FC Aarau
Radices erster Doppelpack: «Ich hörte von allen Seiten: ‹Schiess! Schiess!›»

Nach dem 2:2 auswärts gegen die Young Boys ist die Stimmung beim FC Aarau durchzogen. Einerseits ist man froh über den schlussendlich glücklichen Punkt, andererseits trauert man der Chance auf drei Punkte nach. So auch Doppeltorschütze Luca Radice.

Dean Fuss
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FCA-Matchwinner Luca Radice (M.) feiert seinen zweiten Treffer mit Igor Nganga (r.).

FCA-Matchwinner Luca Radice (M.) feiert seinen zweiten Treffer mit Igor Nganga (r.).

Peter Klaunzer/Keystone

228 Tage sind eine unglaublich lange Zeitspanne. Ganz genau so lange musste Luca Radice nach seinem letzten Saisontreffer warten, bis er in der Meisterschaft wieder über einen erfolgreichen Torschuss von sich jubeln konnte. Am 13. September beim 2:1-Heimsieg gegen den FC Thun war es, als der 28-Jährige zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung getroffen hatte.

Am späten Mittwochabend war es in der 35. Minute der Partie seines FC Aarau auswärts gegen die Young Boys wieder so weit: Der Italiener luchste YB-Mittelfeldspieler Milan Gajic den Ball im Mittelkreis ab, spielte Teamkollege Sven Lüscher an und wurde von diesem sogleich lanciert. Weil Radice von niemandem angegriffen wurde, zog er aus gut 26 Metern ab und bezwang YB-Goalie Yvon Mvogo. «Ich hörte von allen Seiten: ‹Schiess! Schiess!›. Also habe ich es versucht und den Ball gut getroffen», sagte Radice nach dem Schlusspfiff.

Verhaltene Freude

Weil er in der 94. Minute mit einem weiteren Schuss aus mittlerer Distanz auch noch den 2:2-Ausgleich für sein Team besorgte, konnte er sich über seinen ersten Doppelpack der Karriere freuen. Wobei freuen wohl etwas zu viel gesagt ist. «Es ist natürlich schön, dass es bei mir gleich zwei Mal geklappt hat. Den Punkt nehmen wir gerne mit nach Hause, aber es ist halt auch etwas ärgerlich, dass wir nach der 1:0-Führung nicht gewonnen haben», brachte er die Gefühlslage von sich und seinen Mitspielern auf den Punkt.

Das sieht auch Torhüter Joël Mall, der sein Team vor allem in der Schlussphase mit zwei, drei mirakulösen Paraden im Spiel hielt, so: «Es ist halt im Endeffekt trotzdem wieder nur ein Punkt. Natürlich gibt uns das moralischen Aufschwung, aber die Moral bringt uns am Ende nichts. Es zählen nur Punkt», sagte er mit einem gequälten Lächeln. «Um den Abstieg zu verhindern brauchen wir ein kleines Wunder. Der Punkt in Bern war ein kleiner Schritt in diese Richtung, wir brauchen in unserer Situation aber grosse Schritte.»

Der fehlende Mut

Der 24-Jährige sieht aber irgendwie auch ein, dass man am Schluss eben mit diesem einen Punkt zufrieden sein muss. «YB müsste die Partie in der zweiten Halbzeit entscheiden. Aber das sind dann halt solche Spiele, wenn es der Gegner nicht macht, dann machen wir halt am Schluss noch das Tor.»

Auch dass der FCA mit dem Unentschieden vom Mittwochabend in allen Direktvergleichen gegen YB gepunktet (1 Sieg, 3 Unentschieden) hat, versetzt Mall nicht in Euophorie: «Davon können wir uns auch nichts kaufen.» Mall vermisste gegen die Young Boys vor allem den Willen auch einmal etwas zu versuchen: «Wir müssen etwas mehr Mut haben. Luca hat das bei seinen Toren gut vorgemacht.»

Das kapitale Heimspiel gegen Luzern

Für das Heimspiel gegen den FC Luzern am Sonntag (3. Mai, Anpfiff 13.45 Uhr) gibt es in den Augen von Mall nur etwas: «Dann gilt wohl siegen oder fliegen.» Etwas weniger ultimativ formuliert es Radice: «Das Spiel gegen Luzern wird ganz wichtig. Da wäre ein Sieg schon sehr wertvoll. Es wird sicher ein Kampfspiel werden.»

Damit der aktuelle Rückstand von sechs Punkten auf das neuntplatzierte Vaduz am Sonntag verkleinert werden kann, ist der FCA auf die Schützenhilfe von Thun angewiesen. Die Berner Oberländer, denen die Aarauer die Daumen drücken werden, spielen bereits am Samstag (17.45) zu Hause gegen die Liechtensteiner.

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