Weltbesten ihres Fachs gehört. Sie, die bereits vor vielen Jahren gesagt hat: «Ich will einmal Weltfussballerin werden.»

Ramona Bachmann gibt auf Instagram Einblicke in ihr Privatleben.
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Ramona Bachmann gibt auf Instagram Einblicke in ihr Privatleben
Ramona Bachmann gibt auf Instagram Einblicke in ihr Privatleben.
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Ramona Bachmann gibt auf Instagram Einblicke in ihr Privatleben.
Ramona Bachmann gibt auf Instagram Einblicke in ihr Privatleben.

Ramona Bachmann gibt auf Instagram Einblicke in ihr Privatleben.

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Dafür tut die 24-Jährige alles. Und manchmal auch zu viel. Im Startspiel gegen Japan kämpft sie, dribbelt sie und leidet sie. Doch statt auf die freistehenden Mitspielerinnen zu passen, schiesst sie selbst. Auch in den Schlussminuten. Da verfehlt ihr Schuss das Tor knapp. Es gibt danach Leute, die der Meinung sind, dass die Schweiz ohne die eigensinnigen Aktionen Bachmanns vielleicht ein Tor erzielt hätte. Diese ist nach der knappen 0:1-Niederlage untröstlich und weint in den Armen von Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg bittere Tränen.

«Als Team gewinnen»

Anders die Gefühlslage nach dem 10:1-Sieg gegen Ecuador, wo sich Ramona Bachmann als dreifache Torschützin feiern lässt. Sie strahlt, erst recht, weil die Fifa sie zur Spielerin des Spiels wählt – und nicht etwa Fabienne Humm, die unbekannte Spielerin der FC Zürich Frauen, die aber soeben den schnellsten Hattrick in der Geschichte der Frauen-WM erzielt hat.

Ramona Bachmann steht im Mittelpunkt – und das ist gut so. Dass entgegen der teaminternen Hierarchie sie und nicht etwa Ana-Maria Crnogorcevic den Penalty schiesst, geht im ganzen Trubel fast unter. Die Reaktion der Bernerin, die kommentarlos die Interview-Zone passiert, könnte allerdings so interpretiert werden, dass das Verhalten von Bachmann nicht immer allen gefällt. An der Pressekonferenz nach dem Spiel beteuerte diese allerdings: «Letztlich ist es egal, wer das Tor schiesst. Wir gewinnen immer als Team.»

Bei ihrem Verein FC Rosengard in Schweden lässt Ramona Bachmann mit ihren Tempo-Dribblings die Herzen der Fans höher schlagen. Seit 2007 spielt sie in Schweden, viermal gewann sie die Meisterschaft, vor zwei Jahren wurde sie zur besten Spielerin der Liga gewählt. Sie ist Profi, kann vom Fussball leben – das, was sie immer wollte. Im hohen Norden sei sie ruhiger geworden, sagte sie einmal und habe gelernt, in hektischen Situationen nicht die Fassung zu verlieren.

Auch dank dem Einfluss der fünffachen Weltfussballerin Marta, mit der sie ein gefürchtetes Sturmduo bildet. Erst 17 Jahre alt war sie, als sie nach der obligatorischen Schulzeit das Angebot von Umea annahm, ohne die Eltern vorher um Erlaubnis zu fragen. Ramona Bachmann hat also schon immer das getan, was sie für richtig hielt.

Mit dem Kopf durch die Wand

Auch jetzt an der WM. Im dritten und letzten Gruppenspiel, am Dienstag gegen Kamerun in Edmonton, will ihr allerdings überhaupt nichts gelingen. Die Schweiz verliert 1:2. In der ersten Halbzeit scheitert sie aus nächster Nähe an der Torhüterin. In der zweiten Hälfte drischt sie den Ball ins Nirgendwo – Teamkollegin Humm wäre auf der anderen Seite freigestanden.

Doch Ramona Bachmann war noch nie eine Spielerin, die den Ball gerne abspielt. Lieber versucht sie es alleine; mit dem Kopf durch die Wand sozusagen. Sie nehme ihr das nicht übel, sagte Humm nach dem Spiel. «Sie ist eine Spielerin, die nur das Tor sieht.» Einen Tag nach dem Spiel wird Martina Voss-Tecklenburg auf das eigensinnige Verhalten ihrer Stürmerin angesprochen.

Die Trainerin sagt: «Wir wissen, wie Ramona spielt. Wenn sie den Ball nicht abspielt, vier Gegenspielerinnen umspielt und dann das Tor erzielt, wird sie hochgejubelt. Spielt sie den Ball ab und es gibt kein Tor, nicht. Wir kritisieren das auch, wenn sie den Ball in gewissen Situationen nicht abspielt. Aber wir wissen auch, dass sie das nicht mit Absicht tut, sondern mit solchen Aktionen das Spiel ankurbeln will.»

Ramona Bachmann sorgte an der WM bislang nicht nur mit ihren Auftritten auf dem Platz für Gesprächsstoff, sondern auch mit einem Interview im SonntagsBlick vor einer Woche. Darin verkündete sie offiziell ihre Liebe zu Freundin Camille. Sie sorgte dafür, dass der Sport in den Hintergrund rückte – ausgerechnet jetzt, wo der Frauenfussball in der Schweiz eine solch grosse Beachtung geniesst.

Zwischen Komödie und Drama

In Kanada warf es zumindest vordergründig keine allzu hohen Wellen, glaubt man den Worten von Mitspielerin Vanessa Bürki: «Es muss jede selber entscheiden, ob sie das will. Ich finde es mutig von ihr, dass sie es gemacht hat. In der Mannschaft wird aber nicht darüber diskutiert.» Trotzdem: Ramona Bachmann stand einmal mehr im Mittelpunkt des medialen Geschehens.

Dass ihr das gesunde Selbstvertrauen zuweilen als Arroganz oder gar Egoismus ausgelegt wird, stört sie nicht. Denn Ramona Bachmann hat schon immer das getan, was sie für richtig hielt. Mit 16 Jahren zog sie aus, um die Fussballwelt zu erobern. Nun spielt sie endlich auf der ganz grossen Bühne. Es ist dies eine Mischung zwischen Komödie und Drama. Der nächste Akt folgt in der Nacht auf Montag (01:30 Uhr MEZ), beim Achtelfinal gegen Gastgeber Kanada.