Im letzten Jahr scheiterte Borussia Dortmund in der Vorrunde der Champions League kläglich und ohne Sieg. Nicht einmal in den beiden Spielen gegen APOEL Nikosia hatte es zum Erfolg gereicht. Heuer ist unter dem Schweizer Trainer Lucien Favre alles anders. Schon in der 4. Runde kann der BVB die Qualifikation für die K.o.-Runde schaffen. Ein Auswärtssieg gegen Atlético Madrid reicht auf jeden Fall. Bei einem Remis oder einer Niederlage wäre Dortmund ebenfalls vorzeitig weiter, sofern das zweite Spiel der Gruppe A zwischen Monaco und dem FC Brügge unentschieden endet.

Die exakt gleiche Ausgangslage hat der FC Barcelona in der Gruppe B. Der spanische Meister tritt mit dem Punktemaximum beim zweitklassierten Inter Mailand an. Im anderen Spiel treffen die sieglosen Tottenham Hotspur und PSV Eindhoven aufeinander. Wie Dortmund und Barcelona können auch Atlético Madrid und Inter Mailand bereits am Dienstag den Einzug in die Achtelfinals realisieren; mit einem Heimsieg und bei einem gleichzeitigen Remis im anderen Gruppenspiel.

PSG auf heikler Mission

Im Mittelpunkt steht am Dienstag jedoch ein Team, das im Sommer zu den Favoriten gezählt wurde, nun aber schon vor dem Spiel der letzten Chance steht: Paris Saint-Germain. Verliert der französische Meister in Neapel, ist er im Prinzip ausgeschieden. Er hätte danach im Fernduell mit dem FC Liverpool und Napoli nur noch theoretische Chancen. "Dieses Spiel wird für uns sein wie ein kleiner Krieg", war der Pariser Captain und Abwehrchef Thiago Silva um eine Einordnung bemüht.

Um beim martialischen Bild zu bleiben: Der PSG kämpft gerade an verschiedenen Fronten - und dies nicht gerade mit viel Geschick und Erfolg. Da wären die "Football Leaks", die letzte Woche Dokumente offen legten, wonach der mit Geld aus Katar alimentierte Verein vor ein paar Jahren bloss dank grosszügigem Entgegenkommen der UEFA-Spitze dem Ausschluss aus der Champions League entkam. Da der PSG permanent gegen die Auflagen des Financial Fairplay verstösst, studieren die UEFA-Ermittler das Dossier nun nochmals ganz genau. Ganz ruhig schläft die Pariser Klubführung in diesen Tagen jedenfalls nicht. In Sachen europäischer Wettbewerb könnte der PSG in den nächsten Wochen nämlich noch auf viel höherer Ebene ausscheiden als bloss auf dem Rasen von Neapel.

Eskapaden und Disziplinlosigkeiten

Eine andere Baustelle beim souveränen Leader der Ligue 1 ist das in den letzten Wochen verwahrloste Auftreten einiger Stars. Während es um den Brasilianer Neymar erstaunlich ruhig geworden ist, sorgten andere für negative Schlagzeilen. Der Italiener Marco Verratti etwa, der letzte Woche, nur zwei Tage vor dem Spitzenspiel gegen Lille, in seinem Auto in angetrunkenem Zustand in einer Polizeikontrolle hängengeblieben ist. Wenige Tage zuvor hatte der deutsche Trainer Thomas Tuchel den Weltmeister Kylian Mbappé und den Mittelfeldstrategen Adrien Rabiot aus der Startformation für das Spiel beim Erzrivalen Olympique Marseille gestrichen. Die beiden Jungstars hatten sich bei einer Teamsitzung verspätet.

Alle diese Eskapaden haben sich in der Ligue 1 nicht negativ auf die Resultate ausgewirkt. Der PSG führt nach 12 Runden die Tabelle mit dem Punktemaximum an - elf Zähler vor den ersten Verfolgern Montpellier und Lille. Doch international tut sich die Mannschaft schwer und läuft nun Gefahr, erstmals, seit der Klub von Katar kontrolliert wird (2011), die Achtelfinals in der Champions League zu verpassen.

Ob allerdings bloss Disziplinlosigkeiten, interne Hahnenkämpfe oder unprofessionelles Verhalten ausserhalb des Platzes dafür verantwortlich sind, ist offen. Nicht wenige Experten sind der Meinung, dass sich vor allem das grosse Gefälle innerhalb der französischen Liga nachteilig auswirkt. Nach dem Hinspiel in Paris gegen Napoli, das der PSG nur mit viel Glück nicht verlor (2:2), urteilte die Tageszeitung "Le Monde": "Napoli hat den PSG erschüttert. Die Pariser waren eine solche Intensität aus der Meisterschaft nicht gewohnt. Solche Zusammenstösse gibt es da gar nicht mehr."