Brexit
Premier League zittert: Müssen jetzt zwei Drittel der EU-Fussballer die Liga verlassen?

Die Premier League fürchtet nach dem Brexit «verheerende Konsequenzen». Bis zu 330 Profis in den Profiligen Grossbritanniens wären nicht mehr spielberechtigt. England fürchtet um seinen Ruf als «beste und attraktivste Liga der Welt».

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David De Gea, Juan Mata, Anthony Martial und Chris Smalling: Drei der vier hätten nach Nicht-EU-Recht keine Lizenz bei Manchester United erhalten.

David De Gea, Juan Mata, Anthony Martial und Chris Smalling: Drei der vier hätten nach Nicht-EU-Recht keine Lizenz bei Manchester United erhalten.

Keystone

Der Brexit betrifft alle Lebensbereiche der Briten. Da macht er auch vor der Lieblingsbeschäftigung Fussball nicht Halt. Die Premier League kündigte während den letzten Monaten schon an, dass die Folgen verheerend sein könnten. Alle 20 Premier-League-Klubs waren gegen einen EU-Ausstieg. Doch soviel schon mal vorne weg: Momentan ist unklar, wie es weitergeht.

Eigentlich müsste die Liga jetzt «dichtmachen» und EU-Spieler wie Nicht-EU-Sportler behandeln. Das würde bedeuten, dass nur noch «wirklich grosse Kaliber» nach England dürften. Dies wären Spieler, welche in den letzten zwei Jahren mindestens 75 Prozent der Länderspiele bestritten (für Länder aus den Top 50 des FIFA-Rankings).

Almen Abdi würde die Bedingungen für die Arbeitsgenehmigung nicht mehr erfüllen.

Almen Abdi würde die Bedingungen für die Arbeitsgenehmigung nicht mehr erfüllen.

Keystone

Keine Spieler werden ausgewiesen

Mit anderen Worten: Aktuelle Spieler wie Dimitri Payet, David De Gea, Juan Mata, Anthony Martial, N'Golo Kanté, Robert Huth oder Almen Abdi hätten gar nie in die Premier League wechseln dürfen. Oder wenn wir noch etwas zurückblicken: Cristiano Ronaldo und Thierry Henry hätten nicht zu Manchester United respektive Arsenal dürfen. Wer weiss, wie ihre Karrieren verlaufen wären oder ob Arsenal je die Supersaison 2003/2004 hätte hinlegen können? Auch Philippe Senderos, Johan Djourou oder Shani Tarashaj wären nicht auf die Insel gekommen.

Wie die «BBC» schreibt, hätten zwei Drittel der 160 EU- und EWR-Spieler der Premier League gemäss dem Arbeitsrecht nach dem Brexit nicht wechseln dürfen. Allerdings werden diese jetzt kaum «ausgewiesen». Wie Immigrations-Expertin Maria Patsalos dem «Telegraph» sagt: «Das Innenministerium hat auch früher nie neue Gesetze rückwirkend verhängt.» Wozu der Brexit aber wohl wirklich führt: neue Verhandlungen mit Spielern, womöglich schon in diesem Sommer.

Cristiano Ronaldo hätte als 18-Jähriger nicht zu Manchester United dürfen. Hätte seine Karriere dann den gleichen Verlauf genommen?

Cristiano Ronaldo hätte als 18-Jähriger nicht zu Manchester United dürfen. Hätte seine Karriere dann den gleichen Verlauf genommen?

Keystone

332 Profis hätten keine Lizenz erhalten

Noch härter würde es die unteren Ligen Englands und die schottischen Teams treffen. In der Championship (2. Liga) würden 23 der 180 Nicht-Briten die Arbeitserlaubnis erhalten, in Schottlands Premier League keiner (!) der 53 «Europäer»! Insgesamt hätten aktuell 332 Fussball-Profis keine Lizenz erhalten.

Dimitri Payet: Der bisherige EM-Star hätte nach aktuellem Arbeitsrecht nach dem Brexit nicht nach England wechseln dürfen.

Dimitri Payet: Der bisherige EM-Star hätte nach aktuellem Arbeitsrecht nach dem Brexit nicht nach England wechseln dürfen.

Keystone

Die Liga ist jetzt gefordert und muss eine Lösung präsentieren. Wird es Spezialregelungen geben? Klar scheint einzig: Es wird komplizierter. Diverse Exponenten fürchten, dass die «beste Liga der Welt» bald Vergangenheit sein wird. Aber wir wissen es ja aus anderen Bereichen: Nichts wird so heiss gegessen, wie es gekocht wird.

Andere Stimmen freuen sich, dass jetzt vielleicht endlich wieder einheimische Kicker eine Chance erhalten, was die Nationalmannschaft stärken würde. Sicher ist wie eingangs erwähnt jedoch nur eines: Die Langzeit-Auswirkungen auf die Premier League stehen noch in den Sternen. (fox)